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Markenartikelverband-Geschäftsführer Günter Thumser

MAV: Nein zum TSC-Pauschalverbot

Der Markenartikelverband appelliert an die Bundesregierung, vor dem Europäischen Rat am 15. und 16. Oktober die Interessen heimischer Hersteller in Brüssel einzubringen. Im Fokus steht die EU-Debatte über territoriale Lieferbeschränkungen.

Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV) verlangt von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zur heimischen Lebensmittelproduktion. Österreichische Qualität, verlässliche Versorgung und Arbeitsplätze entlang der Lieferkette brauchen wirtschaftlich tragfähige Bedingungen, so der Verband.

Was sind territoriale Lieferbeschränkungen (TSC)?

Bei Territorial Supply Constraints geht es um die Frage, ob Hersteller den grenzüberschreitenden Einkauf ihrer Produkte einschränken dürfen. Ein Beispiel: Ein österreichischer Händler will ein Markenprodukt über eine günstigere Bezugsquelle in Rumänien beziehen. Verweigert der Hersteller die Belieferung über seinen rumänischen Vertrieb und verweist auf den österreichischen Vertrieb, liegt eine territoriale Lieferbeschränkung vor.
Die Europäische Kommission arbeitet an Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Beschränkungen. Der MAV will dabei den Spielraum für wirtschaftlich begründete regionale Liefervereinbarungen im Rahmen des Wettbewerbsrechts erhalten und lehnt ein pauschales Verbot ab. „Unterschiedliche Kosten und Anforderungen müssen sich in wirtschaftlich nachvollziehbaren Preisen und Lieferbedingungen abbilden können", sagt MAV-Geschäftsführer Günter Thumser.

Zur Kostenseite verwendet Thumser ein Bild: „Dem Fieberthermometer die Anzeige von mehr als 39 Grad zu verbieten, macht niemanden gesund." Statt bei den Preisen anzusetzen, müssten die Ursachen hoher Produktionskosten bekämpft werden.

Forderungen an die Politik

Der MAV verlangt wettbewerbsfähige Energiekosten, Entlastungen bei Abgaben und Lohnnebenkosten sowie weniger Verwaltungsaufwand. Zudem formuliert der Verband fünf Bekenntnisse: Ja zu wirtschaftlich belegbaren regionalen Preisunterschieden, zur Sicherung der Eigenversorgung, zu heimischen Arbeitsplätzen, zu hohen Qualitätsstandards und zu verantwortungsvoller Innovation.

Beispiele aus der Praxis

Als Beleg für den Druck auf regionale Produktionsketten führt der MAV mehrere Branchen an:

  • Tiefkühlgemüse: Ardo schließt schrittweise sein Werk in Groß-Enzersdorf, wo 2025 laut Unternehmen die Ernte von rund 270 Bauern verarbeitet wurde. Die Belieferung soll künftig günstiger aus dem Ausland erfolgen.
  • Zucker: Nach der Schließung von Leopoldsdorf ist Tulln die einzige verbliebene Zuckerfabrik Österreichs. Das Zuckersegment von AGRANA verzeichnete 2025/26 Verluste.
  • Fleisch: Laut WKO sank die Zahl der Fleischereibetriebe mit Beschäftigten von 665 (2020) auf 587 (2025).
  • Milch: SalzburgMilch und Pinzgau Milch bündeln ihre Kräfte, um effizienter zu wirtschaften und die bäuerliche Wertschöpfung zu stärken.

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geschrieben am

30.09.2026