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Kreislaufwirtschaft: Bundesminister Norbert Totschnig, Agatha Kalandra, Vorstandsmitglied bei PwC, Robert Nagele, Billa Vorstand und Harald Hauke, ARA-Vorstand.

Kreislaufwirtschaft als Wirtschaftsfaktor

Kreislaufwirtschaft gewinnt wirtschaftlich an Bedeutung.

Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich in Österreich zunehmend zu einem relevanten wirtschaftlichen Faktor. Das zeigt eine aktuelle Studie von PwC Österreich, durchgeführt gemeinsam mit dem Senat der Kreislaufwirtschaft der ARA. Neben ökologischen Effekten trägt sie auch wesentlich zu Wertschöpfung, Beschäftigung und Versorgungssicherheit bei.

Laut Studie erwirtschafteten rund 13.800 Unternehmen im Bereich der Kreislaufwirtschaft zuletzt einen Umsatz von 16,6 Mrd. Euro. Die Bruttowertschöpfung lag bei 4,5 Mrd. Euro, bei gleichzeitig rund 50.900 Vollzeitäquivalenten. Damit erweist sich der Sektor auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten als vergleichsweise stabil.

Parallel dazu steigt die Bedeutung zirkulärer Materialströme. 2023 stammten bereits 31 Mio. Tonnen bzw. 13,1 % des gesamten verarbeiteten Materials aus Recycling – ein deutlicher Anstieg gegenüber 9,5 % im Jahr 2021. Auch die gesamtwirtschaftliche Kreislaufquote hat sich seit 2012 um 75 % auf aktuell 15,2 % erhöht und liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 12,2 %. Bis 2030 wird ein weiterer Anstieg auf 18 % angestrebt.

Abhängigkeiten reduzieren

Für Handel und Industrie gewinnt die Kreislaufwirtschaft insbesondere im Kontext geopolitischer Unsicherheiten an Bedeutung. Ziel ist es, Abhängigkeiten von Primärrohstoffen zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu stärken. Entsprechende Initiativen auf EU-Ebene – etwa im Rahmen des Green Deal oder neuer regulatorischer Vorgaben – zielen darauf ab, Rohstoffe verstärkt im Kreislauf zu führen.

Die Studie zeigt jedoch auch strukturelle Herausforderungen. Der Markt für Sekundärrohstoffe leidet unter schwankender Nachfrage, unter anderem aufgrund günstiger Primärrohstoffpreise und hoher Qualitätsanforderungen. Gleichzeitig gelten Produktdesign und transparente Daten als zentrale Erfolgsfaktoren für funktionierende Kreisläufe. Währenddessen erschweren Trittbrettfahrer, die sich nicht an Vorgaben wie die Extended Producer Responsibility halten, zirkuläre Prozesse. Sie müssen zur Verantwortung gezogen werden und sich im Sinne der Fairness an den Kosten beteiligen.

Gleichzeitig eröffnen technologische Entwicklungen neue Potenziale. Insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie Investitionen in moderne Recycling-Infrastruktur können die Qualität und Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen verbessern und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Aus Sicht der Wirtschaft wird die Kreislaufwirtschaft zunehmend als Teil einer umfassenden Industriestrategie verstanden. Geplant sind unter anderem Maßnahmen zur Stärkung der Rohstoffsouveränität sowie der Aufbau digitaler Plattformen für den Handel mit Sekundärrohstoffen. Eine stärkere Einbindung in die öffentliche Beschaffung soll zusätzliche Nachfrage schaffen und Investitionen anregen.

Für den Handel bedeutet diese Entwicklung, dass Sekundärrohstoffe und zirkuläre Geschäftsmodelle an strategischer Bedeutung gewinnen. Sie sind nicht nur ein Instrument zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen, sondern zunehmend auch ein Wettbewerbsfaktor – insbesondere im Hinblick auf stabile Lieferketten und langfristige Kostensicherheit.

Quelle: PwC-Studie „Status quo der österreichischen Kreislaufwirtschaft“, März 2026, Datenbasis: 2023. Die Studie finden Sie zum kostenlosen Download unter: https://direkt.pwc.at/kreislaufwirtschaft-studie

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geschrieben am

25.03.2026