Spar fordert Schulterschluss für Sortenvielfalt
Klimawandel, geopolitische Spannungen und instabile Märkte setzen landwirtschaftliche Betriebe zunehmend unter Druck. Beim Biodiversitätsgipfel im niederösterreichischen Schiltern diskutierten Markus Kaser (Stv. Vorstandsvorsitzender von Spar Österreich), Volker Plass (Geschäftsführer von Arche Noah), Sternekoch Paul Ivić und Umweltmedizinerin Daniela Haluza (Medizinische Universität Wien), wie Sortenvielfalt erhalten und welche Potenziale dabei genutzt werden können.
Der Konsens der Runde: Arten- und Sortenvielfalt ist mehr als Naturschutz – sie ist wirtschaftliche Grundlage, Innovationsraum und Voraussetzung für eine stabile Lebensmittelversorgung. Ohne sie fehlen zentrale Voraussetzungen, um Kulturpflanzen an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. „Sortenvielfalt ist keine romantische Idee, sondern kann auch ein handfester Wettbewerbsfaktor sein", betonte Markus Kaser.
Kleine Betriebe unter Druck
Im Zentrum der Diskussion stand auch die neue EU-Saatgut-Verordnung, die demnächst in Brüssel beschlossen werden soll. Eine Umfrage unter 200 europäischen Vielfalts-Betrieben im Auftrag von Arche Noah zeigte zuletzt, wie stark Regularien und ökonomischer Druck kleine Saatgut-Erzeuger und Obstbaumschulen belasten: 30 Prozent der Betriebe überlegten, ihre Sortimente deutlich zu reduzieren. Plass betonte, Arche Noah habe erreichen können, dass die nachteiligsten Verbote aus dem ursprünglichen EU-Entwurf gestrichen wurden – realistische Rahmenbedingungen statt bürokratischer Hürden seien aber weiterhin nötig.
Handel als Motor
Auch der Handel sieht sich in der Verantwortung. Spar arbeitet seit Jahren mit Produzenten zusammen, die auf den Erhalt von Kultursorten setzen – etwa im Rahmen des BeeWild-Programms, bei dem mit Frutura bereits 60 Hektar Bienenweiden angelegt wurden. Mehr als 30 Prozent des Spar-Sortiments bei Obst und Gemüse stammen mittlerweile aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft.
Umweltmedizinerin Haluza ordnete Biodiversität auch als Gesundheitsthema ein: Gesunde Böden und vielfältige Pflanzenbestände seien Grundlage für hochwertige Ernährung, die wiederum Immunsystem und Darmmikrobiom stärke. Sternekoch Paul Ivić ergänzte: „Was wir essen, beginnt im Boden. Wenn Biodiversität verschwindet, verlieren wir Geschmack, Qualität und am Ende auch Stabilität in unseren Ernährungssystemen."
Wissen in der Bevölkerung ausbaufähig
Eine aktuelle Marketagent-Befragung im Auftrag von Spar zeigt: Knapp die Hälfte der Österreicher (49,5 Prozent) hält es für wichtig, sich mit Biodiversität zu beschäftigen, doch nur ein Drittel (32,9 Prozent) kann den Begriff korrekt einordnen. Kaser forderte daher mehr praxisnahe Ernährungs- und Umweltbildung – vom Kindergarten bis zur Schule.
Im Rahmen des Gipfels gab Kaser zudem die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Expertenrats bekannt, der Praxis, Forschung und Handel miteinander vernetzen soll, um Herausforderungen wie Klimaanpassung, Sortenerhalt oder Ressourceneffizienz frühzeitig zu erkennen.