Schweitzer: Verdoppelung der Frische-Abteilungen?
Steigende Kosten, Fachkräftemangel und veränderte Kundenbedürfnisse setzen den Lebensmitteleinzelhandel unter Druck. Ein neuer Ansatz zeigt, wie Frischeabteilungen durch intelligente Konzepte, bessere Kundenführung und stärkere Inszenierung zum zentralen Wachstumstreiber werden können – ohne zusätzliche Fläche.
Mehr Selbstbedienung bei gleichbleibender Fachkompetenz
Ein zentrales Handlungsfeld ist der strukturelle Umbau klassischer Bedienabteilungen. Diese werden zunehmend um Selbstbedienungsanteile ergänzt, ohne ihren fachlichen Anspruch zu verlieren. Mit wachsendem SB-Anteil gewinnt die kommunikative Inszenierung der Produkte deutlich an Bedeutung. Waren müssen klar beschrieben, verständlich erklärt und emotional inszeniert werden. Wo möglich, wird auch die Herkunft oder Geschichte eines Produkts sichtbar gemacht. Dieser Ansatz erfüllt eine doppelte Funktion: Er vermittelt Kunden den Mehrwert der Produkte und kompensiert gleichzeitig fehlende persönliche Beratung – etwa bei begrenzten personellen Ressourcen. So bleibt der Fachcharakter der Abteilung auch ohne permanente Fachkräftepräsenz erhalten.
Klare Orientierung als Schlüssel zur Kaufentscheidung
Ein weiteres zentrales Element ist die Verbesserung der Kundenführung innerhalb der Frischebereiche. Komplexe Kühlmöbelwände, etwa in Molkereiprodukt- oder SB-Fleischabteilungen, führen häufig zu Orientierungsproblemen. Abhilfe schaffen klar strukturierte Sortimente, Blockplatzierungen und visuelle Leitlinien. Ergänzt durch nachvollziehbare Preisarchitekturen und gezielte Storytelling-Elemente entsteht eine übersichtliche Warenpräsentation, die Kaufentscheidungen erleichtert. Auch die differenzierte Gestaltung einzelner Frischeabteilungen – etwa durch unterschiedliche grafische Konzepte – unterstützt die intuitive Navigation im Markt und verbessert das Einkaufserlebnis.
Strategische Layouts als Umsatztreiber
Das dritte Handlungsfeld betrifft die gezielte Optimierung der Flächen- und Layoutgestaltung. Durch eine bewusste Gewichtung von Verkaufsflächen, emotionale Wareninszenierung und die Platzierung margenstarker Sortimente lassen sich zusätzliche Kaufimpulse generieren. Eine enge Verzahnung von Verkaufsfläche, Logistik und Rückraum ermöglicht zugleich eine effizientere Bewirtschaftung. Verkaufsfördernd wirken dabei insbesondere Eigenmarken, Visual Merchandising und eine konsistente, leicht verständliche Preiskommunikation. Ein erweitertes und strategisch gestaltetes Frischelayout trägt darüber hinaus dazu bei, die Verweildauer der Kunden im Markt zu erhöhen.
Mehr Leistung ohne mehr Fläche
Die „Verdoppelung“ der Frischeabteilungen basiert nicht auf zusätzlichem Raum, sondern auf einem ganzheitlichen Ansatz aus intelligenter Organisation, wirkungsvoller Inszenierung und optimierter Kundenführung. Durch die Kombination aus mehr Selbstbedienung, dem Erhalt fachlicher Kompetenz, der gezielten Aufwertung von Eigenmarken und strategisch durchdachten Layouts können Händler ihre Frischebereiche nachhaltig stärken. Das Ergebnis: steigende Umsätze und Margen, längere Verweildauer und ein verbessertes Einkaufserlebnis – und damit eine klare Differenzierung im Wettbewerb sowie eine langfristig höhere Leistungsfähigkeit im Lebensmittelhandel.