Modehandel unter Druck
Der österreichische Bekleidungs- und Schuheinzelhandel steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Laut einer aktuellen iföw-Analyse im Auftrag der WKÖ belasten stark gestiegene Miet- und Personalkosten bei gleichzeitig kaum durchsetzbaren Verkaufspreisen die Wirtschaftlichkeit massiv. Gleichzeitig verschärfen internationale Plattformen wie Temu und Shein den Wettbewerb, indem sie zoll- und steuerrechtliche Vorteile nutzen. Zudem erschwert die in der Branche verbreitete Vororder-Logik mit Bestellvorläufen von bis zu eineinhalb Jahren eine flexible Reaktion auf Nachfrageänderungen.
Onlinehandel gewinnt an Bedeutung
2023 waren laut Statistik Austria 45.657 Personen im Modehandel beschäftigt, davon 83 % im Bekleidungs- und 17 % im Schuhhandel. Die Umsätze lagen bei 7,361 Mrd. Euro (81 % Bekleidung, 19 % Schuhe). Trotz steigender nominaler Ausgaben sinkt die Bedeutung von Mode im Konsumbudget: Der Anteil fiel von 7,2 % vor rund 30 Jahren auf zuletzt 4,5 % im Jahr 2024. Parallel gewinnt der Onlinehandel weiter an Bedeutung. 49 % der Konsument*innen kauften zuletzt zumindest gelegentlich Mode online, nach 36 % im Jahr 2020. Besonders dynamisch ist die Entwicklung bei älteren Zielgruppen: Bei den 65- bis 74-Jährigen stieg der Anteil von 10 % auf 26 %, bei den 55- bis 64-Jährigen von 19 % auf 36 %. Rund ein Viertel der Bevölkerung hat bereits bei Plattformen wie Temu oder Shein bestellt.
Die Folgen zeigen sich deutlich im stationären Netz: Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl der Modegeschäfte um 22 % auf 4.254 Standorte, davon 3.673 Bekleidungs- (minus 20 %) und 581 Schuhgeschäfte (minus 34 %). Insgesamt verschwanden zwischen 2015 und 2025 1.215 Standorte, allein von 2023 bis 2025 ging die Zahl um weitere 7 % zurück. Auffällig: 68 % der Schließungen betrafen Filialen großer Ketten. In 42 % der Fälle bleiben die Flächen leer, häufig ohne Nachnutzung.
Inflation als Beschleuniger
Als zusätzliche Belastung gelten steigende Mieten, die oft indexgebunden sind und laut Branchenvertretern selbst bei amortisierten Immobilien weiter steigen. Gleichzeitig fordert der Handel mehr Flexibilität von der Industrie: Starre Vororder-Systeme verschaffen vertikal integrierten Anbietern Wettbewerbsvorteile und setzen klassische Händler unter Druck.
Die Inflation wirkt dabei als Beschleuniger: Steigende Fixkosten treffen auf preissensible Konsumenten. Das Geschäftsmodell funktioniere zunehmend nur über höhere Stückzahlen, so die Branchenvertretung. Für die kommenden Jahre erwarten die Studienautoren eine weitere Konzentration: Weniger Standorte, sinkende Beschäftigung und steigender Druck auf regionale Handelslagen. Wachstumspotenzial sehen sie vor allem bei größeren, klar positionierten Unternehmen mit starker Omnichannel-Präsenz und zusätzlichem Kundennutzen im stationären Geschäft. Vor diesem Hintergrund fordert die Branche politische Maßnahmen für fairere Wettbewerbsbedingungen, insbesondere gegenüber internationalen Plattformanbietern.