Konsumerholung stockt: Einzelhandel stagniert
Laut dem aktuellen Konjunkturreport des WIFO im Auftrag des Handelsverbands stagnierte die heimische Wirtschaftsleistung, während die Konsumnachfrage der privaten Haushalte träge blieb. Hitzewellen, hoher Erdölpreis und geopolitische Verunsicherung belasten die Konjunktur.grantthornton
Einzelhandel mit minimalem Wachstum
Im österreichischen Einzelhandel blieb die Entwicklung im ersten Halbjahr verhalten. Die Umsätze stiegen nominell um 2,1 Prozent, preisbereinigt blieb mit 0,1 Prozent real nur ein minimales Wachstum übrig. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, bilanziert eine durchwachsene Bilanz: Ein reales Umsatzplus von 0,1 Prozent bedeute de facto Stagnation. Im zweiten Quartal habe die Dynamik, die sich rund um den Jahreswechsel noch gezeigt hatte, wieder nachgelassen. Gleichzeitig sehe man weiterhin eine deutliche Spreizung zwischen Food und Non-Food.
WIFO-Ökonom Jürgen Bierbaumer erklärt, der durch den Iran-Krieg deutlich angestiegene Erdölpreis belastet die heimische Wirtschaft und habe die konjunkturelle Erholung unterbrochen. Gemäß den bisher vorliegenden Daten dürfte sich diese träge Entwicklung auch im Juli fortgesetzt haben.
Inflation bremst sich ein
Einigermaßen positiv entwickelte sich zuletzt die Inflation. Die österreichische Inflationsrate sank im Juli auf 2,8 Prozent nach 3,2 Prozent im Juni. Rund die Hälfte dieses Rückgangs ist laut Statistik Austria auf die sinkenden Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. Die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke gingen im Jahresabstand um 0,4 Prozent zurück. Wesentlich dazu beigetragen hat die mit 1. Juli erfolgte Senkung der Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent. Andere Ausgabenbereiche verteuerten sich hingegen weiterhin deutlich. Besonders stark stiegen die Preise in den Bereichen Verkehr mit 6,4 Prozent, Gastronomie und Beherbergung mit 4,6 Prozent, Gesundheit mit 4,5 Prozent sowie Versicherungs- und Finanzdienstleistungen mit 4,2 Prozent.
Beschäftigung stabilisiert sich
Im Juli waren im österreichischen Einzelhandel 332.087 Menschen beschäftigt, rund 5.300 mehr als zu Jahresbeginn. Gegenüber dem Vorjahr liegt die Beschäftigung leicht im Minus mit 0,3 Prozent, der Rückgang hat sich jedoch deutlich abgeschwächt. Gleichzeitig waren im Juli 9.124 offene Stellen im Einzelhandel nicht zeitnah zu besetzen, rund 700 mehr als zu Jahresbeginn.
Auch bei den Unternehmensinsolvenzen zeigt sich zuletzt eine leichte Entspannung. Im zweiten Quartal 2026 wurden österreichweit 960 Insolvenzen eröffnet, um 7,6 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Damit ging die Zahl der Insolvenzen bereits zum dritten Mal in Folge zurück. Im Handel wurden 151 Fälle verzeichnet.grantthornton
Stimmung verbessert, Konsum bleibt verhalten
Trotz der schwachen realwirtschaftlichen Entwicklung zeigen die aktuellen Umfragedaten erste Anzeichen einer Stimmungsaufhellung. Der WIFO-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli leicht auf minus 3,8 Punkte. Im Einzelhandel stieg der Index zuletzt sogar deutlich an von minus 11,5 Punkten im Juni auf minus 5,7 Punkte im Juli. Sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich.
Eine breite Belebung der tatsächlichen Konsumnachfrage ist daraus bislang jedoch nicht entstanden. Die hohen Preissteigerungen belasten weiterhin die verfügbaren Einkommen, weshalb sich die private Konsumnachfrage weiterhin verhalten entwickeln dürfte.
Sommerhitze und Prognose
Die ersten Indikatoren für Juli deuten ebenfalls noch nicht auf eine kräftige Belebung des Konsums hin. Zusätzlich zu den geopolitischen Unsicherheiten und den gestiegenen Energiepreisen war der außergewöhnlich heiße und trockene Sommer aus Sicht des Handels für einzelne Non-Food-Segmente belastend. Vor allem im Modehandel können lang anhaltende Hitzeperioden den Saisonwechsel und damit den Kauf von Übergangs- und Herbstware verzögern.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das WIFO ein reales Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent, für 2027 von 1,1 Prozent. Die privaten Konsumausgaben dürften allerdings sowohl 2026 als auch 2027 lediglich um 0,4 Prozent real zulegen. Für den Handel wird 2026 eine Ausweitung der realen Wertschöpfung um nur 0,3 Prozent erwartet, 2027 um 1,0 Prozent.