Schlumberger hisst die Österreich-Flagge
Anne Glatz, als Mitglied der Geschäftsleitung bei Schlumberger und Vertriebsdirektorin Schlumberger und Geschäftsführerin von Top Spirit, kennt den Markt seit Jahrzehnten. Vor 20 Jahren hat sie im Unternehmen im Marketing gestartet und vor acht Jahren wechselte sie in den Vertrieb. Sie berichtet direkt an den Schlumberger-CEO Florian Czink und ist seit Oktober Mitglied der erweiterten Geschäftsführung. Die kurzen Entscheidungswege sind der nachhaltigen positiven Entwicklung in die Zukunft dienlich.
Ein herausforderndes Jahr 2025
Die österreichische Schaumweinbranche bewegt sich in einem anspruchsvollen Marktumfeld – mit differenzierten Entwicklungen je nach Segment, Vertriebsschiene und Herkunft. Die Schlumberger Wein- und Sektkellerei GmbH präsentierte gemeinsam mit Top Spirit aktuelle Marktzahlen und ordnete die Dynamik im heimischen Schaumwein- und Spirituosenmarkt ein. Schaumwein verzeichnet ein moderates Wachstum.
Laut Daten des Marktforschungsinstituts IWSR erreichte der österreichische Schaumweinmarkt 2024 – inklusive Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Gastronomie – ein Gesamtvolumen von rund 36 Millionen 0,75-Liter-Flaschen. Das entspricht einem moderaten Wachstum von 1,63 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Innerhalb des Gesamtmarktes zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede:
- Champagner: 1,3 Millionen Flaschen (-8,3 %)
- Sekt gesamt: 34,5 Millionen Flaschen (+1,5 %)
- davon lokale Produkte: 8,9 Millionen Flaschen (-0,6 %)
- importierte Ware: 25,5 Millionen Flaschen (+2,3 %)
- Alkoholfreier Sekt: 480.000 Flaschen (+60 %)
Während importierte Schaumweine leicht zulegen konnten, gerieten heimische Produkte leicht unter Druck. Besonders markant ist die Entwicklung im alkoholfreien Segment: Mit einem Wachstum von 60 Prozent – wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Ausgangsniveau – zählt es zu den dynamischsten Bereichen im Gesamtmarkt. Der Trend zu bewussterem Konsum und flexibleren Anlässen manifestiert sich damit zunehmend auch im Schaumweinregal.
Demgegenüber steht ein deutlicher Rückgang bei Champagner. Hier spiegeln sich sowohl die allgemeine Kaufzurückhaltung als auch eine stärkere Preissensibilität der Konsumenten wider.
LEH: Mengenrückgang bei stabiler Wertentwicklung
Im Lebensmitteleinzelhandel (exklusive Diskonter) lag der Absatz 2025 bei knapp 17 Millionen 0,75-Liter-Flaschen – ein Minus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz blieb mit rund 100 Millionen Euro hingegen stabil.
Diese gegenläufige Entwicklung deutet auf eine fortgesetzte Premiumisierung beziehungsweise auf Preisanpassungen hin, die rückläufige Mengen zumindest wertmäßig kompensieren konnten. Für den Handel bedeutet das stabile Umsätze bei wachsendem Wettbewerbsdruck im Regal, für die Industrie steigt die Bedeutung klarer Preis- und Markenstrategien.
Schlumberger schlug sich in diesem Markt gut und verwandelte Chancen in Erfolge – die größte Chance ist wohl die Regionalität und Herkunft der Marken. Bei einer Umfrage unter Gastronomiekunden wünschten sich 50% der Befragten mehr österreichischen Schaumwein im Sortiment. Zusätzlich wird es eine Schaumwein-Offensive im Herbst 2026 geben, bei der die neuen Jahrgänge der Schlumberger Reserve-Linie präsentiert werden.
Der Markenvergleich
Im Markenvergleich zeigt sich eine leichte Verschiebung der Marktanteile. Hochriegl kommt im LEH auf 11 Prozent Absatzmarktanteil (-0,5 Prozentpunkte) und 9,4 Prozent Umsatzmarktanteil (-0,3 Prozentpunkte). Schlumberger erreicht 4,6 Prozent Absatzmarktanteil (+0,1 Prozentpunkte) und 9,7 Prozent Umsatzmarktanteil (-0,2 Prozentpunkte) und unterstreicht damit seine starke Position im Premiumbereich.
Unter Druck stehen hingegen kleinere beziehungsweise stärker preisgetriebene Marken wie Goldeck sowie einzelne Linien im Einstiegs- und Mittelpreissegment. Allerdings ist Goldeck mitten in einem optischen Relaunch-Prozess, der der Marke Schwung geben wird.
Denn die Marktdynamik zeigt klar: Profilierung und differenzierte Sortimentsführung werden zunehmend entscheidend am PoS und auch in der Gastronomie.
Preisentwicklung
Vor drei Jahren fand die letzte Preiserhöhung der Marke Schlumberger statt. 2026 wird es demnach erstmalig nach drei Jahren wieder eine Preisanpassung geben müssen, die mit März umgesetzt wird. Die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten machen das notwendig. Trotzdem werden die Aktionen im Handel gut greifen, denn Schaumwein wird mit rund 70% in Aktion gekauft..
Spirituosen: Kategorieübergreifend rückläufig – Premium besonders betroffen
Noch deutlicher als im Schaumweinbereich fällt die Entwicklung im Spirituosenmarkt aus. Kategorieübergreifend verliert der Markt gegenüber dem Vorjahr – und noch stärker im Vergleich zu den außergewöhnlich handelsstarken Corona-Jahren 2020 und 2021, in denen der Konsum im privaten Umfeld massiv zulegte. Der gesamte Spirituosen-Markt laut NIQ LH exkl. H/L bis 28.12.2025 lag total bei 30 Mio. Liter. Das ist ein Minus von 5% vs. dem Vorjahr. Bitteraperitif, Kräuterbitter und Pre-Mixes sind die bestgehenden Segmente.
Die Normalisierung nach diesen Sondereffekten ist inzwischen klar sichtbar. Während sich der Markt in der Pandemie durch verstärkte Heimkonsum-Anlässe stabilisierte beziehungsweise teilweise sogar wuchs, fehlt nun ein vergleichbarer Impuls. Gleichzeitig trifft die allgemeine Kaufzurückhaltung insbesondere höherpreisige Produkte.
Premium-Spirituosen stehen damit deutlich stärker unter Druck als Einstiegssegmente. Markenprodukte mit höherem Preisniveau spüren die Konsumzurückhaltung unmittelbar. Trading-down-Effekte sind ebenso erkennbar wie eine stärkere Aktionsorientierung im Handel. Eine kurzfristige Erholung ist aktuell nicht in Sicht.
Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Der gesellschaftliche Trend zu reduziertem Alkoholkonsum – insbesondere bei jüngeren Konsumenten – wirkt sich zunehmend auf die Kategorie aus. „Weniger, aber besser“ bleibt zwar als Leitmotiv präsent, doch in wirtschaftlich angespannten Zeiten verschiebt sich die Gewichtung stärker in Richtung „weniger“. Alkoholfreie Alternativen und Low-ABV-Konzepte gewinnen daher nicht nur im Schaumwein-, sondern auch im Spirituosenumfeld an Relevanz.
Neuheiten aus dem Hause Schlumberger mit Neuzugang
Der österreichische Markt für Schaumwein und Spirituosen steht weniger vor einem konjunkturellen Einbruch als vor einem strukturellen Wandel. Wachstum findet statt – jedoch selektiv, segmentiert und unter neuen Vorzeichen. Das Haus Schlumberger hat sich mit der neuen Produktion in Müllendorf für die Zukunft gut aufgestellt und ist auch für Lohnabfüllungen bereit.
Im Markenbereich wird es beim Schaumwein optische Neuerungen bei Hochriegl geben. Auch eine Limited Edition anlässlich des Eurovision Song Contests und der Vienna Pride mit dem Namen „Unlimited Love“ wird demnächst in den Regalen stehen.
Kellermeisterin Aurore Jeudy ist in der letzten Phase einer Fertigstellung eines alkoholfreien Produkts unter der Marke Schlumberger, auf den man gespannt sein darf. Und im Herbst kommt für die Gastronomie die neuen Jahrgänge der Schlumberger Reserve mit ihrer Handschrift.
Im Bereich Spirituosen wird es besonders spannend, denn ab März fügt sich eine neue Marke ins eigene Portfolio ein.
Leibwächter weitet das Sortiment um einen Leibwächter Weinbrand in 40 ml aus.
Den Kleinen Klopfer gibt es neu in der Après Ski-Mix Variante „Schiwasser“ und Premium-Mixer Thomas Henry bringt mit „Vivid Watermelon“ einen Filler mit Wassermelonen-Geschmack auf den Markt.