Woerle: Heumilch als strategischer Rohstoff
Im Rahmen der 10 Jahre Heumilch g.t.S.-Pressereise gab das Henndorfer Unternehmen Woerle einen Überblick, wie enorm wichtig der Rohstoff Heumilch für den Hersteller ist. Denn: Heumilch ist für die Privatkäserei Woerle nicht bloß eine Produktkategorie, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells. Während in Österreich rund 15 Prozent der gesamten Milchproduktion auf Heumilch entfallen, verarbeitet das Familienunternehmen in Henndorf rund 80 Prozent Heumilch und Bio-Heumilch. Europaweit liegt der Anteil unter drei Prozent. Damit setzt Woerle auf einen vergleichsweise spezialisierten Rohstoff, der die Positionierung seiner Käsespezialitäten prägt.

Wirtschaftliche Basis
Die wirtschaftliche Basis ist beachtlich: Laut dem veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht für 2025 erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 188,4 Mio. Euro. Rund 80 Mio. Kilogramm Rohmilch werden jährlich von etwa 439 regionalen Familienbetrieben angeliefert. Die Milchbauern befinden sich im Umkreis von rund 50 Kilometern um die Käserei. Aus dem Rohstoff entstehen unterschiedliche Käseprodukte, von Heumilch-Emmentaler über Schnitt- und Frischkäse bis zu Schmelzkäsespezialitäten. Im Berichtsjahr 2025 wurden rund 28.900 Tonnen Käse produziert. Apropos: Emmentaler ist das Lead-Produkt des Unternehmens. Und ein ordentlicher Emmentaler kann wiederum nur mit Heumilch und nicht mit Milch aus Silage-Fütterung hergestellt werden.
Rohstoffqualität beginnt beim Futter
Die Besonderheit der Heumilch liegt in der Fütterung der Kühe: Im Sommer erhalten sie frische Gräser und Kräuter, im Winter getrocknetes Heu. Auf Silage wird verzichtet. Für die Käserei bedeutet das, dass die Rohstoffqualität eng mit der Bewirtschaftung der Wiesen und Weiden sowie mit den landwirtschaftlichen Betrieben verbunden ist.
Für Woerle ist diese Zusammenarbeit daher mehr als eine klassische Lieferbeziehung. Das Unternehmen unterstützt seine Milchbauern unter anderem mit Praxiswerkstätten, Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und Prämien für CO₂-reduzierende Maßnahmen. Die Bewirtschaftung artenreicher Wiesen sichert die Futtergrundlage und trägt zugleich dazu bei, die traditionelle Kulturlandschaft im Salzburger Land und im angrenzenden Mondseeland zu erhalten. Die Heumilchwirtschaft im österreichischen Alpenbogen wurde 2023 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als landwirtschaftliches Kulturerbe von globaler Bedeutung anerkannt. Für Woerle ist das ein zusätzlicher Beleg für den regionalen und traditionellen Hintergrund der Rohstoffproduktion. Im übrigen war Gerhard Woerle, Gerrits Vater, Gründungsmitglied der ARGE Heumilch.
Tradition trifft industrielle Verarbeitung
Die Herausforderung für die Käserei besteht darin, diese besondere Rohstoffbasis in unterschiedlichen Produktsegmenten wirtschaftlich zu nutzen. Woerle zählt zu den größten Privatkäsereien Österreichs und ist nach Unternehmensangaben hierzulande Marktführer bei Heumilch-Emmentaler und Schmelzkäsescheiben. Gerade die Kombination aus traditioneller Käseherstellung und einem breiten Produktspektrum ermöglicht es, unterschiedliche Märkte und Konsumentengruppen anzusprechen.
International setzt das Unternehmen insbesondere auf die Marke Happy Cow. Die Produkte werden in rund 70 Länder exportiert, wobei Schmelzkäseprodukte und Naturkäse-Spezialitäten im Mittelpunkt stehen. Die Exportquote lag laut den veröffentlichten Unternehmensdaten für 2025 bei rund 61 Prozent. Damit ist das Auslandsgeschäft ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells.
Nachhaltigkeit als Teil der Wertschöpfung
Seit 2019 bündelt Woerle seine Nachhaltigkeitsaktivitäten unter dem Titel „Woerle wirkt weiter“. Schwerpunkte sind Klimaverantwortung und Artenvielfalt. Die Heumilchwirtschaft fügt sich in diese Strategie ein, weil sie auf Dauergrünland, traditioneller Fütterung und regionalen landwirtschaftlichen Strukturen basiert. Gleichzeitig bleiben die tatsächlichen Umweltwirkungen von Standort, Wasserhaushalt und Bewirtschaftung abhängig.
Für das Unternehmen ist die Wiese damit sowohl Grundlage der Rohstoffversorgung als auch Teil der Produktpositionierung. Entscheidend wird sein, wie sich die zusätzlichen Anforderungen an die landwirtschaftliche Produktion, die Zusammenarbeit mit den Bauern und die Verarbeitung wirtschaftlich langfristig miteinander verbinden lassen. Woerle setzt dabei auf eine klar definierte Rohstoffbasis, regionale Lieferbeziehungen und die internationale Vermarktung seiner Käseprodukte.