Direkt zum Inhalt
Statistik Austria: Lebensmittel bleiben wichtiger Ausgabenposten

Lebensmittel bleiben wichtiger Ausgabenposten

Im Frühjahr 2026 wurde sie veröffentlicht - die Erhebungen gehen über die letzten Jahre: Die Konsumerhebung von Statistik Austria zeigt, wie sich das Konsumverhalten österreichischer Haushalte verändert hat.

Alle fünf Jahre legt Statistik Austria mit der Konsumerhebung eine detaillierte Bestandsaufnahme des privaten Konsums vor. Die aktuelle Erhebung (präsentiert 2026) basiert auf den Angaben von 6.689 Haushalten, die zwischen April 2024 und Mai 2025 ihre Ausgaben dokumentierten. Damit ist sie eine der wenigen Erhebungen, die einen umfassenden Blick darauf erlauben, wohin das Geld der österreichischen Konsumenten tatsächlich fließt.

Für den Lebensmittelhandel ist das Ergebnis zunächst eindeutig: Ernährung bleibt ein zentraler Bestandteil des Haushaltsbudgets. 484 Euro geben die Haushalte durchschnittlich jeden Monat für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke aus. Das entspricht 11,6 Prozent der gesamten Verbrauchsausgaben und macht Ernährung zur drittgrößten Ausgabengruppe – nach Wohnen und Energie sowie Verkehr.

484 Euro für den Einkauf zu Hause

Allerdings ist die Entwicklung im Fünf-Jahres-Vergleich weniger dynamisch, als der erste Blick auf die Eurobeträge vermuten lässt. 2019/20 lagen die monatlichen Ausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke noch bei 392 Euro. Seither sind sie um 92 Euro beziehungsweise rund 23,5 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die gesamten Haushaltsausgaben um 28,3 Prozent und die Verbraucherpreise um 26,9 Prozent.
Damit hat sich der Stellenwert des Lebensmitteleinkaufs im Haushaltsbudget weiter leicht verringert. Der langfristige Trend ist deutlich: Der Anteil der Ausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke an den gesamten Verbrauchsausgaben ist über Jahrzehnte kontinuierlich zurückgegangen. Für die aktuelle Erhebung liegt er bei rund 13 Prozent im historischen Vergleich.

Für den Handel bedeutet das: Lebensmittel bleiben ein unverzichtbarer Ausgabenposten, konkurrieren im Haushaltsbudget aber zunehmend mit anderen Konsumbereichen. Der durchschnittliche Haushalt verfügt zwar nominal über höhere Ausgabenbudgets, ein wachsender Teil davon fließt jedoch in Wohnen, Mobilität und Dienstleistungen.

Fleisch, Brot und Milchprodukte führen

Innerhalb des Lebensmittelbudgets zeigen sich klare Schwerpunkte. Fleischwaren stehen mit 17,7 Prozent an erster Stelle. Brot und Getreideprodukte folgen mit 15,5 Prozent, Milchprodukte und Eier mit 12,4 Prozent. Auf sonstige Lebensmittel entfallen 12,6 Prozent. Gemüse erreicht 10,3 Prozent, Obst und Nüsse 7,7 Prozent. Getränke wie Limonaden, Säfte und Wasser kommen auf 7,9 Prozent.
Von den durchschnittlich 484 Euro entfallen 88,1 Prozent auf Ernährung und 11,9 Prozent auf alkoholfreie Getränke. Alkoholische Getränke werden ebenso wie Gastronomie separat erfasst.

Damit liefert die Erhebung auch Hinweise auf die Größenordnung einzelner Warengruppen im privaten Konsum. Für den Lebensmittelhandel besonders relevant ist dabei die große Bedeutung der klassischen Grundversorgungsbereiche Fleisch, Brot und Getreide sowie Milchprodukte und Eier.

Gastronomie wächst deutlich stärker

Noch interessanter fällt der Blick auf die Gastronomie aus. Restaurant, Kaffeehaus, Kantine und Fast Food sind in der Konsumerhebung eine eigene Ausgabenkategorie. Dafür wenden die österreichischen Haushalte durchschnittlich 276 Euro pro Monat auf. Das entspricht 6,6 Prozent der gesamten Verbrauchsausgaben.

2019/20 waren es noch 192 Euro. Damit sind die monatlichen Gastronomieausgaben innerhalb von fünf Jahren um 84 Euro beziehungsweise rund 44 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Ausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke erhöhten sich im selben Zeitraum um 92 Euro beziehungsweise rund 23,5 Prozent.

Die beiden Bereiche entwickeln sich damit unterschiedlich: Der Einkauf für den Konsum zu Hause wächst deutlich langsamer als der Außer-Haus-Konsum. Die Statistik Austria-Erhebung liefert zwar keine Erklärung für diese Entwicklung, sie macht aber sichtbar, dass Gastronomie innerhalb des privaten Konsums an Bedeutung gewonnen hat.

760 Euro für Essen und Trinken

Addiert man die beiden Bereiche, werden die Dimensionen für die Branche deutlich: Durchschnittlich 760 Euro im Monat fließen in die Kombination aus Ernährung und alkoholfreien Getränken für den Konsum zu Hause sowie Gastronomie. Das entspricht rechnerisch rund 18 Prozent der gesamten monatlichen Verbrauchsausgaben eines durchschnittlichen Haushalts.

Dabei handelt es sich um unterschiedliche Konsumbereiche: Die 484 Euro umfassen Lebensmittel und alkoholfreie Getränke, die vorwiegend zu Hause konsumiert werden; Gastronomieausgaben wie Restaurant, Kaffeehaus, Kantine und Fast Food werden separat erfasst.

Für Handel und Gastronomie ergibt sich damit ein gemeinsamer Blick auf einen erheblichen Teil des privaten Konsumbudgets. Gleichzeitig zeigt der Fünf-Jahres-Vergleich, dass die Gastronomie nominal deutlich stärker zugelegt hat als der Lebensmitteleinkauf.

Haushaltsstruktur wird wichtiger

Eine weitere relevante Größe für den Lebensmittelhandel ist die Zusammensetzung der österreichischen Haushalte. Rund 4,2 Millionen Haushalte gibt es in Österreich. 38,8 Prozent davon sind Einpersonenhaushalte, weitere 30,4 Prozent bestehen aus zwei Personen. Nur 16,9 Prozent der Haushalte haben vier oder mehr Personen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt 2,17 Personen.

Mit zunehmender Haushaltsgröße steigen zwar die absoluten Ausgaben, die gewichteten Pro-Kopf-Ausgaben sinken jedoch. Einpersonenhaushalte geben durchschnittlich 2.700 Euro im Monat aus, Haushalte mit vier oder mehr Personen 5.850 Euro. Bei den gewichteten Pro-Kopf-Ausgaben ergibt sich hingegen ein Rückgang von 2.700 auf 2.400 Euro.

Für den Handel ist die starke Verbreitung kleiner Haushalte ein wichtiger struktureller Faktor. Fast 40 Prozent der Haushalte bestehen aus nur einer Person. Gleichzeitig unterscheiden sich Einpersonenhaushalte erheblich in ihrer Ausgabenstruktur. Erwerbstätige Alleinlebende verfügen beispielsweise über durchschnittliche monatliche Verbrauchsausgaben von 3.080 Euro, nicht erwerbstätige Einpersonenhaushalte kommen auf 2.430 Euro.

920 Euro mehr als vor fünf Jahren

In Summe geben Österreichs Haushalte heute monatlich rund 920 Euro mehr aus als vor fünf Jahren. Besonders stark stiegen die Ausgaben für Wohnen und Energie – um 309 Euro auf durchschnittlich 1.100 Euro. Verkehr legte um 112 Euro zu. Ernährung und alkoholfreie Getränke erhöhten sich um 92 Euro, Gastronomie um 84 Euro.

Die Zahlen sind allerdings nominal und damit nicht inflationsbereinigt. Der Verbraucherpreisindex stieg zwischen den Vergleichszeiträumen um 26,9 Prozent. Die Zunahme der gesamten Haushaltsausgaben um 28,3 Prozent fällt somit nur moderat höher aus.

Die Konsumerhebung 2024/25 liefert damit vor allem eines: ein aktuelles Bild darüber, wie sich die Prioritäten im Haushaltsbudget verschieben. Für den Lebensmittelhandel bleibt Ernährung ein großer und stabiler Konsumbereich. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit der Gastronomie, dass Ausgaben für Essen und Trinken außerhalb des eigenen Haushalts deutlich stärker gewachsen sind. Für die Branche ist das ein relevanter Befund – und einer, der erst in fünf Jahren wieder mit einer vergleichbaren Datengrundlage überprüft werden kann.

Konsumerhebung Statistik Austria

Kategorien

Tags

geschrieben am

27.08.2026