Kaufkraft der 50plus Gruppe
Menschen ab 50 Jahren verfügen in Österreich über eine jährliche Kaufkraft von rund 22.300 Euro pro Kopf und damit um etwa 22 Prozent mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung. Ältere Erwerbstätige über 59 Jahren erzielen ein Median-Bruttojahreseinkommen von rund 52.500 Euro, was auf hohe Sparquoten und substanzielle Vermögensbestände hindeutet. Damit kontrolliert diese Altersgruppe einen überproportionalen Teil des verfügbaren Konsumvolumens und agiert zugleich risiko- und qualitätsbewusster als jüngere Kohorten. Wir haben bei der Plattform „Wir Best Ager“ nachgefragt, was denn die Bedürfnisse der Zielgruppe sind. „Wir Best Ager“ vereint Seminare, Veranstaltungen und vieles mehr auf einem Kanal.
Relevanz für Handel und Konsum
Die 50plus-Gruppe treibt den Konsum besonders in den Bereichen Reisen, Gesundheit, Wohnen, Freizeit sowie Lebensmitteleinzelhandel und Drogerie und stellt bereits mehr als ein Drittel der österreichischen Bevölkerung und Beschäftigten. In Österreich liegt der Kaufkraftindex bei rund 132 Punkten, die 50plus-Zielgruppe liegt mit ihrer Kaufkraft noch einmal deutlich darüber und verstärkt damit die Bedeutung des heimischen Markts. Für den Handel ist diese Gruppe aufgrund ihrer hohen Ausgabebereitschaft, Markenloyalität und Planbarkeit des Konsums ein strategisch zentraler Wachstumstreiber.
Ausgaben für Lebensmittel und Drogerie
Die Generation 60plus gibt in Österreich monatlich im Schnitt 350 bis 450 Euro für Lebensmittel und Drogerieprodukte aus, was etwa 4.200 bis 5.400 Euro pro Jahr entspricht. Dieser Posten macht rund 20 bis 25 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens aus und liegt damit relativ höher als bei Jüngeren, obwohl die absoluten Beträge pro Kopf ähnlich sind. Priorisiert werden hochwertige, gesundheitsorientierte Produkte, Bio- und regionale Artikel sowie Grundnahrungsmittel, während Ausgaben für Gastronomie niedriger ausfallen als bei den unter 60-Jährigen.
Budgetstruktur älterer Haushalte
Ältere Haushalte verwenden einen größeren Teil ihres Budgets für Ernährung, Wohnen/Energie und Gesundheit, während jüngere Zielgruppen stärker in Gastronomie, Freizeit, Kommunikation sowie Alkohol und Tabak investieren. Dadurch steigt der relative Anteil der Lebensmittelausgaben bei 60plus auf rund 12 bis 25 Prozent des Haushaltsbudgets, verglichen mit etwa 10 bis 15 Prozent bei Jüngeren. Fixkosten wie Wohnen und Gesundheitsausgaben belasten Pensionisten-Haushalte überdurchschnittlich, zugleich führt mehr Kochen zu Hause zu höheren Umsätzen im Lebensmitteleinzelhandel.
Vermögen und wirtschaftliche Hebelwirkung
Die Generation 60plus hält in Österreich rund 47 Prozent des gesamten Privatvermögens, geschätzt 465 bis 500 Milliarden Euro, stark konzentriert in Immobilien- und Finanzvermögen der Babyboomer. Daraus ergibt sich ein durchschnittliches Pro-Kopf-Vermögen von etwa 230.000 bis 250.000 Euro, womit Ältere jüngere Generationen deutlich übertreffen. Dieses Vermögen stabilisiert den Konsum, stützt insbesondere die Nachfrage nach Gesundheit, Reisen, Wohnen und Handel und wirkt über finanzielle Unterstützung von Kindern und Enkeln zusätzlich in andere Alterssegmente hinein.
Der wachsende Anteil der 50plus-Bevölkerung verschiebt den österreichischen Konsum dauerhaft hin zu Qualität, Gesundheit und Bequemlichkeit – und zwingt den Handel, Sortimente, Flächen und Services konsequent „age ready“ auszurichten.
Nachfrage: Mehr Qualität, weniger Impulskäufe
Mit der alternden, kaufkräftigen 50plus-Gruppe wächst der Anteil geplanter, bewusster Einkäufe, während spontanes Shopping und modische Kurzfristkäufe an Bedeutung verlieren. Im Vordergrund stehen Produktsicherheit, Verlässlichkeit, gesundheitlicher Nutzen und Komfort – vom gesunden Lebensmittel über OTC-Produkte bis zu Services rund um Wohnen und Mobilität. Davon profitieren insbesondere Lebensmittelhandel, Drogerien, Gesundheits- und Wellnessangebote sowie Reise- und Freizeitformate, die Erholung statt Abenteuer verkaufen.
Stationärer Handel als sozialer Ort
Ältere Kundinnen und Kunden nutzen Geschäfte verstärkt als Ort der Begegnung und Orientierung, nicht nur zur reinen Warenbeschaffung. Für den stationären Handel wird damit die Rolle als Nahversorger und sozialer Treffpunkt wichtiger – verbunden mit Anforderungen an Beratungskompetenz, Verlässlichkeit und persönliche Ansprache. Händler, die Service, Zeit und Zugehörigkeit bieten, können sich gegenüber rein preisgetriebenen Online-Angeboten klar positionieren.
Flächen, Sortimente, Services
Die alternde Kundschaft verlangt barrierearme Shops: breite Gänge, gut lesbare Beschriftungen, rutschfeste Böden, Sitzmöglichkeiten und leicht bedienbare Einkaufswagen werden zum Wettbewerbsfaktor. Sortimente verschieben sich hin zu Gesundheits-, Convenience- und Premiumprodukten, während klassische Nonfood-Segmente wie Mode oder Möbel laut aktuellen Konsumauswertungen an Kaufkraftanteilen verlieren. Parallel steigt die Bedeutung zusätzlicher Services – von Lieferservice und Click & Collect bis zur persönlichen Beratung bei komplexen Produkten.
Omnichannel statt Digitalabstinenz
Studien zeigen, dass Babyboomer zwar nach wie vor stark im stationären Handel einkaufen, Online-Angebote aber zunehmend selbstverständlich mitnutzen. Für den Handel bedeutet das: einfache, vertrauensbildende digitale Touchpoints – etwa nutzerfreundliche Webshops, Termin- und Servicebuchungen online oder Newsletter mit klaren, nutzenorientierten Botschaften. Wer diese Gruppe online wie offline ernst nimmt, erschließt einen kaufkräftigen, loyalen Kern, der über Jahrzehnte Umsatz sichert.