Spar wird Marktanteil gewinnen
Stabil, aber hart – so drückt es der Spar-Vorstandsvorsitzende aus, wenn es um die Ränge der Lebensmittelhändler in Österreich und Europa geht. Denn Spar ist zwar in Österreich im Lebensmitteleinzelhandel Marktführer, muss aber gegen große internationale Händler wie Lidl (Schwarz-Gruppe in Europa Nummer 1 und weltweit Nummer 2), Rewe (Europa Nummer 2) und Hofer (Aldi Europa Nummer 3) antreten. Das machen die Salzburger erfolgreich, wenn man hört, dass man heuer Marktanteile (derzeit 36,6%) dazugewinnen werde (nach Schätzung 0,4 Prozentpunkte) – sei es durch gutes Management aber auch durch Versäumnisse einzelner Mitbewerber. Spar wolle organisch wachsen (like for like), aber auch durch Expansion, wenn man sie 23 Unimärkte (selbstständige Kaufleute) dazuzählt, die übernommen werden sollen.
Sehr expansiv unterwegs ist Spar in Slowenien (Nummer1), Kroatien (Nummer 3) und Italien. Hier steht die Region Emilia-Romagna im Fokus. In Ungarn kämpft Spar immer noch mit der von der Regierung angeordneten retail tax von 4,5%. Dabei erhofft sich Spar eine rasche Lösung, da man Brüssel/die EU eingeschaltet für einen Stop dieser Taxe eingeschaltet hat.
Spar Polen, das aktuell zum Verkauf steht, ist für Spar Österreich keine Option. Auch deshalb, da die jährliche Investitionssumme bei rund 800 Mio. Euro liegt und eine Übernahme würde diese Summe deutlich sprengen.
Etwas mehr Ruhe eingekehrt
Aktuell beschäftigt den Lebensmittelhändler neben der tatsächlich überbordenden Bürokratie in allen Bereichen auch die stetige Diskussion um die „hohen“ Preise in Österreichs Lebensmittelhandel. Es sei zwar Ruhe einkehrt, so Hans K. Reisch, aber immer wieder poppen Anschuldigungen gegen den heimischen Lebensmittelhandel auf. Die Debatte fokussiere allein auf den Handel und klammere Energiekosten, Rohstoffpreise oder Personalkosten aus. Rabattschritte – wie aktuell bei Butter – führten wiederum zu Kritik aus der Landwirtschaft.
Kritik an Shrinkflation
Spar-Vorstand Hans K. Reisch hat die aktuelle „Shrinkflation“ – schrumpfende Packungsgrößen bei gleichbleibenden oder steigenden Preisen – scharf kritisiert. Verantwortlich seien jedoch nicht der Handel, sondern internationale Markenhersteller. Die Erzeuger entscheiden über Füllmengen und Preise. Das Vorgehen sei „unerhört“, die geplante gesetzliche Kennzeichnungspflicht aber aus seiner Sicht kein sinnvolles Mittel: Sie verursache zusätzliche Kosten für Händler, ohne die Preisbildung zu verändern.
Der Nationalrat berät derzeit über dieses sogenannte „Anti-Mogelpackungs-Gesetz“, das Händler – abhängig von ihrer Größe – verpflichtet, auf betroffene Produkte direkt am Regal, auf dem Produkt oder per Hinweisschild aufmerksam zu machen. Kleine Kaufleute mit bis zu fünf Filialen sollen ausgenommen bzw. über vereinfachte Aushänge informiert werden.
Ein prominenter Fall: Mondelēz reduzierte zu Jahresbeginn die Füllmenge einzelner Milka-Tafeln von 100 auf 90 Gramm. Bei Spar ist der Absatz der lila Tafel dennoch stabil geblieben. Laut Reisch folgt die Kundschaft „der Marke, nicht der Grammzahl“. Gegen Konzerne wie Procter & Gamble oder Nestlé habe ein Händler wie Spar keine Marktmacht. Im Eigenmarkenportfolio – inzwischen über 40 Prozent – gebe es definitiv keine Schrumpfpackungen.
Kosten durch Einwegpfand
Spürbare Kosten verursacht laut Spar die Einführung des Einwegpfandes mit Anfang 2025. Das Unternehmen investierte rund 60 Mio. Euro in Automaten und Umbauten, zusätzlich sei der Personaleinsatz gestiegen. Das Pfandsystem beeinflusst auch das Sortiment: Spar verkauft ein Drittel weniger Getränkedosen, kompensiert dies jedoch über erhöhte Nachfrage nach Flaschenware und Spirituosen.
In der Weihnachtszeit (rund um Dezember) bewegt Spar 40 Mio. Großhandelsverkaufseinheiten. Das ist um 10% mehr als in einem durchschnittlichen normalen Monat. Man spüre bei den Einkäufen keine Zurückhaltung, vor allem, was S-Budget und auch Spar Premium betrifft. Dass die Mengen insgesamt zurückgehen könne Reisch nicht bestätigen. Am Umsatz jedenfalls spüre man es nicht.
Bürokratie hemmt Wirtschaft
Gesetze, Verordnungen und Richtlinien, wie das Preisauszeichnungsgesetz, das demnächst umgesetzt werden soll, sind nicht nur teuer, sondern oftmals auch massiv über das Ziel hinausgeschossen. Sowohl nationale Erlässe als auch internationale Richtlinien haben mit der Praxis wenig zu tun. Ob die „Omnibus“-Einführung in der EU tatsächlich Entbürokratisierung bringe, bezweifelt Reisch.
Hervis: Verkäufe abgeschlossen, weitere Schritte offen
Die verlustträchtige Sporthandelstochter Hervis trennt sich von ihren Standorten in Ungarn (29 Filialen) und Rumänien (49 Filialen). Käufer ist die britische Frasers Group; kartellrechtliche Genehmigungen stehen noch aus. Zur Zukunft von Hervis in Österreich, Slowenien und Kroatien äußerte sich Reisch zurückhaltend – Entscheidungen sollen nach Abschluss der laufenden Verkäufe folgen.
Online-Lebensmittelhandel ohne Perspektive
Die Lebensmittel-Zustellung hat Spar Ende August eingestellt. Reisch sieht in Österreich kein tragfähiges Geschäftsmodell für Online-Lieferungen. Click & Collect-Modelle werden aktuell geprüft, bleiben aber im Testbetrieb.