Frosta: "Wir standen vor dem Bankrott"
In Österreich sind tiefgekühlte Mahlzeiten beliebt: Ein Drittel (33 %) der Österreicher isst mehrmals im Monat fertige Tiefkühlmahlzeiten, besonders wertgeschätzt wird die schnelle Küche aufgrund von Zeitersparnis (57 %), bequemer Zubereitung (46 %) und langer Haltbarkeit (27 %) – jeder Dritte (34 %) hat Tiefkühlgerichte immer auf Vorrat zu Hause. Das sind die Ergebnisse einer vom Tiefkühlspezialisten Frosta in Auftrag gegebenen und von marketagent im August und September 2025 durchgeführten Umfrage, für die 1.057 Personen in Österreich befragt wurden.
Vorurteile gegenüber Tiefkühlmahlzeiten betreffen vor allem die Zusammensetzung der Produkte. Jeder dritte Österreicher hat Bedenken hinsichtlich der Inhaltsstoffe in TK-Gerichten, vor allem, was Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker & Co betrifft. Acht von zehn Österreichern (79 %) erachten den Verzicht auf Zusatzstoffe, Farbstoffe, Aromen, Geschmacksverstärker, E-Nummern oder Emulgatoren als (sehr) wichtig.
„Wir kochen noch echte Fonds“
Diesen Trend hat Frosta schon früh erkannt und sich selbst ein Reinheitsgebot auferlegt: Das heißt keine zugesetzten Aromen, keine versteckten Inhaltsstoffe – stattdessen 100 Prozent natürliche Zutaten. Doch der erhoffte Erfolg blieb anfangs aus. Felix Ahlers, CEO der Frosta AG und Sohn des Gründers Dirk Ahlers: „2003 führten wir unser Reinheitsgebot ein – und verloren acht Millionen Euro, 40 Prozent Umsatz, standen vor dem Bankrott. Trotzdem blieben wir dabei. Fünf Jahre brauchte es, die Verbraucher zu überzeugen, dass echte Lebensmittel ihren Preis wert sind. Heute weiß ich: Der mutigste Schritt war der richtige.“ Ahlers ist noch dazu gelernter Koch und erkannte bei dieser Tätigkeit in Sterneküchen, dass echter Geschmack keine Tricks benötige: „Während die Industrie auf Emulgatoren, Aromazusätze und Geschmacksverstärker setzt, pressen wir bei Frosta den Knoblauch selbst, mahlen den Pfeffer frisch und kochen echte Fonds. Nicht immer ist drin, was draufsteht – unser Reinheitsgebot macht den Unterschied sichtbar.“
Und Christian Szuchy, Frosta Country Business Development Manager Österreich, ergänzt: „Uns geht es bei diesem Thema vor allem um die Transparenz. Ein großer Teil der verarbeiteten Lebensmittel ist aromatisiert, da Hersteller dadurch echte Zutaten und damit Kosten einsparen. Das ist für die Konsumenten häufig nicht klar erkennbar, aber natürlich sehr relevant, denn die Verwendung von Aromen und Zusatzstoffen hat einen wesentlichen Einfluss auf die Produktqualität.“ Es sei zudem nicht immer drin, was draufsteht: „Die Aussage ‚Ohne Zusatzstoffe und ohne künstliche Aromen‘ liest man auf vielen Lebensmitteln. Unser Reinheitsgebot geht da viel weiter. Wir verzichten nicht nur auf sämtliche Zusatzstoffe, also alle E-Nummern, sämtliche Aromazusätze – auch die sogenannten natürlichen Aromen, die fast immer im Labor hergestellt werden, sondern darüber hinaus auf alle Zusätze, die gar nicht deklariert werden müssen, wie Enzyme, technische Hilfsstoffe und funktionale Additive“, betont Szuchy im Rahmen eines Workshops, der jüngst in Wien abgehalten wurde, bei dem die Teilnehmer u.a. die geschmacklichen Unterschiede zwischen klassisch hergestellten Gerichten und künstlichen Kopien erschmecken konnten.
Kostenfrage
Dass die Verwendung künstlicher Aromen bei vielen Firmen natürlich auch finanzielle Aspekte hat, beweist dabei folgender Vergleich: Um 100 kg Joghurt geschmacklich nach Himbeeren zu aromatisieren betragen die Kosten
- mit frischen Himbeeren 31,50 €
- mit natürlichem Himbeeraroma (Himbeeren als Grundstoff): 12,50 €
- mit natürlichem Aroma Typ Himbeere (aus Sägespänen oder Pilzkulturen gewonnen): 3,75 €
- mit künstlichem Himbeeraroma: 0,06 €
„Zusatzstoffe und Aromen machen Lebensmittel bunter, billiger und haltbarer – aber nicht ehrlicher. Ich bin der Meinung: Was im Essen steckt, muss auch draufstehen. Leider gibt es viele legale Möglichkeiten, den Einsatz von Zusätzen und den Verarbeitungsgrad unserer Lebensmittel zu verschleiern. Selbst ein Professor für Lebensmittelchemie kann aus den Zutatenlisten nicht ablesen, was wirklich drin ist.“, so Christian Niemeyer, Leiter Deutsches Zusatzstoff Museum, abschließend.
Bericht: Clemens Kriegelstein