Produzenten unter Preisdruck
Die Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise für Lebensmittel weist seit 2023 eine deutliche Differenz auf. Nach Daten von Statistik Austria stiegen die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke von Jänner 2023 bis Juni 2026 um 12,0 Prozent. Die Erzeugerpreise erhöhten sich im selben Zeitraum dagegen lediglich um 1,9 Prozent bei Nahrungs- und Futtermitteln sowie um 3,8 Prozent bei Getränken. Damit haben sich Verbraucherpreisindex (VPI) und Erzeugerpreisindex (EPI) teilweise um bis zu zehn Prozentpunkte auseinanderentwickelt.
Dämpfung nicht nur über den Lebensmittelhandel
Das Netzwerk produzierender Familienbetriebe Österreichs sieht darin einen Hinweis darauf, dass die derzeitige Inflationsdämpfung nicht ausschließlich über den Handel erfolgt. Nach Einschätzung des Netzwerks könnten gestiegene Kosten für Rohstoffe, Löhne, Energie, Verpackungen, Logistik, Dienstleistungen und gesetzliche Auflagen von den Produzenten teilweise selbst getragen werden, wenn diese Kosten nicht vollständig über die Verkaufspreise weitergegeben werden können. Besonders unter Druck stehen laut Netzwerk familiengeführte Produktionsbetriebe.
Auch innerhalb einzelner Warengruppen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Verbraucher- und Erzeugerpreisen. Das betrifft unter anderem Fleisch- und Wurstwaren sowie Milchprodukte. Nach Ansicht des Netzwerks könnte eine länger anhaltende Entwicklung dieser Art die Investitions- und Innovationsfähigkeit österreichischer Lebensmittelproduzenten beeinträchtigen und deren Wettbewerbsfähigkeit schwächen.
Die vorliegenden Zahlen liefern allerdings zunächst eine Beschreibung der Preisentwicklung, nicht deren Ursachen. Genau hier sieht das Netzwerk weiteren Untersuchungsbedarf. Seit September 2025 erstellt Statistik Austria im Auftrag der Bundesregierung eine intensivere Preisbeobachtung und vierteljährliche Berichte. Der öffentlich zugängliche Preisradar soll dabei als Datengrundlage dienen. Nach Ansicht des Netzwerks fehlen bislang jedoch detaillierte Erkenntnisse darüber, wie sich die Preise entlang der Lebensmittelversorgungskette entwickeln und welche Faktoren für die Differenz zwischen Verbraucher- und Erzeugerpreisen verantwortlich sind.
Wo liegen Kosten und Risiken?
Gefordert wird daher eine wettbewerbliche Prüfung der Preisentwicklung durch die Bundeswettbewerbsbehörde. Hintergrund ist die hohe Konzentration im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel: Laut dem Bericht vereinen die vier größten Handelskonzerne mehr als 90 Prozent Marktanteil. Untersucht werden soll insbesondere, ob die Verhandlungsmacht des Handels dazu führt, dass Kosten und Risiken verstärkt auf die Produzenten verlagert werden.
Für die produzierende Lebensmittelindustrie steht damit neben der kurzfristigen Preisentwicklung zunehmend die Frage nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Wertschöpfungskette im Mittelpunkt. Leistbare Lebensmittelpreise für Konsumenten und eine ausreichende wirtschaftliche Basis für heimische Produzenten sollen nach Ansicht des Netzwerks miteinander vereinbar sein. Voraussetzung dafür seien mehr Transparenz über die Preisbildung und faire Wettbewerbsbedingungen entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette.