NIQ: Geld wird anders ausgegeben
In Österreich lag der Wert 2025 bei 31,7 Prozent, leicht unter dem Vorjahresniveau und nahezu auf dem EU-Durchschnitt von 31,9 Prozent. Das zeigt die neue Studie von NIQ Geomarketing.
Struktureller Wandel der Konsumprioritäten
Trotz steigender Kaufkraft und wachsender Einzelhandelsumsätze verliert der Einzelhandel innerhalb der privaten Konsumausgaben europaweit weiter an Bedeutung. Im Jahr 2025 entfielen nur noch 31,9 Prozent des gesamten privaten Konsums auf den Einzelhandel. Philipp Willroth, Studienleiter bei NIQ Geomarketing, erklärt, die zentrale Erkenntnis sei nicht, dass die Europäer weniger ausgeben, sondern dass sie ihr Geld anders ausgeben. Der Einzelhandelsumsatz wachse weiterhin, doch ein zunehmender Anteil der Verbraucherbudgets fließe in Dienstleistungen und Freizeit. Dies deute auf einen strukturellen Wandel der Konsumprioritäten in Europa hin. Eine steigende Kaufkraft führe nicht mehr automatisch zu höheren Ausgaben im Einzelhandel.
Deutliche regionale Unterschiede
Besonders Verbraucher in ost- und südosteuropäischen Ländern verwenden einen deutlich größeren Anteil ihrer Konsumausgaben für den Einzelhandel. Unter den 27 EU-Mitgliedstaaten weist Kroatien mit 48,3 Prozent den höchsten Einzelhandelsanteil auf, gefolgt von Litauen mit 45,7 Prozent, Bulgarien mit 44,0 Prozent und Ungarn mit 43,2 Prozent. Österreich liegt mit 31,7 Prozent nahezu im europäischen Durchschnitt. Das benachbarte Deutschland bildet hingegen das Schlusslicht der EU: Dort entfielen lediglich 22,2 Prozent des privaten Konsums auf den Einzelhandel.
Kaufkraft steigt weiter
Im Jahr 2025 stieg die Kaufkraft in der EU trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und erhöhter Inflation in Teilen Europas weiter an. Die durchschnittliche Kaufkraft pro Einwohner erreichte 22.425 Euro und lag damit nominal um 3,3 Prozent über dem revidierten Wert von 2024. Insgesamt standen den Einwohnern der 27 Mitgliedstaaten rund 10,1 Billionen Euro für Ausgaben wie Lebensmittel, Einzelhandelseinkäufe, Wohnen, Dienstleistungen, Energiekosten, private Altersvorsorge, Versicherungen, Urlaubsreisen und Mobilität zur Verfügung. Die stärksten Zuwächse wurden in Polen mit 8,8 Prozent, Litauen mit 8,3 Prozent, Rumänien mit 7,7 Prozent und Bulgarien mit 7,3 Prozent verzeichnet.
Einzelhandelsumsatz wächst langsamer
Nach einem deutlichen Anstieg von 5,5 Prozent im Jahr 2023 und einem Wachstum von 3,0 Prozent im Jahr 2024 verlangsamte sich das Wachstum des Einzelhandelsumsatzes in der EU im Jahr 2025 auf 2,1 Prozent. Dies deutet auf eine fortschreitende Normalisierung des Konsumverhaltens nach der Erholung von den Auswirkungen der Pandemie hin. Besonders dynamisch entwickelten sich die Einzelhandelsumsätze in Nord- und Osteuropa. Angeführt wurde das Ranking von Norwegen mit 13,1 Prozent und Litauen mit 10,5 Prozent, gefolgt von Schweden mit 8,9 Prozent, Bulgarien mit 8,2 Prozent und der Slowakei mit 8,0 Prozent. Im Gegensatz dazu bleiben die großen westeuropäischen Märkte schwach und bremsen weiterhin das Gesamtwachstum. Das Vereinigte Königreich verzeichnete sogar einen Rückgang von 0,6 Prozent.
Inflation stabilisiert sich
Nach den starken Preissteigerungen in den Jahren nach der Energiekrise von 2022 stabilisierte sich die Inflation in der EU im Jahr 2025 weiter und lag durchschnittlich bei 2,5 Prozent. Damit näherte sie sich dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank an. Die höchste Inflationsrate wurde in Rumänien mit 6,8 Prozent verzeichnet, gefolgt von Estland mit 4,8 Prozent, Ungarn mit 4,4 Prozent, Kroatien mit 4,4 Prozent und der Slowakei mit 4,2 Prozent. Für das Jahr 2026 wird erwartet, dass die Inflation in den EU-27-Staaten wieder auf 3,1 Prozent ansteigt, hauptsächlich getrieben durch den erneuten Druck auf die Energiemärkte.