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Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin FV Lebensmittelindustrie

Koßdorff: „Wir sind in der Produktion zu teuer“

Die Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, Mag. Katharina Koßdorff, sieht in der immer teurer werdenden Produktion in Österreich einen Standortnachteil. Ein Gespräch mit retailreport.at.

Der Wirtschaftsstandort Österreich steht vor großen Herausforderungen. Wenn diese nicht klug gemeistert werden, so wird die Zukunft der Industrie nicht rosig aussehen – auch nicht jene der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Diese Branche hat es noch ein Stück schwerer, da sie in der Industriestrategie der Regierung nicht einmal vorkommt. Dabei geht es zum Beispiel um günstigeren Strom für die Hersteller. „Der Großteil der Unternehmen, die wir in Österreich vertreten, fallen aktuell nicht in diese Unterstützungen“, weiß Mag. Katharina Koßdorff. Sie leitet seit 2013 als Geschäftsführerin den Fachverband der Lebensmittelindustrie.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Katharina Koßdorff weiß sehr gut, wie zäh es sein kann, auf die Bedürfnisse ihrer Branche aufmerksam zu machen. Mit laufender Informationstätigkeit gegenüber der internationalen und nationalen Politik schafft sie es immer wieder, Benachteiligungen der heimischen Nahrungs- und Genussmittelindustrie aufzuzeigen und somit die Interessen der Branche zu vertreten. In erster Linie geht es um Kosten und Regularien. „Wir brauchen nicht nur insgesamt weniger Regularien, sondern vor allem besser gemachte Regelwerke für die Unternehmen“, sagt Koßdorff. „Es muss einfacher und kostengünstiger werden in Österreich zu produzieren. Wenn dem nicht so ist, wird es weiterhin Produktionsverlagerungen ins Ausland geben. Und was das für negative Auswirkungen für das Land hat, kann sich jeder ausmalen.“

Aktuell am Start: PPWR und EmpCo

Die aktuellen EU-Themen, die die Branche betreffen, sind die neue Verpackungsrichtlinie PPWR und die neue UWG-Richtlinie gegen Greenwashing – EmpCo. „Neben allen anderen Regularien prasseln dadurch laufend neue Bündel an geforderten Maßnahmen auf uns ein. Es wird immer schwieriger, diese zu stemmen“, so Koßdorff. „Ich muss aber der Fairness halber auch sagen, dass sich durch den starken Einsatz aller Unternehmensvertreter einiges in der EU getan hat, um Entbürokratisierung zu erreichen. CSRD, CSDDD oder die EUDR – die zunächst sogar verschoben wurde – wurden von Seiten der Europäischen Kommission nochmals aufgeschnürt und neu betrachtet. Europa hat erkannt, dass man an Wettbewerbsfähigkeit verliert, wenn man hinsichtlich Regularien nicht handelt“, erklärt die Geschäftsführerin. „10 Omnibusse, die für die Entbürokratisierung gedacht sind, haben sich nun auf den Weg gemacht.“

„Wir fordern einen Food-Omnibus“

„Wunderbar, wenn die Regularien vereinfacht und zusammengefasst werden sollen, aber wir fordern einen Food-Omnibus, der das gesamte Lebensmittelrecht vereinfacht – vom Verbraucherschutz bis hin zu Hygienethemen. Denn: das Kerngeschäft – nämlich die Herstellung – rückt immer mehr in den Hintergrund“, beschreibt Katharina Koßdorff die aktuelle Situation. Und sie setzt dem Ganzen noch eins drauf: „Gleichzeitig fordern wir einen Stopp österreichischer Alleingänge!“. Die hohen zusätzlichen nationalen Anforderungen an die Unternehmer sind nicht nur unnötiges Goldplating, sie schaden der heimischen Wirtschaft und werfen die Hersteller preislich aus dem Markt hinaus.

Die Folge: Stagnation

Da das eigentliche Geschäft durch hohe Rohstoff-, Energie-, Verpackungs- und Personalkosten sowie Bürokratie und geopolitische Verwerfungen wie die Blockade der Straße von Hormus immer schwieriger und der Druck auf die Lebensmittelindustrie dadurch immer größer wird, erlebt die österreichische Agrar- und Lebensmittelwirtschaft insgesamt eine Stagnation. „Wir sind einfach zu teuer“, zeigt Koßdorff auf. „Das zeigt sich auch im abnehmenden Export, der für viele Unternehmen jahrelang ein wichtiger Umsatzbringer war. Und nun? Die aktuellen Zahlen zeigen eine deutliche Schwächung der österreichischen Außenhandelsposition im Agrar- und Lebensmittelbereich. Während die Exporte wertmäßig nur moderat zulegen, steigen die Importe deutlich stärker. Besonders im Bereich der Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie schrumpft der traditionelle Außenhandelsüberschuss spürbar von mehr als 2 Mrd. Euro auf 838 Mio. Euro.“

Koßdorff warnt eindringlich: „Das ist ein klares Warnsignal: Österreich verliert im Export an Dynamik, während der Importdruck zunimmt. Diese Entwicklungen belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und zeigen, dass der Standort im internationalen Vergleich unter erheblichem Druck steht.“

Höhere Standortkosten – was zählt dazu?

Die höheren Standortkosten sind teilweise von außen schwer beeinflussbar, aber auch sehr viel ist hausgemacht. Bei den Energiekosten liegt Österreich europaweit im Spitzenfeld und schwächt somit die Unternehmen. Auch die Personalkosten sind enorm hoch. Komplexe neue Regularien werden von der EU gefordert. Rohwaren wie Kakao, Kaffee, Orangen und die Logistikkosten werden durch internationale Einflüsse wie jüngst den Iran-Krieg weiter in die Höhe getrieben. „Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten stört globale Lieferketten nachhaltig, erhöht Kosten in zentralen Bereichen wie Energie, Transport und Rohwaren und bringt damit spürbare Belastungen für die österreichische Lebensmittel- und Futtermittelindustrie und ihre Wettbewerbsfähigkeit mit sich. Diese neue Welle an Kostenbelastungen wird unausweichlich die gesamte heimische Wertschöpfungskette bei Lebensmitteln, Getränken und Futtermitteln treffen“, sagt Katharina Koßdorff. Und schließlich sieht die Branche auch eine enorme Steuerbelastung, die den teuren Staat finanzieren soll. Koßdorff: „Mit einer Staatsquote von 55,2 % des BIP zählt Österreich 2025 zu den drei Ländern mit den höchsten Staatsausgaben in Europa – nur Finnland (57,5 %) und Frankreich (57,2 %) geben anteilig mehr aus. Der EU-27-Schnitt liegt mit 49,5 % deutlich darunter.“ Laut aktuellen Prognosen der EU-Kommission wird die österreichische Staatsquote mit rund 54,9 % auch 2026 hoch bleiben. Das bedeutet: In Österreich wird mehr als jeder zweite erwirtschaftete Euro vom Staat ausgegeben – sei es für Sozialleistungen, Pensionen, Gesundheit oder öffentliche Verwaltung. Aktuell sind es 29 Mrd. Euro Mehrkosten als der EU-Durchschnitt. Dabei gibt es Länder, in denen es sich durchaus auch gut leben lässt und die einen gut ausgebauten Sozialstaat haben – wie Dänemark – mit deutlich niedrigerer Staatsquote.

Niemand will ein „Lebensmittel-Temu“

Seit sechs Jahren ist die Lebensmittelindustrie in der Dauerkrise, das geht an den Unternehmen nicht spurlos vorbei. „Einzelne Mitglieder des Fachverbands stellen sich schon die Frage: Können wir uns das Produzieren in Österreich noch leisten? Angedachte Re-Strukturierungsmaßnahmen der Unternehmen beziehen auch Investment-Aufschübe, Personalfreistellungen und Standortverlagerungen ins Ausland mit ein. Aber das Ziel muss ja sein, unser eigenes Land weiterhin – auch in Krisenzeiten wie damals bei Corona – sicher versorgen zu können. Und: Niemand will ein Lebensmittel-Temu“, ist sich Katharina Koßdorff sicher. Die Automobil-Industrie in Deutschland zeigt gerade vor, in welche nicht erstrebenswerte Richtung es gehen kann, wenn man Unternehmen nicht unterstützt, sondern unnötige Preiseingriffe wie die Margenkontrolle startet. „Wir brauchen wieder einen neuen Schwung, wir brauchen Lohnabschlüsse unter der Inflation und keine weiteren nationalen Belastungen, die einer Inländerdiskriminierung der österreichischen Standorte gleichkommen. Wir brauchen einen geringeren Kostenrucksack und durchdachte Instrumente, um die Lebensmittelindustrie in Österreich und international wieder wettbewerbsfähig zu machen“, so Geschäftsführerin Katharina Koßdorff abschließend.

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geschrieben am

31.07.2026