Metro: Regional schlägt Bio
Hr. Guillon-Verne, Metro betreibt aktuell 16 Großmärkte in Österreich. Welche von den ehemals 21 Standorten – 12 Metro und 9 Ex-AGM – wurden aufgegeben und warum?
Thierry Guillon-Verne: Eigentlich haben wir 17 Standorte, nämlich neben den 16 Metro-Großmärkten auch ein Lieferdepot, von dem wir ausliefern. Seit Februar 2024, also seit ich CEO von Metro Österreich bin, haben wir tatsächlich zwei Großmärkte geschlossen beziehungsweise auch als Lieferdepot genützt, um mehr Raum für unsere FSD zu haben und zwar in Graz und Wr. Neustadt, wo jeweils ein ehemaliger AGM- und ein Metromarkt sehr nahe beieinander lagen. Die anderen Märkte, die Sie ansprechen, wie etwa Klagenfurt, mussten wir ja gesetzlich kurz nach der AGM-Übernahme abgeben.
Von der geografischen Abdeckung sind Sie aber jetzt zufrieden, für Metro gibt es keine weißen Flecke mehr auf der Österreich-Landkarte?
Nein, da sind wir aktuell sehr gut aufgestellt. Es gibt im Westen vielleicht das eine oder andere Tal, das nicht direkt durch ein MFC – das bedeutet „Multichannel-Fulfillment-Center“ und den Ausdruck verwenden wir aufgrund der vielfältigen Leistungen lieber als „Markt“ – abgedeckt ist, aber die bedienen wir gut mit unserer Zustellung. Insgesamt hat uns bei der Abdeckung des ganzen Landes natürlich die AGM-Integration geholfen. Aber auch anderes Know-how – etwa beim Thema Zustellung – konnten wir uns dadurch aneignen.
Weil Sie gerade die Zustellung erwähnen: Wie steht es denn um das Thema Abholung vs. Zustellung aus – wie ist da bei Metro das Verhältnis und wie entwickelt sich das Zustellgeschäft?
Die Zustellung macht aktuell 32 Prozent unseres Umsatzes aus, 68 Prozent ist Abholung. Beide Kanäle wachsen, die Zustellung wie erwartet schneller als Cash&Carry.
Metro präsentiert auf der „Alles für den Gast“-Messe seine neue Convenience-Linie unter dem Titel „Smart Kitchen“: Was ist hier der Unterschied zu klassischen Convenience-Produkten bisher? Da gab es ja auch schon Teil- oder Voll-Convenience in allen Varianten.
Wir wissen aus der Marktforschung, dass sich unsere Kunden Produkte wünschen, die ihnen helfen, in der Küche Zeit und damit auch Geld zu sparen. Convenience-Ware kann hier in Zeiten des Personalmangels helfen und es erleichtert auch die Kalkulation, wenn ich eine fertige Portion einkaufe. „Smart Kitchen“ bietet drei verschiedene Produkt-Stufen an: verarbeitungsfertig, zubereitungsfertig oder servierfertig, also von Teil- bis Voll-Convenience ist alles dabei. Wir bieten auch Berechnungen und Videos mit an, durch die der Kunde sieht, wie viel Zeit und Geld er mit dem Einsatz solcher Produkte sparen kann. Und das Wachstum in dieser Sparte gibt uns recht.
Ist „Smart Kitchen“ eine neue Produktlinie oder hat man bestehende Produkte einfach neu kategorisiert und benannt?
Ein Mix aus beidem. Wir haben sowohl bestehende Convenience-Produkte in dieses übersichtlichere System integriert, wir haben aber auch, in Abstimmung mit der Gastronomie, neue Produkte dafür entwickeln lassen.
Steigt die Beliebtheit von Convenience-Produkten generell, sei es aufgrund von Personalmangel oder auch steigender Produktqualität?
Ja absolut. Und das liegt jetzt nicht an den Köchen, aber der Personalmangel macht den Einsatz von Convenience einfach immer öfter zu einer Notwendigkeit. Dazu kommt die bessere Planbarkeit: Frischgemachter Erdäpfelsalat ist z.B. etwas Feines, aber das Kochen, Schälen und Schneiden der Erdäpfel und Zwiebeln für die Menge, die ein Gasthaus braucht, kostet viel Zeit. Und wie viele Portionen verkaufe ich davon überhaupt? Als Convenience-Ware habe ich den Erdäpfelsalat immer in gleichbleibender Qualität vorrätig, wobei natürlich jeder Koch diesem Salat noch seine persönliche Note gibt. Dieses individuelle „Aufpimpen“ eines Convenience-Produktes ist ja generell nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht. Wobei heute die Qualität von Convenience wirklich in der Regel so hoch ist, dass man den Unterschied zu hausgemacht nicht mehr schmeckt.
Ist Bio in Zeiten der Teuerung eigentlich noch immer beliebt oder kaufen die Kunden aus Preisgründen wieder verstärkt herkömmliche Ware?
Da merken wir keinen Rückgang, Bio ist aus gutem Grund beliebt, allerdings steigt die Nachfrage nach regionalen Produkten stärker als nach Bio-Ware. Das wissen wir auch aus Befragungen unserer Kunden, da sie verstärkt regionale Produkte von uns fordern.
Das Regionah-Angebot von Metro wächst demnach weiter?
Ja auf jeden Fall. Du willst als Gastronom ja auch eine Story erzählen. Mit Produkten aus der Region – wenn du sagst das Gemüse kommt von diesem Bauern und das Fleisch von jenem Landwirt – kannst du das.
Wie sieht es denn in Ihrem Bereich mit dem Thema Teuerung aus? Wie stark ist das für Ihre Kunden ein Problem?
Das ist natürlich auch im C&C-Bereich ein Problem. Da ist es unsere Aufgabe, gemeinsam mit unseren Lieferanten daran zu arbeiten, dass Inflation oder Shrinkflation nicht ausufern. Wir bieten auch eigene Systeme, mit denen der Kunde Geld sparen kann, etwa mit unseren Staffelpreisen, bei denen der Rabatt mit der Abnahmemenge steigt. Auch der Anteil an Eigenmarken wird beständig größer, inzwischen liegen wir hier schon bei 25 Prozent. Da spart der Kunde gleich mal 20 Prozent, ohne Abstriche bei der Qualität machen zu müssen, weil viele Produkte ja direkt vom Markenproduzenten kommen, der sie einfach nur anders verpackt. Oder wir bieten unter dem Namen DISH auch online Services an, wie etwa ein Reservierungstool , das es um rund 400 Euro im Jahr gibt. Wir wissen, von unseren Kunden, dass man bei anderen Reservierungssystemen 400 Euro im Monat bezahlen muss. Uns ist wichtig, unseren Kunden Lösungen zu bieten, die ihnen den Arbeitsalltag erleichtern und ihnen zusätzliche Belastungen für ihre Unternehmen zu nehmen. Und das auf vielfältige Weise. Nicht zuletzt versuchen wir auch über einen steigenden Anteil von Solarenergie in unseren MFCs die Energiekosten im Rahmen zu halten, was sich wiederum positiv auf die Produktpreise auswirkt.
Kauft Metro Österreich seine Waren, die von internationalen Konzernen kommen, eigenständig ein oder in Kooperation mit dem deutschen Mutterkonzern? Es wird ja hier gerne von einem Österreich-Aufschlag bei bestimmten internationalen Marken gesprochen.
Wir kaufen separat ein und respektieren die lokalen Distributionskanäle dieser Firmen. Da kann ein Produkt auch einmal einen anderen Preis haben als etwa in Deutschland. Allerdings wenn es hier zu auffälligen Abweichungen kommt, dann setzen wir uns schon mit dem Importeur hin und fragen ihn, warum er das gleiche Produkt in Bayern um 20 Prozent billiger verkauft als bei uns. Solche Prozesse im Blick zu behalten, ist natürlich auch unser Job.