Kantar Marketing Trends 2026
Die Marketingbranche steht 2026 vor einem Wendepunkt: Digitale Kaufentscheidungen werden nicht mehr allein von Menschen getroffen, sondern zunehmend von autonomen KI-Agenten. Was heute noch als smarte Produktsuche gilt, könnte binnen Monaten zu einer algorithmischen Marktsteuerung werden.
Laut Kantar nutzen bereits 24 % der weltweiten KI-Anwender Shopping-Assistenten. Mit der Ankündigung neuer agentenbasierter Browserlösungen verschiebt sich die Customer Journey an eine unsichtbare Schwelle: Kaufimpulse werden delegiert. Marken müssen künftig nicht nur Aufmerksamkeit gewinnen, sondern „entscheidungsfähige Maschinen“ überzeugen.
Marketing für Maschinen
Damit entsteht ein neues Aufgabengebiet: strukturierte Produktdaten, eindeutiger Kundennutzen, semantisch lesbarer Content. Kantar nennt dieses Feld Generative Engine Optimisation (GEO) – eine Weiterentwicklung des klassischen SEO. Wer im Datensatz einer KI nicht vorkommt, verliert Marktanteile – selbst bei hoher Markenbekanntheit.
Zur Beschleunigung von Erkenntnissen setzen Unternehmen zunehmend auf synthetische Datensätze. Kantar zufolge erreichen solche Modelle inzwischen bis zu 95 % Genauigkeit. Doch Technologie allein reicht nicht. Die Studienautoren warnen vor fehlenden „Guardrails“: ethische Standards, Qualitätssicherung und technologische Infrastruktur befinden sich erst im Aufbau.
Creator-Budgets müssen beweisen, was sie leisten
2026 erhöhen 61 % der Marketingentscheider die Creator-Budgets, aber die Erfolgsnachweise fehlen. Reichweitenkennzahlen verlieren Wert, stattdessen rücken ROI-Berechnungen und Markenbindung in den Fokus. Nur 27 % der Creator-Inhalte stehen laut Kantar in starker Markenlogik – ein strukturelles Defizit.
Handel wird Medienmacht
Mit über 200 Retail Media Networks entsteht ein Werbemarkt, in dem Händler den Zugriff auf den Kaufzeitpunkt monopolisieren. Kantar bemisst deren Wirkung als 1,8-fach höher als klassische Digitalwerbung und nahezu dreifach stärker bei Kaufabsicht. Shoppable-Video auf CTV-Plattformen könnte diese Dominanz 2026 in Echtzeit konvertieren.
Parallel formieren sich Micro-Communities. Sie bieten höhere Glaubwürdigkeit, spezialisierte Expertise und Peer-to-Peer-Empfehlungen. In China führen sie laut Studie zu 25 % besseren Marketing-ROI. Für Marken bedeutet das mehr Relevanz, weniger Reichweite.
Konsum zwischen Dauerkrise und kleinen Fluchten
Mit „Treatonomics“ untersucht Kantar die psychologische Reaktion auf stagnierende Wohlstandsperspektiven. 36 % der Konsumenten nehmen bewusst Kurzfrist-Schulden auf, um kleine Freuden zu finanzieren. Marken, die positive Alltagsmomente besetzen, sichern Nachfrage unabhängig von Makrotrends.
Trotz gesellschaftlicher Gegenbewegungen steigen die Erwartungen an Diversität. 65 % der Verbraucher bewerten inklusive Marken positiv – ein klarer Wachstumshebel. Die Autoren empfehlen weg von Symbolik, hin zu Zugangs- und Repräsentationslösungen.
Die Kantar-Trends 2026 beschreiben einen Markt, in dem:
- Entscheidungen automatisiert werden
- Daten künstlich erzeugt werden
- Medienkanäle fragmentieren
- Wachstum risikobasiert definiert wird