Spar & Frutura: Alte Apfelsorten im Praxistest
Regionale Herkunft, Sortenvielfalt und Differenzierung im Obstregal: Spar und Frutura prüfen, ob historische steirische Apfelsorten auch wirtschaftlich im heutigen Lebensmittelhandel bestehen können. Im Fokus stehen der Ilzer Rosenapfel und der Falchs Gulderling. In einer Versuchsanlage im steirischen Großwilfersdorf werden Wuchsleistung, Fruchtqualität, Ertrag, Krankheitsanfälligkeit und Lagerfähigkeit untersucht – entscheidende Faktoren für eine mögliche Vermarktung im größeren Maßstab.
Dafür haben Frutura-Geschäftsführer Manfred Hohensinner und seine Tochter, die ebenfalls in der Geschäftsführung ist, Katrin Hohensinner-Häupl, einen 7-ha-Betrieb in Großwilfersdorf gepachtet. Dort wird mit einem Team an Experten nicht nur Kernobst und Steinobst allgemein angebaut, sondern auf 0,7 ha auch „getestet“: Ilzer Rosenapfel und Flachs Guldering.
Die ersten Ergebnisse sind positiv: Der Ilzer Rosenapfel entwickelt kräftige Bäume, beim Falchs Gulderling wurden bereits große Früchte und erste Erträge beobachtet. Für belastbare Aussagen zur Ertragsstabilität und zur längerfristigen Eignung sind allerdings weitere Versuchsjahre notwendig.
Erster Markttest in Wien
Einen ersten Markttest gibt es bereits: Ab Ende November 2026 werden beide Sorten für begrenzte Zeit und nur solange der Vorrat reicht exklusiv bei Interspar am Schottentor in Wien angeboten. Ein Teil der Ernte ist für Verkostungen, Qualitätsuntersuchungen und Lagertests vorgesehen. Weitere Äpfel gehen an steirische Kindergärten und Schulen.
Das Projekt ist kein PR-Gag
Die Entwicklung der alten Apfelsorten hat großes Potential. In Zukunft wird es immer mehr darum gehen Bio-Diversität zu schaffen, um stabilere vielfältigere Sortimente zu schaffen.
Für Spar geht es dabei nicht nur um den Erhalt alter Sorten, sondern auch um die Frage, ob sich daraus ein eigenständiges regionales Sortiment entwickeln lässt. „Wenn das gelingt, möchten wir diese besonderen Sorten künftig regional in ausgewählten Märkten bei Spar anbieten“, sagt Markus Kaser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Spar Österreich.
Sollten sich die Sorten im Anbau bewähren, sind eine schrittweise Ausweitung der Produktionsmengen und die Belieferung weiterer Spar-Märkte geplant. Für den Handel liegt das Potential vor allem in der Profilierung über regionale Besonderheiten und ein unterscheidbares Angebot. Ob daraus ein dauerhaft verfügbares Produkt wird, hängt jedoch von Ertrag, Qualität, Lagerfähigkeit und ausreichenden Anbaumengen ab.
Denn: Kunden wünschen sich neben der klassischen Versorgung auch Genuss-Momente, die das Leben bereichern. „Wir sind Lebensmittelhändler und uns treibt die Entwicklung neuer Produkte an. Oftmals diskutiert man über Lebensmittel wie über Industrieprodukte wie etwa Schrauben. Aber man weiß oftmals gar nicht, welche Arbeit und Geduld hinter der Entwicklung und Produktion eines landwirtschaftlichen Produktes steckt“, so Markus Kaser. Die Verbindung Lebensmittelhandel und Landwirtschaft stellt er für die Spar in den Mittelpunkt.
Aktuell liegen im Umsatz die S-Budget-Äpfel (zu 100% aus Österreich) bei Spar voran, dicht gefolgt von Spar Natur*pur Äpfeln in der Bio-Tasse und den Steiermark Genuss Äpfeln rot. Über 20 verschiedene Apfelsorten führt Spar im Sortiment, 95% der Äpfel in der heimischen Saison stammen aus Österreich. Der Rest sind internationale Clubsorten.