Julius Meinl: stark mit Marke und Qualität
Julius Meinl Kaffee ist seit weit mehr als 160 Jahren eine traditionsreiche Marke für Kaffee und Tee in Österreich. Heute setzt das Unternehmen auf diese innere Kraft und baut Neues für die Zukunft und zukünftige Zielgruppen darauf auf. Christoph Rosner, Managing Director Austria (Lebensmittelhandel und Gastronomie) setzt auf die Verknüpfung von Tradition und Innovation.
In den meisten der 20 Tochtergesellschaften von Julius Meinl entfallen rund 80 Prozent des Geschäfts auf die Gastronomie. Österreich ist die Ausnahme: Handel und Gastronomie tragen den Umsatz jeweils zur Hälfte und entwickeln sich laut Christoph Rosner relativ gleichmäßig. Das ist ein strategischer Vorteil, denn so kann die Marke über beide Kanäle kommunizieren. „Es ist derselbe Konsument, der im Kaffeehaus und später im Supermarktregal auf Meinl trifft. Gerade in herausfordernden Zeiten greift dieser zu Marken. Das Qualitätsversprechen in der Gastronomie und zu Hause bezeichnen wir als echten USP“, so Rosner.
Internationales Familienunternehmen mit Sitz in Wien
Das Unternehmen befindet sich weiterhin in Wien. Meinl ist das älteste Kaffeeunternehmen in Familienbesitz und wird in fünfter Generation geführt. Die Gruppe ist mit 20 Tochtergesellschaften aktiv und über Distributionspartner in 70 Ländern vertreten. Weltweit arbeiten knapp 1.200 Mitarbeitende für das Unternehmen, davon rund 100 in der österreichischen Gesellschaft. Am Headquarter in Wien sind noch einmal ungefähr so viele Personen für globale Tätigkeiten beschäftigt. Weltweit betreut Meinl über 50.000 Hotels, Cafés und andere Gastronomiebetriebe.
Handel: Vollautomat verschiebt das Sortiment
Im Lebensmittelhandel verändert die Maschinenausstattung der Haushalte das Kaufverhalten. Der Anteil der Haushalte mit Filtermaschine ist von über 70 Prozent Anfang der 2000er Jahre auf knapp 30 Prozent gesunken, Vollautomaten gewinnen Jahr für Jahr an Bedeutung. Filter- und Mahlkaffee gehen daher zurück, während Bohnenkaffee stark zulegt, vor allem im 1-Kilo-Segment. Bei Kapseln sieht Meinl eine stabile Penetration mit weiteren Zuwächsen.
Die stärksten Linien bleiben der „Präsident“ und die „Jubiläumsmischung“, die als Mahl- und Bohnenkaffee national gelistet sind. Die Innovationskraft bündelt das Unternehmen in den wachsenden Segmenten: Ausgebaut werden die 1-Kilo-Produkte und die Premium Linie, im Frühjahr 2027 folgt die neue Barista-Linie.
Bei Kapseln fährt Meinl im Handel zweigleisig. „Aluminiumkapseln sollen hier weiter forciert werden“, sagt Rosner. Ausschlaggebend dafür sei die anhaltende Nachfrage der Konsumenten.
In der Gastronomie bleiben heimkompostierbare Kapseln fix im Programm.
Gastronomie: Marktführer als 360-Grad-Partner
In der heimischen Gastronomie liegt der Marktanteil laut Christoph Rosner bei über 20 Prozent. Meinl bedient Hotellerie, Kaffeehäuser und Restaurants und verweist auf einen national einzigartigen Außendienst. Das Unternehmen tritt als 360-Grad-Partner auf und bietet technische Lösungen, Qualitätssicherung, Beratung und eigene Logistik. In einem schwierigen gastronomischen Umfeld sei das ein Alleinstellungsmerkmal.
Preis, Rohstoff, Marke
Trotz hoher Preissensibilität sieht Meinl die Kategorie weiter stabil, da Österreicher ungern auf ihren Kaffee verzichten. Die Marke Julius Meinl bespielt unterschiedliche Preispunkte über verschiedene Packungsformate und Angebote, ohne dabei Kompromisse bei der Qualität einzugehen. „Der Preis pro Tasse ist nach wie vor überschaubar. Von der Mehrwertsteuersenkung ist Kaffee nicht betroffen“, berichtet Rosner.
Die Verfügbarkeit bezeichnet der Geschäftsführer als akutes Thema. An der Börse zeigten sich große Ausschläge und Tagesschwankungen. Ursachen sind ein geringeres Angebot durch extreme Wetterereignisse in den Anbauregionen und Spekulation. Zudem sind die Läger in Europa nicht mehr so gut gefüllt wie früher, sodass der Handel stärker von Lieferungen aus den Ursprungsländern abhängt. Zusätzlich sind die Lieferketten komplexer geworden. Meinl setzt unter anderem auf direkte Arbeit im Ursprung, um hochwertigen Kaffee langfristig zu sichern.
Auch gegenüber den qualitativ verbesserten Eigenmarken will Meinl vor allem mit Qualität und Handwerk punkten. Die Markenbekanntheit in Österreich liegt bei über 90 Prozent. Kommunikativ rückt die Marke das Handwerk in den Vordergrund, etwa beim Finale des Internationalen Barista Cups im Wiener MuseumsQuartier, bei dem nationale Champions aus über 15 Ländern antraten. Dazu kommen neue Konsumanlässe, vom Espresso über Cold Coffee bis zum Espresso Martini in der Gastronomie.
Im Bereich Nachhaltigkeit setzt Julius Meinl auf eigene Initiativen wie das Generations Programme in Südamerika, Zentralamerika, Afrika und Asien sowie auf langfristige Partnerschaften in den Ursprungsländern. Ausgewählte Produkte im Sortiment sind Bio- und/oder Fairtrade-zertifiziert. Je nach Produkt und Herkunft kommen zudem weitere anerkannte Zertifizierungen und Nachhaltigkeitsstandards zum Einsatz, darunter Rainforest Alliance.