Direkt zum Inhalt
Stephan Krömer, Präsident des Österreichischen Teeinstituts.

Tee in Österreich: stabil und innovativ

Zwischen Tradition, Gesundheit und neuem Wachstum im Handel – so stellt sich der Tee-Markt in Österreich dar. Ein Gespräch mit Stephan Krömer, Präsident des Österreichischen Teeinstituts.

Der Tee-Markt in Österreich befindet sich im Wandel. Was lange Zeit vor allem als klassisches Wintergetränk galt, entwickelt sich zunehmend zu einer modernen Genuss- und Lifestyle-Kategorie. Für den Lebensmittelhandel eröffnet diese Entwicklung neue Chancen – von funktionalen Teekonzepten über Premium-Sortimente bis hin zu nachhaltigen Herkunftsgeschichten. Ganz besonders gebrühter Eistee ist aus den Regalen des Lebensmittelhandels nicht mehr wegzudenken. Hier sind deutliche jährliche Steigerungen zu erkennen.
Im Durchschnitt werden in Österreich 250-280 Gramm klassischer Tee/Kopf getrunken. 250 Gramm/Kopf sind es beim Kräuter- und Früchtetee. „Diese Zahlen bleiben stabil“, so Stephan Krömer, Präsident des Österreichischen Teeinstituts. „Tee ist aber längst mehr als ein saisonales Heißgetränk“, lautet eine der zentralen Botschaften von Stephan Krömer. Themen wie Wohlbefinden, bewusster Konsum und alkoholfreier Genuss rücken stärker in den Fokus der Konsumenten. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Produkten, die Gesundheit, Geschmack und Nachhaltigkeit miteinander verbinden.

Besonders bemerkenswert ist die Vielfalt der konsumierten Sorten. Anders als in klassischen Schwarztee-Märkten (Schwarztee in Ö: 12,4%) dominieren hierzulande Kräuter (49,8%)- und Früchtetees (30,7%). Ergänzt wird das Sortiment zunehmend durch Grüntees (7,1%), Matcha-Produkte sowie funktionale Teemischungen, die gezielt auf Bedürfnisse wie Entspannung, Energie oder Immunsupport ausgerichtet sind. Die Tee-Marktgröße in Österreich liegt bei 90 Mio. Euro.

Für den Handel ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Tee gehört zu jenen Warengruppen, die sich über Innovation und Sortimentsdynamik profilieren können. Neue Geschmacksrichtungen, Bio-Linien, Cold-Brew-Konzepte oder Premium-Mischungen schaffen Kaufanreize und ermöglichen eine stärkere Differenzierung am Regal. Gleichzeitig wächst die Bedeutung hochwertiger Verpackungen, klarer Herkunftskommunikation und nachhaltiger Produktionsstandards.

Tee-Lieferketten im Brennpunkt

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den internationalen Lieferketten. Während klassische Tees überwiegend aus Ländern wie China, Indien, Sri Lanka oder Kenia stammen, kommen zahlreiche Kräuter- und Fruchtzutaten aus europäischen Anbaugebieten. Transparenz entlang der Wertschöpfungskette wird dabei sowohl für Hersteller als auch für den Handel zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Bio-Zertifizierungen, Rückverfolgbarkeit und soziale Standards gewinnen bei Einkaufsentscheidungen an Gewicht.

Die aktuellen Themen auf den Meerengen der Welt (Hormus) treffen den Tee-Transport zur Zeit nicht so schlimm wie andere Segmente. „15-20% Mehrkosten haben wir aktuell beim Transport“, so Krömer. Das große Thema ist beim Tee weniger der Fluss der Schiffe, sondern die Verfügbarkeit der Container. Auch im Premiumsegment eröffnen sich neue Perspektiven. Tee wird verstärkt als hochwertige Speisenbegleitung positioniert und findet seinen Platz in Gastronomie, Hotellerie und Feinkosthandel. Das Konzept des „Tea Pairing“ – die gezielte Kombination von Tee und Speisen – gilt als einer der spannendsten Trends im Bereich des alkoholfreien Genusses und könnte mittelfristig auch im Retail zusätzliche Impulse setzen.

Für den österreichischen Lebensmittelhandel ergibt sich daraus ein klares Bild: Tee bleibt eine stabile Kategorie mit wachsender Innovationskraft. Wer Sortiment, Nachhaltigkeit und Genusskompetenz überzeugend miteinander verbindet, kann von einer Entwicklung profitieren, die weit über das klassische Tee-Regal hinausreicht.

Die Zukunft des Teemarktes liegt nicht allein im Produkt, sondern in seiner Inszenierung. Gesundheit, Nachhaltigkeit, Positionierung als Premiumprodukt und neue Konsumanlässe machen Tee zu einer Kategorie, die im Handel zunehmend strategische Bedeutung gewinnt.

Kategorien

Tags

geschrieben am

02.07.2026