Verpackung: das wahre Gold
Noch nie in der Geschichte hat es die Situation gegeben, dass die Verpackung – also das „Drumherum“ mehr im Mittelpunkt steht als das „Innendrin“, also das Produkt selbst. In manchen Phasen sind die Diskussionen rund um die richtige Verpackung und ihre Abgaben schon grenzwertig – nehmen wir etwa die Plastikabgabe, die als Gegenfinanzierung zur Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel eingeführt werden soll. Sie ist in Österreich aktuell keine beschlossene, fix fertige Steuer, sondern ein politisch geplantes Modell, über das gerade diskutiert wird. Die Bundesregierung plant eine Abgabe auf nicht recycelbares Plastik, vor allem Verpackungen. Betroffen wären in erster Linie Unternehmen (Produzenten & Importeure), was naturgemäß und wirtschaftlichen Lehrbüchern zufolge den Verkaufspreis mancher Produkte wieder in die Höhe treiben kann.
Ziel ist ein Verursacherprinzip: Wer schlecht recycelbare Kunststoffe in Umlauf bringt, soll dafür zahlen.
Das offizielle Ziel: Die Abgabe soll Anreize für recycelbare Verpackungen schaffen. Ob das durch eine Plastikabgabe zu erreichen sein wird, sei dahingestellt, vor allem, weil ein großer Teil des PET ( und Dosen) bereits durch das Pfandsystem abgedeckt ist. Hier sind die Rücklaufquoten im Vergleich zu früher richtig gut.
PPWR-Gesetz hinkt nach
Aber nicht nur das. Auch gewissen Vorgaben, die den Unternehmen endlich Rechtssicherheit im Bereich Verpackung geben sollen, fehlen und werden dringend benötigt. Recyclingfähigkeits-Kriterien (wie genau wird „recyclingfähig“ gemessen?), Design-for-Recycling-Standards oder Methoden zur Bewertung von Verpackungen fehlen noch in den PWR-Ausführungen.
Dafür zerbrechen sich Österreichs Hersteller den Kopf, was alles geschehen kann, wenn Traditionsverpackungen nicht mehr „state oft he art“ wären. Butterpapier, Mannerschnitten-Verpackungen und andere standen jüngst in allen Medien. Genau diese Hersteller befassen sich aber seit Jahren mit der Optimierung ihrer Produkte hinsichtlich Verpackung und wissen um die Problematik.
„Die gesamte Industrie ist gerade damit konfrontiert, aufgrund der PPWR in neue Verpackungslösungen und -anlagen zu investieren. Da sprechen wir von enormen Investments und teilweisen mehrjährigen Vorlaufzeiten bei Lieferanten. Dafür brauchen wir hundertprozentige Rechtssicherheit bei den Kriterien – ohne die ständige Unsicherheit, dass die Verordnung, wie schon zahlreiche andere in diesem Bereich, am Ende doch anders ausfällt oder verschoben wird. Was die Verpackung der Mannerschnitte betrifft, kann ich beruhigen: Sie wird ikonisch bleiben. Aktuell arbeiten wir an einigen Verpackungskonzepten für die Zukunft – mit und ohne roten Aufreißfaden.“ Dieter Messner, CEO Manner.
Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbandes: „Fakt ist, dass sämtliche der permanent neu „erfundenen“ Vorgaben und Beschränkungen (ob seitens EU oder national oder beides) zunächst oder auch auf Dauer zu erheblichen Mehrkosten in der Wertschöpfungskette führen.“
Eines ist klar: Hersteller aus Handel und Industrie müssen sich über viel mehr Gedanken machen als über den Inhalt einer Ware. Denn so wie Rainer Pamminger (Forschungsbereich Ecodesign, TU Wien) in einer RespACT-Veranstaltung betonte, dass produktindividuelle Strategien und werthaltige Komponenten bei der Produkt-Umsetzung entscheidend sind: "Bereits in der Produktentwicklung sollte ein zweites Produktleben mitgedacht und das Geschäftsmodell darauf ausgerichtet werden, dass Umsätze durch längere und intensivere Nutzung statt durch mehr Verkäufe entstehen.“