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Der Lockerheit, die heute hierzulande bei Thema Alkohol großteils noch herrscht, könnte es laut Studie schon bald an den Kragen gehen.

Welche Zukunft hat der Alkohol?

Die Studie „The Future of Alcohol“ von Unternehmensberater Roland Berger untersucht die langfristige Entwicklung der globalen Alkoholindustrie und kommt zu einer klaren Schlussfolgerung: Der Alkoholkonsum befindet sich weltweit in einem strukturellen und langfristig irreversiblen Rückgang.

Laut der aktuellen Analyse von Roland Berger könnte sich das globale Konsumvolumen von Alkohol bis 2050 im extremsten Fall halbieren. Ursache dafür seien nicht kurzfristige wirtschaftliche Schwankungen, sondern tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen wie steigendes Gesundheitsbewusstsein, veränderte Werte jüngerer Generationen, strengere Regulierung und demografischer Wandel.

Die Studie zeigt, dass der Alkoholkonsum in nahezu allen Regionen der Welt stagniert oder sinkt. Besonders stark betroffen seien entwickelte Märkte wie Westeuropa oder Nordamerika. Als Vergleich dient die Tabakindustrie: In Japan sank der Tabakkonsum nach verschärften Regulierungen und gesellschaftlicher Ächtung zwischen 2000 und 2024 um rund 75 Prozent. Laut Roland Berger könnte sich Alkohol künftig ähnlich entwickeln.

Antialkoholische Jugendprogramme

Ein zentraler Treiber dieses Wandels ist die zunehmende Regulierung. Regierungen setzen nicht mehr nur auf Steuern oder Verkaufsbeschränkungen, sondern zunehmend auf Bildung und gesellschaftliche Einflussnahme. In Ländern wie China, Vietnam oder Polen werden bereits Programme in Schulen eingeführt, die alkoholfreie Lebensweisen fördern und Jugendliche früh sensibilisieren. Dadurch verändern sich langfristig Werte und Konsumverhalten ganzer Generationen.

Trotz des schrumpfenden Gesamtmarkts sieht die Studie Chancen für Unternehmen, die sich technologisch und strategisch neu positionieren. Besonders wichtig wird dabei das Konzept „Alco-Tech“. Gemeint ist die Verbindung aus biologischer Innovation und künstlicher Intelligenz. Fermentationstechnologien und Hefe werden nicht mehr nur zur Herstellung alkoholischer Getränke genutzt, sondern entwickeln sich zu Plattformtechnologien für Bereiche wie Landwirtschaft, Gesundheit oder Beauty-Produkte. Alkoholunternehmen könnten sich dadurch zu breit aufgestellten Biotechnologieunternehmen entwickeln.

Wachsende Bedeutung der KI

Auch künstliche Intelligenz spielt laut Studie künftig eine zentrale Rolle. KI kann entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt werden – von präziser Landwirtschaft über Produktionssteuerung bis hin zu personalisierten Konsumentenerlebnissen. Besonders hervorgehoben werden KI-gestützte Empfehlungssysteme für Wein und Spirituosen. Ähnlich wie Streamingdienste Musik personalisieren, könnten zukünftige Plattformen Getränkeempfehlungen auf Basis von Geschmack, Stimmung, Gesundheitsdaten oder Umgebung erstellen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten zur Kundenbindung und Datennutzung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist „Alco-Politics“. Die Autoren argumentieren, dass Unternehmen künftig nicht mehr nur auf Regulierung reagieren dürfen, sondern aktiv an deren Gestaltung mitwirken müssen. Besonders wichtig sei die Definition von „gesundem Alkohol“. Unternehmen, Regierungen und Händler sollten gemeinsame Standards entwickeln. Wer diese Standards zuerst prägt, könne langfristig Wettbewerbsvorteile sichern und das Vertrauen der Verbraucher stärken.

Unterschiedliche Strategien je nach Region

Dabei unterscheiden sich die Strategien je nach Region deutlich: Europa eignet sich laut Studie für standardisierte Nachhaltigkeits- und Gesundheitslabels, Nordamerika erfordert flexible Strategien auf Bundesstaatenebene, während in Asien vor allem Marketing und Lifestyle-Kommunikation entscheidend bleiben. Asiatische Märkte gelten weiterhin als besonders empfänglich für starke Marken und digitale Konsumerlebnisse.

Abschließend betont Roland Berger, dass die Zukunft der Alkoholindustrie nicht mehr allein im Verkauf alkoholischer Getränke liegt. Erfolgreiche Unternehmen werden künftig jene sein, die Technologie, Daten, KI und Fermentation als zentrale Geschäftsfelder begreifen. Alkohol wird dabei nur noch ein Teil eines wesentlich breiteren Geschäftsmodells sein. Premium- und Luxussegmente bleiben zwar relevant, müssen sich jedoch stärker über Personalisierung, Herkunft, Wellness und Erlebnis definieren. Unternehmen, die diese Transformation ignorieren, riskieren langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.

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geschrieben am

11.06.2026