Handel: "Wir brauchen Konjunktur-Impulse"
Der österreichische Handel blickt auf sechs wirtschaftlich herausfordernde Jahre zurück. Auf der Neujahrs-Pressekonferenz des Handelsverbands wurde eine durchwachsene Bilanz präsentiert. Nach zwei Rezessionsjahren 2023 und 2024 wuchs das heimische Bruttoinlandsprodukt 2025 um 0,5 Prozent, während die Eurozone deutlich stärker zulegte. Der Handel verzeichnete zugleich das dritte Rekordpleitejahr in Folge.
Für 2025 prognostiziert das WIFO einen Einzelhandelsumsatz von 79,8 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt entspricht das einem realen Plus von rund einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ergebnisse des Weihnachtsgeschäfts haben in manchen Bereichen wachgerüttelt. Ein Bespiel: Der Gesamtmarkt (LEH + DFH) in den Drogeriekernsortimenten (ohne Ernährung) hat im Umsatz ca. -2% verloren hat und im Absatz noch mal deutlicher.
Der Handel bleibt aber nach wie vor ein zentraler Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor, stellt rund ein Viertel aller Betriebe und ist der größte private Arbeitgeber des Landes.
Hoher Kostendruck und steigende Insolvenzen
Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe bleibt angespannt. Laut KSV1870 verzeichnete der Handel 2025 insgesamt 1.208 Insolvenzen, ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht durchschnittlich 23 Firmenpleiten pro Woche. In einer Branchenumfrage gaben nur 40 Prozent der Händler an, 2025 einen Gewinn erwirtschaftet zu haben.
Belastend wirken insbesondere gestiegene Kosten für Energie, Mieten, Personal und Logistik bei gleichzeitig stagnierenden Umsätzen. Hinzu kommen umfangreiche regulatorische Anforderungen. Besonders kleine und mittlere Betriebe sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Bürokratie und unterschiedliche rechtliche Vorgaben eingeschränkt.
Regulierung und Investitionshemmnisse
Kritisch beurteilt der Handel unter anderem jüngste Änderungen im Preisauszeichnungsgesetz sowie die Umsetzung der EU-Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie. Unterschiedliche landesrechtliche Vorgaben führen zu erhöhtem Planungs- und Investitionsaufwand. Zusätzliche Kosten entstehen etwa durch verpflichtende Investitionen in Ladeinfrastruktur für bestehende Handelsstandorte, unabhängig von der tatsächlichen Nachfrage.
Der Handelsverband fordert daher eine deutliche Reduktion der Bürokratiebelastung bis 2035 sowie strukturelle Entlastungen für beschäftigungsintensive Betriebe. Österreich liegt im internationalen Vergleich bei Unternehmensgründungen weiterhin im unteren Bereich, was langfristig Auswirkungen auf regionale Versorgung und Beschäftigung hat.
Konsumklima und Inflation
Auch auf Konsumentenseite bleibt die Lage angespannt. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung fühlen sich finanziell belastet, zwei Drittel haben ihre Ausgaben eingeschränkt. Ein wesentlicher Faktor ist die anhaltend hohe Inflation. Während die Teuerung im Euroraum zuletzt auf rund zwei Prozent gesunken ist, lag sie in Österreich 2025 weiterhin deutlich darüber.
Besonders die hohen Energiepreise wirken entlang der gesamten Wertschöpfungskette kostensteigernd. Strompreise sind seit 2020 um rund 59 Prozent gestiegen, Erdgaspreise um mehr als 120 Prozent. Wettbewerbsbehörden sehen strukturelle Probleme im Energiemarkt, unter anderem durch enge Beteiligungsverflechtungen.
Arbeitskosten und Fachkräfte
Der Personalmangel hat sich zuletzt etwas entspannt, dennoch bleiben rund 9.200 Stellen im Einzelhandel unbesetzt. Hohe Lohnnebenkosten und eine starke steuerliche Belastung von Mehrarbeit gelten als zentrale Hemmnisse für zusätzliche Beschäftigung. Österreich zählt im EU-Vergleich zu den Ländern mit den höchsten Arbeitskosten.
Der Handel fordert daher eine Reform des Abgabensystems sowie eine schrittweise Senkung der Lohnnebenkosten, um Arbeitsanreize zu erhöhen und Betriebe zu entlasten.
Onlinehandel und internationale Plattformen
Der Onlinehandel wächst weiter. 2025 stieg das Paketvolumen in Österreich auf rund 430 Millionen Sendungen, ein Großteil davon aus dem Ausland. Rund ein Viertel der Pakete stammt aus China. Internationale Plattformen wie Temu und Shein zählen mittlerweile zu den umsatzstärksten Marktplätzen im Land.
Der Handelsverband verweist auf Wettbewerbsverzerrungen durch unzureichende Zoll- und Steuerkontrollen sowie auf Sicherheits- und Qualitätsprobleme bei importierten Waren. Er begrüßt daher nationale und europäische Maßnahmen wie eine Paketabgabe und eine Reform der Zollfreigrenzen.
Ausblick 2026
Für 2026 zeigen sich Teile der Branche vorsichtig optimistisch. Rund 45 Prozent der Händler rechnen mit einem Gewinn, 35 Prozent mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Die jüngsten Ankündigungen der Bundesregierung, etwa zur Entbürokratisierung, zur Energiepolitik und zur Stärkung des Wettbewerbs, werden positiv aufgenommen. Entscheidend bleibt aus Sicht des Handels, dass strukturelle Reformen umgesetzt und die Kostenbelastung für Betriebe nachhaltig gesenkt wird.