Markant: Stabilisator in turbulenten Zeiten
retailreport.at: Die letzten Ergebnisse der Markant in Österreich werden immer im November des Jahres präsentiert. Deshalb ist meine Eingangsfrage: hat sich der Wachstumskurs 2025 bis zum Jahresende durchgesetzt?
Thomas Zechner: Die Markant Gruppe konnte auch 2025 wachsen: um 4,5% auf 70,2 Mrd. Euro Regulierungsumsatz und in Österreich um 5% auf 3,57 Mrd. Euro Regulierungsumsatz. Die Steigerungen ergeben sich einerseits aus einem Zuwachs an Lieferanten und andererseits einem Anstieg an Dienstleistungen. Dienstleistungen werden bei uns immer wichtiger, denn Effizienz ist im Business immer mehr gefragt. In diesem Bereich sind wir stark.
Aber auch der Drogeriefachhandel ist ein Gewinner der Zeit. Müller und dm drogerie markt entwickeln sich innerhalb der Branche sehr gut. Nicht zuletzt liefert auch die Gastronomie-Sparte unserer Mitglieder eine gute Performance. Die langjährigen Mitglieder wie Transgourmet, Kastner, Kiennast, Eurogast und Wedl investieren stark und dazu kommt ein neues Mitglied – Service-Bund. Dazu zählen Lebensmittelgroßhandelsunternehmen wie Winkler oder Grabher.
Ein Geheimnis des Erfolges unserer Mitglieder ist ein enormes Kundenservice, dadurch geht die Kundenbindung nach oben.
Aber sie hatten im Partner-Portfolio auch einige Sorgenkinder, ist das richtig?
Wenn Sie Unimarkt ansprechen, so war die Restrukturierung im Filialnetzt erst im letzten Quartal spürbar. Insgesamt blieben 10 Standorte durch die UniGroßhandel Gmbh bei Markant und 5 kommen durch Kastner und Kiennast wieder zu uns. Ja, der Regulierungsumsatz der UniGroßhandel wird sinken, aber eben nur aufgrund des Wegfalls der Standorte.
MPreis entwickelt sich gut und hat im 2. Halbjahr 2025 dazugewonnen. All das erhöht den Regulierungsumsatz.
Wie sich die Umsätze im Lebensmittelhandel und Lebensmittelgroßhandel in der näheren Zukunft entwickeln werden, das steht in den Sternen. Die Weltlage ist nicht abschätzbar und all diese Themen belasten unseren Konsum und unseren Tourismus. Alles ist drinnen: die Gäste können verschreckt sein und nicht mehr nach Österreich kommen ODER gerade weil die Weltlage nicht sicher ist, besinnt sich der Gast auf ein sicheres Land wie Österreich als Urlaubsland.
Wenn man von den Entwicklungen der Partner absieht, was macht die Markant Gruppe stark?
Es ist unser Umgang mit Daten. Der Schwerpunkt liegt auf europäischer Zentralregulierung, Supply-Chain-Services, Produktdaten, Warenvermittlung und der Digitalisierung operativer Prozesse. Wir sind der „Leistungspartner im Hintergrund“, der Händler und Lieferanten durch zentral geführte Services entlastet und Prozesse im Tagesgeschäft vereinfacht. Die Kerndienstleistungen sehen wir uns in der Markant Gruppe in Wechselwirkung mit allen EU-Regularien an. Das macht es für die Partner leichter sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren und wir kümmern uns um die Bürokratie.
Gibt es dazu ein Beispiel?
Aus der Logistik gibt es ein gutes Beispiel. Logistische Daten werden für Frächter immer wichtiger. Deshalb holen wir bei den EDI Daten alle ins Boot: Frächter/Spediteure, Lieferanten und die Händler. Alle haben das gleiche Wissen zur gleichen Zeit. Diese Digitale Vorgangsakte - kurz DVA – hat Potential für die Zukunft. Und da wir im DACH-Raum tätig sind, sind alle Länder miteingewoben: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der DACH-Raum ist stark und homogen und die Standards, die gefordert werden, sind die sehr ähnlich. Es kommt somit zu einer Kostenoptimierung und genau an diesen Schnittstellen zwischen Lieferanten, Transport und Handel können wir besser werden.
Welche Neuheiten gibt es bei den Stammdaten?
Die Anforderungen werden immer größer, komplizierter und bürokratischer. Wie bereits erwähnt: alles, was an Regulatorien neu ist, schauen wir uns an und verknüpfen es mit den geforderten Stammdaten. Markant positioniert sich dabei als Infrastruktur- und Kooperationspartner, der Handels- und Industriepartner bei der Umsetzung von EU-Vorgaben unterstützt.
Was kommt da gerade auf die Partner zu? Wenn es um EU-Regulatorien geht?
Das ist jede Menge und ich muss es leider sagen: diese Vielzahl an Regulatorien ist teilweise noch nicht wirklich in trockene Tücher gewickelt. Soll heißen: es sind noch viele Unsicherheiten in der Umsetzung da. Nehmen wir die
EUDR – die Entwaldungsverordnung: Sie wird Ende 2026 bis jetzt hat die Verordnung noch niemand abgesagt und wir gehen davon aus, dass sie Ende 2026 kommen wird. Es wird einiges an Erleichterung geben, aber es kommen: ein Due Diligence Statement (DDS) je gelieferter Produkt-Charge, wenn ein Produkt in der EU zum ersten Mal in den Verkehr gebracht wird; Umsatzgrenzen für Unternehmen wird es geben; die Frage ist offen was passiert, wenn kleine Lieferanten mit großen Händlern agieren, die ein DDS fordern.
PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation: Da ist noch offen, welche Art von Verpackungen „erlaubt“ sind. Beginnend mit Sommer 2026 soll bis 2030 die Verpackungsabfälle in der EU reduziert und die Kreislaufwirtschaft gefördert werden. Mit 12. August 2026 gibt es den ersten Schritt mit dem Verbot von PFAS, wenn er mit Lebensmittel in Kontakt gerät.
EmpCo: Empowering Consumers for the Green Transition Directive: Klar ist, dass ich keine Werte und Aussagen zum Konsumenten transportieren darf, die nicht stimmen. Die Aussage „Das tut Dir gut“ muss nachweisbar sein. Das Thema EmpCo betrifft vornehmlich die Industriepartner und alle Handelsmarken.
An all den Themen sieht man, wieviel an Produktdaten notwendig sein wird. Eine Validierung dieser ist die Herausforderung.
Das heißt auch die Omnibus-Verfahren der EU sind mit Vorsicht zu genießen?
Sie sind schon wichtig, um parallel entstandene Regularien bestmöglich zusammen führen zu können und damit eine Überregulierung zu vermeiden, aber es müssen rasche Klarheiten her. Das ist wichtig für die effiziente Umsetzung, für die wir bei Markant plädieren, um dieses Mehr-Läufe in der Datenbeschaffung zu vermeiden. Und es wäre für kleiner und mittlere Betriebe von Bedeutung, um richtig zu handeln.
Zuletzt noch eine Frage zur KI: Was ist retail AI und wo stehen Sie heute?
2024 sind wir mit dem Tochterunternehmen aktiv geworden und wir arbeiten mit Partnern in vier Aktivitätsfeldern zusammen: Factory, Academy, Labs und Allianzen. Wir können bereits gute Werkzeuge anbieten und sind für Einsätze bereit. Auch hier hilft uns das Vertrauen unserer Mitglieder un