Trefelik: Händler seit 2020 in der Krise
Dr. Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der WKO, bringt es auf den Punkt: nach sechs Jahren Polykrise sind die Händler mürbe und ihre physischen und auch finanziellen Kräfte stark dezimiert. „Und sie sind realistisch geworden, dass eine komplette Trendwende nicht so schnell herbeigeführt werden kann“, sagt der Obmann. Denn: laufend werden ihnen Steine in den Weg gelegt, wie etwa die jüngste Aussage von Minister Peter Hankdie Wiener Innenstadt autofrei zu machen. „Dabei weiß jeder, der im stationären Handel tätig ist, dass die Erreichbarkeit der Geschäfte das Um und Auf ist. Ist das nicht möglich, so tendieren die Konsumenten zum Kauf im Internet.“ Für Trefelik ist es klar: Viele Menschen reden mit, wie Handel richtig zu funktionieren hat, aber sie alle tragen nicht das Risiko.
Schere zwischen Kosten und Umsatz
Wenn nämlich oftmals von Umsatzsteigerungen im Handel gesprochen wird, dann vergisst man, dass auch die Kosten in den letzten Jahren enorm gestiegen sind. „Die Schere zwischen Kosten- und Umsatzentwicklung geht sich einfach für die Händler nicht mehr aus“, so Trefelik. Dazu kommt die veränderte Konsumlaune, die eine Zurückhaltung der Konsumenten mit sich brachte. Auf all diese Vorzeichen muss sich der Handel einstellen. Und dennoch: die Prognosen für 2026 sind vorsichtig optimistisch. „Wir hoffen, dass getroffene Maßnahmen nun endlich greifen und die Inflation dauerhaft eingedämmt wird. Wir hoffen, dass die Preisdiskussionen rund um den Lebensmittelhandel nun endlich aufhören und ein Aufschwung kommt“.
Der Handel ist innerhalb der heimischen Wirtschaftszweige sehr schwer von den Zerrüttungen der letzten Jahre betroffen, das zeigen auch die Insolvenzstatistiken. „Nun heißt es anpacken und die echten Themen angreifen. Lebensmitteldiskussionen und Mehrwertsteuersenkungen sind nett, aber nun müssen die wahren Themen im Staat angegriffen werden, um die richtigen Signale zu setzen“, so Trefelik.
Noch im November 2025 hat Statistik Austria ein deutliches reales Minus von -3,8% im gesamten Einzelhandel verzeichnet. Im Non Food waren es -3,7% und bei Lebensmittel -4,1%. Weihnachten war solide, aber kein Handels-Gamechanger. „Wir brauchen wirkliche Veränderungen bei Steuer- und Kostensenkungen“, fordert der Handelsobmann.
Positive Vorzeichen, Umsetzung als Knackpunkt
In Österreich ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ein guter Ansatz für die weitere Senkung der Inflation. Ebenso sieht Rainer Trefelik die EU-Omnibus-Prozesse als positiv. Die entscheidenden Fragen sind allerdings: Gibt es unterschiedliche Ansätze zwischen KMUs und Konzernen in all den Richtlinien? Österreichs Handel wird immer noch von KMUs dominiert.
Bringt die Mehrwertsteuersenkung mehr bürokratischen Aufwand für den Handel als der Effekt für die Konsumenten ausmacht? Da die meisten Kassensysteme nicht auf die Verarbeitung von Dezimalstellen ausgelegt sind, wären umfangreiche kostenintensive Updates notwendig.
Wie meistert der Handel die Entgelttransparenz-Richtlinie, die bis zum 7. Juni 2026 in Kraft tritt?
Ist es vorteilhaft die BWB in Bezug auf Kontrolle noch mehr zu stärken?
„Es gibt so viele offene Fragen, die aufgrund von erhöhter Bürokratie auf den Handel zukommen“, so Trefelik. Und die den Handel auch noch viel Geld kosten werden. „Uns wird oft der hohe Umsatz vorgeworfen, aber von der kleinen Marge, die auf die hohen Kosten zurückzuführen ist, redet niemand. Man kritisiert weiters die hohe Filialdichte im Lebensmittelhandel, aber wenn ein Händler eine unrentable Filiale schließen will, gibt es politische Aufstände. Erkennen Sie die Schizophrenie dabei?“, stellt der Handelsobmann die brisante Frage in den Raum.
Online wird dadurch stärker
Das Abwägen zwischen stationärem Handel und Online-Handel wird in Zukunft zu Gunsten des eCommerce ausgehen, wenn sich nicht gewisse politische Parameter verändern, die den Handel entlasten. Das fängt bei Sonntagszustellungen durch die Post an und endet bei enormen Kostenaufwänden für neue Richtlinien und Gesetzte. „Das Thema Öffnungszeiten wird sowieso in kürzester Zeit eine Fairness-Debatte“, sagt Rainer Trefelik. Die Debatte sei neben sozial und wirtschaftlich eben auch fair zu führen: „Es ist nicht in Ordnung die Sonntagsöffnung am Sortiment aufzuhängen. Alleine wenn ich in die Wiener Kärntnerstraße blicke, sehe ich hier Diskrepanzen. Ich weiß, diese Diskussion zu führen ist unpopulär, aber wenn wir über Strukturreformen und Entbürokratisierung reden, müssen wir auch über Fairness nachdenken!“.
Rainer Trefelik sieht zurzeit die „österreichische Lösung“ dominant: wenn man nicht so genau hinschaut, dann wird auch nicht großartig sanktioniert. Aber wir müssen die Faktenlagen den Bedürfnissen anpassen, in die Zukunft schauen und dann auch die Regeln richtig einhalten. Wir müssen endlich bereit sein, ehrlich zu diskutieren und die großen Themen angreifen. Denn eines ist fix: ‚Durchwurschteln‘ und so weitermachen ist keine Lösung!“