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Gewerbeimmobilien punkten nicht länger mit nüchternem Bahnhofshallen-Flair. Das wissen die Vorstände der auf Upcycling spezialisierten IMMOBILIENRENDITE AG. Worauf es bei Umbau und Neu-Bespielung  ankommt.

Neues Leben für alte Hallen

Steigende Baukosten, sinkende Neubaugenehmigungen und wachsender Leerstand verändern den Markt für Gewerbeimmobilien. Statt Abriss und Neubau setzen Immobilienentwickler zunehmend auf Revitalisierung und Upcycling.

Gewerbeimmobilien galten lange als funktionale Zweckbauten mit wenig Aufenthaltsqualität: dunkel, nüchtern und oft ohne architektonischen Anspruch. Doch angesichts hoher Baukosten und rückläufiger Neubautätigkeit rücken leerstehende Bestandsobjekte zunehmend in den Fokus von Immobilienwirtschaft und Handel. Immer häufiger entstehen durch Revitalisierung moderne Handels-, Büro- und Nutzungskonzepte in alten Industrie- und Gewerbebauten.

Wie erfolgreich diese Transformation sein kann, zeigt ein Projekt der Wiener Caramel ArchitektInnen. Das Büro revitalisierte eine ehemalige Hinterhofhalle in Wien-Wieden, die ursprünglich als Kutschenlager und Pferdestall genutzt wurde. Heute dient der lichtdurchflutete Bau mit historischen Oberlichten als kreativer Arbeitsraum mit bewusst sommerlicher Gestaltung und hoher Aufenthaltsqualität.

Auch im Handel gewinnen revitalisierte Immobilien an Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist die ehemalige Straßenbahnremise in Wien-Leopoldstadt im Besitz der Immobilienrendite AG. Der rund 4.000 m2 große Backsteinbau wurde zunächst als Eventlocation genutzt und später in eine moderne Billa-Filiale des Rewe-Konzerns umgewandelt. Charakteristische Elemente wie die historischen Dachbalken blieben dabei erhalten und prägen weiterhin die Loft-Atmosphäre des Standorts.

Für Immobilienentwickler liegt die Herausforderung dabei nicht nur im architektonischen Umbau, sondern auch in der technischen Modernisierung. Alte Fassaden werden energetisch saniert, Heizsysteme umgerüstet und geeignete Dachflächen mit Photovoltaik ausgestattet. Ziel ist es, historische Bausubstanz mit den Anforderungen moderner Handels- und Gewerbenutzung zu verbinden.

Neben Handelsflächen entstehen in ehemaligen Industrieobjekten zunehmend neue Nutzungskonzepte: kleine, leistbare Büros, Selfstorage-Lösungen oder Flächen für Mobilitäts- und Logistikunternehmen. Auch die Nachfrage nach großen Hallen als Stellflächen für private Auto- und Oldtimer-Sammlungen wächst. Vor allem im urbanen Raum stehen viele ehemalige Gewerbeobjekte leer, da Produktions- und Handwerksbetriebe zunehmend ins Umland verlagert werden.

Die Revitalisierung bestehender Immobilien gilt dabei nicht nur als wirtschaftlich attraktiv, sondern auch als ökologisch sinnvoll. Im Vergleich zu Abriss und Neubau verursacht die Weiternutzung bestehender Gebäude deutlich weniger CO₂-Emissionen. Für die Immobilienbranche entwickelt sich das Upcycling von Gewerbeflächen damit zunehmend zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell – und für den Handel zu einer Chance, außergewöhnliche Standorte mit hoher Identität zu bespielen.

Mathias Mühlhofer & Markus Augenhammer

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geschrieben am

26.05.2026