Round Table: Wellpappe im PPWR-Endspurt
Beim Roundtable, organisiert von Forum Wellpappe Austria und Forum Ökologisch Verpacken (FÖV), diskutierten Expertinnen und Experten aus Industrie, Handel und entlang der Lieferkette, wie sich Unternehmen auf die neuen EU-Verpackungsvorgaben vorbereiten müssen. Die Branche sieht akuten Handlungsbedarf, zugleich auch Chancen.
Die neue EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) bringt ab August 2026 neue Pflichten für Unternehmen mit sich, doch die Wellpappe-Industrie sieht ihre Stärken im neuen regulatorischen Umfeld bestätigt. Bei einer Veranstaltung des Forum Wellpappe Austria zeigte sich ein hoher Informationsbedarf: Viele Unternehmen beschäftigen sich intensiv damit, welche Anforderungen auf sie zukommen und wie sie diese entlang der Lieferkette praktisch umsetzen können.
PPWR-Readiness in der Wellpappe-Industrie
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Fachvortrag von Christoph Waldau, CEO von Berndt & Partner Crealty, zur „PPWR Readiness in der Wellpappe-Industrie". Waldau zeigte auf, welche Anforderungen ab August 2026 auf Unternehmen zukommen, etwa bei:
- Konformitätserklärungen
- Technischen Dokumentationen
- Kennzeichnungspflichten
Waldau hob hervor, dass Wellpappe aufgrund ihrer Monomaterial-Struktur, der hohen Recyclingfähigkeit und etablierter Kreisläufe Vorteile im neuen regulatorischen Umfeld hat. „Die PPWR bringt viele neue Pflichten und einen hohen Dokumentationsaufwand mit sich. Gerade dort, wo künftig strengere Anforderungen an Materialien oder Wiederverwendung gelten, kann Wellpappe aber ihre Stärken ausspielen."
Wellpappe mit Recycling-Vorteil
Alexander Enzenberg (Forum Wellpappe Austria, Dunapack Packaging) betont den Vorzeigestatus von Wellpappe in der Kreislaufwirtschaft: „Wellpappeverpackungen bestehen überwiegend aus Altpapier und sind einfach rezyklierbar. Mit einer Recyclingrate von über 90 Prozent ist Wellpappe der Vorzeigewertstoff in der Kreislaufwirtschaft. Diesen Vorteil können wir nicht oft genug in Erinnerung rufen.“ Christoph Waldau unterstreicht: Die PPWR erkennt die Stärken der Wellpappe – hohe Recyclingquoten und ein funktionierender Kreislauf – klar an.
REWE: Zusammenarbeit entlang der Lieferkette
Andreas Streit, Nachhaltigkeitsleiter der Rewe Group, zeigte im Deep Dive, wie Handelsunternehmen mit der PPWR umgehen. Die neuen Vorgaben greifen tief ein in:
- Verpackungsdesign
- Lieferketten
- Prozesse
Themen wie Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz, Kennzeichnungspflichten und Verpackungsreduktion rücken künftig stärker in den Fokus. Streit verwies auf steigende Datenanforderungen und die operative Komplexität entlang der Supply Chain. „Die PPWR betrifft nicht einzelne Unternehmen, sondern ganze Wertschöpfungsketten. Deshalb müssen wir gemeinsam pragmatische Lösungen entwickeln, die ökologisch sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich umsetzbar sind."
Unsicherheiten trotz Vorbereitung
Eine aktuelle Befragung in der Ernährungsindustrie in Deutschland zeigt, dass trotz intensiver Vorbereitung noch viele Unsicherheiten bestehen. Peter Feller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie und Mitglied im Beirat des Forum Ökologisch Verpacken (FÖV): „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass viele Unternehmen ihre Rolle innerhalb der PPWR noch nicht abschließend geklärt haben. Bei den KMU gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass dieser Prozess noch offen ist. Aber auch bei großen Unternehmen bestehen noch erhebliche Unsicherheiten."
PPWR als wichtiger Schritt zur Nachhaltigkeit
Martina Hörmer, Marketingstrategin für Bio & Nachhaltigkeit und Beirätin im Forum Ökologisch Verpacken, sieht die PPWR trotz Herausforderungen als wichtigen Fortschritt: „Die PPWR ist eine richtige und wichtige Initiative. Verpackungen recyclingfähiger zu machen, Verpackungsmaterial zu reduzieren und problematische Stoffe zu vermeiden, ist der richtige Weg. Natürlich wird die Umsetzung am Anfang nicht immer einfach sein. Aber diese Anfangshürden sollten uns nicht davon abhalten, die positiven Ziele der PPWR konsequent umzusetzen."
Endspurt bis August 2026
Der große Zuspruch zur Veranstaltung zeigt, dass die Branche die PPWR als zentrales Zukunftsthema erkannt hat. Der gemeinsame Tenor: Jetzt gehe es darum, die verbleibende Zeit intensiv zu nutzen, Prozesse aufzusetzen und Lösungen entlang der Lieferkette gemeinsam weiterzuentwickeln. Kerstin Jahn (ARA Altstoff Recycling): „Wichtig ist, dass die gesamte Lieferkette jetzt stärker in den Dialog geht. Bei den Rollen und Verantwortlichkeiten gibt es noch Unsicherheiten, am Ende wird es auf Zusammenarbeit und gemeinsamen Datenaustausch ankommen." Katrin Seelmann (Fachverband PROPAK): „Ich habe einige sehr spannende Punkte aufgenommen, wo Betriebe aktuell noch offene Fragen haben. Das ist besonders wertvoll für unsere Informationsmaterialien für die PROPAK-Mitglieder."