Handel & Industrie: Arbeiten am Limit
Das Thema Preis im Lebensmittelhandel, Inflation, Kosten und Bürokratie beschäftigt die Agierenden in Handel und Industrie enorm. Man konnte am Tag des Handels 2026, der abermals in Gmunden stattfand, förmlich die angeheizte Stimmung spüren: die rund 400 Teilnehmer kamen immer wieder zum selben Schluss: Unternehmen arbeiten aktuell am Limit - die Herausforderungen sind enorm. Bei der Podiumsdiskussion rund um Bürokratie und Preise und Kosten ging es heiß her.
Die Arbeiterkammer bestätigte, dass der Handel die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel eins zu eins weitergegeben hat. Für viele Haushalte bleiben die Lebenshaltungskosten dennoch eine Belastung. Zgubic-Engleder betonte, dass es der AK nicht um den billigsten Preis gehe, sondern um Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Eine Preisbeobachtungsstelle soll klären, wo Preissteigerungen entstehen und ob sie gerechtfertigt sind. Als größten Treiber nannte sie die Energiepreise, die sich national nur begrenzt steuern lassen.
Markus Kaser kritisierte die Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung als gut gemeint, aber schlecht ausgeführt. Die IT-Umstellung allein für die korrekte Abbildung von Produkten wie „Wurstsemmeln" habe bei Spar 250.000 Euro gekostet. Der Effekt für die Konsumenten sei gering gewesen. Lebensmittel machen nur rund 11 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens aus und liegen im europäischen Vergleich eher im unteren Bereich. Gleichzeitig verfüge Österreich im Frischebereich über eine höhere Qualität als viele andere Länder. Kaser forderte vernünftige Rahmenbedingungen statt kleinteiliger Maßnahmen, einen Abbau von Bürokratie und Gold-Plating sowie niedrigere Energiekosten. Leistung müsse sich wieder lohnen, und die Wirtschaft dürfe nicht schlechtgeredet werden.
Marcel Haraszti unterstrich die inflationsdämpfende Rolle des Lebensmittelhandels. Während die Gesamtinflation deutlich höher liege, bewege sich die Inflation im Lebensmittelhandel unter einem Prozent. Rewe investiere trotz Krise in den nächsten drei Jahren 1,5 Milliarden Euro in Österreich. Neue Vorschriften wie ein Margentransparenzgesetz erzeugten nur zusätzliche Bürokratie und Kosten.
Günter Thumser stellte klar, dass die Preisfestsetzung gegenüber dem Konsumenten ausschließlich dem Handel obliegt. Hersteller und Handel arbeiteten entlang der gesamten Lieferkette am Limit. Österreich gehöre zu den Ländern mit den höchsten Standortkosten.
Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass Betriebe schließen oder fusionieren – Beispiele seien die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf, mehrere Molkereien und Unternehmen im Fleischsektor. Thumser kritisierte einseitige Preisvergleiche und permanente Polemik gegenüber Handel und Industrie. Faire Preise seien die Voraussetzung, um Qualität und das hohe soziale Sicherheitsniveau in Österreich zu halten.
Einigkeit bestand darin, dass der Lebensmittelhandel in den vergangenen Monaten inflationsdämpfend gewirkt hat und die Versorgungssicherheit gewährleistet. Uneinig blieben die Teilnehmer bei Öffnungszeiten und der Bewertung politischer Maßnahmen. Haraszti forderte unternehmerische Freiheit bei den Öffnungszeiten, Kaser hielt die aktuelle Regelung für ausreichend. Zgubic-Engleder verwies auf Arbeitnehmerschutz und fehlende Beschwerden bei der AK.
Als zentrale Hebel für leistbare Preise und Wettbewerbsfähigkeit nannten die Handelsvertreter niedrigere Energiekosten, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen statt symbolischer Einzelmaßnahmen.