KI-Nutzung im Handel vervierfacht
Der Einsatz künstlicher Intelligenz im österreichischen Einzelhandel hat sich innerhalb von zwei Jahren deutlich beschleunigt. Nach einer aktuellen Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz stieg der Anteil der Einzelhandelsunternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten, die KI einsetzen, von 5,1 Prozent im Jahr 2023 auf 20,9 Prozent im Jahr 2025. Österreich liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 15,5 Prozent.
Im europäischen Vergleich verbesserte sich der österreichische Einzelhandel von Platz 14 im Jahr 2023 auf Rang 9 im Jahr 2025. Spitzenreiter ist Dänemark mit einer KI-Nutzung von 32,1 Prozent, gefolgt von Slowenien mit 28,3 Prozent und den Niederlanden mit 27,5 Prozent. Deutschland liegt mit 23,4 Prozent auf Rang 8 knapp vor Österreich.
Wo im Handel wird KI eingesetzt?
Besonders häufig wird KI in der marktorientierten Kommunikation und im Vertrieb eingesetzt. 12,3 Prozent der österreichischen Handelsunternehmen nutzen sie in diesem Bereich, gegenüber 7,5 Prozent im EU-Durchschnitt. Bei der Erstellung von Bild-, Video- und Audioinhalten erreicht Österreich 11,8 Prozent, während der EU-Wert bei 8,4 Prozent liegt. Für Datenanalysen setzen 10,5 Prozent der Unternehmen KI ein; im EU-Durchschnitt sind es 11,7 Prozent.
In stärker integrierten Unternehmensbereichen ist die Nutzung bisher deutlich geringer. 6,3 Prozent verwenden KI zur Organisation von Verwaltungsprozessen, 3,4 Prozent im Controlling, 1,6 Prozent in Forschung und Entwicklung sowie 1,2 Prozent in der Logistik. Nach Einschätzung des IHaM zeigt dies, dass Handelsunternehmen zunächst vor allem Anwendungen einsetzen, die vergleichsweise einfach zu implementieren sind und kurzfristig sichtbare Effekte versprechen. „Die eigentliche KI-Transformation beginnt dort, wo die Technologie dauerhaft in Prozesse, Entscheidungen und Wertschöpfungsabläufe integriert wird“, erklärt IHaM-Handelsforscher Ernst Gittenberger. Die Datengrundlage von Eurostat und Statistik Austria erfasst Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten. Wie weit Klein- und Kleinstbetriebe bei der Einführung von KI sind, lässt sich daher nicht beurteilen.
Für Institutsvorstand Christoph Teller ist künstliche Intelligenz kein Selbstzweck. Sie solle Mitarbeitende bei Routinetätigkeiten entlasten, bessere Entscheidungen ermöglichen und Freiräume für den persönlichen Kundenkontakt schaffen. Entscheidend sei letztlich nicht die Sichtbarkeit der Technologie, sondern der konkrete Mehrwert für Beschäftigte und Kunden.