Direkt zum Inhalt
ISM 2026

ISM: Weniger Packstoff, mehr Convenience

Die PPWR zwingt die Süßwaren- und Snackindustrie zu recyclingfähigen Packstoffen und Materialeinsparung. Auf der ISM Manufacturing in Köln zeigen Maschinenbauer, wie sich bestehende Anlagen dafür fit machen lassen. Parallel planen Koelnmesse und NACS eine Sonderschau zum Convenience Retail.

Die ISM Manufacturing findet vom 31. Januar bis 3. Februar 2027 in Köln statt. Im Mittelpunkt steht die europäische Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation), die seit August 2026 anzuwenden ist. Ab 2030 gelten schrittweise strengere Vorgaben zu Recyclingfähigkeit und Verpackungsminimierung, für bestimmte Kunststoffverpackungen werden zudem Mindestrezyklatanteile verpflichtend.

Neue Packstoffe, neue Anforderungen an die Maschinen

Monomaterialfolien und papierbasierte Packstoffe verhalten sich beim Formen, Führen und Siegeln anders als herkömmliche Verbundfolien, müssen aber weiterhin vor Feuchtigkeit, Sauerstoff, Licht und mechanischer Belastung schützen. „Mit dem Wechsel des Packstoffs allein ist es für die Süßwaren- und Snackindustrie nicht getan“, sagt Guido Hentschke, Director ISM Ingredients, ISM Manufacturing und ISM Snacks & Sweets. Bei hohen Taktzahlen und wechselnden Formaten können schon kleine Materialunterschiede den Prozess beeinflussen. Neben Neuentwicklungen gewinnt daher die Nachrüstung bestehender Anlagen an Bedeutung.

Beim Heißsiegeln ist das thermische Prozessfenster dieser Materialien häufig enger als bei Multilayer-Verbundfolien, Temperatur, Anpressdruck und Siegelzeit müssen präzise abgestimmt werden. Syntegon bietet für horizontale Schlauchbeutelmaschinen mit paper-ON-form eine Nachrüstlösung aus spezieller Formeinheit und auf Papier abgestimmten Siegelwerkzeugen, mit der sich geeignete Barrierepapiere verarbeiten lassen, ohne auf herkömmliche Folien zu verzichten. Adaptive Systeme sorgen für zusätzliche Prozesssicherheit: Mitlaufende Quersiegeleinheiten halten die Siegelzeit bei schwankender Geschwindigkeit konstant, regelbare Heizelemente steuern den Wärmeeintrag, automatische Bahnkorrekturen stabilisieren den Folienlauf. Ultraschall-Siegelsysteme können bei geeigneten Packstoffen Produktreste aus der Naht verdrängen und so das Risiko undichter Packungen senken.

Ob sich neue Materialien auf bestehenden Anlagen verarbeiten lassen, prüfen Maschinenbauer gemeinsam mit Lebensmittel- und Packstoffherstellern unter produktionsnahen Bedingungen. Das Anfang 2025 eingerichtete Packaging Competence Center der Gerhard Schubert GmbH testet im Technikum in Crailsheim neue Packstoffe auf Siegel-, Form- und Maschinengängigkeit. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für mögliche Anpassungen an Formschultern und Siegelwerkzeugen. „Die EU-Verordnung erfordert ein enges Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, vom Verpackungsmaschinenbauer bis zum Recycler und Materiallieferanten“, sagt PCC-Leiter Michael Graf.

Maschinen für hohe Leistung

Theegarten-Pactec stellte 2026 die Schlauchbeutelmaschine FPC6 vor. Eine integrierte Vorheizstrecke ermöglicht die Verarbeitung empfindlicher Materialien wie Papier und recyclingfähiger Monofolien, je nach Packstoff stehen verschiedene Siegelverfahren zur Verfügung. Die Quersiegeleinheit ist werkzeuglos austauschbar, der Rollenwechsel per Flying Splice gelingt ohne Geschwindigkeitsreduzierung bei bis zu 150 Metern pro Minute. Geschäftsführer Markus Rustler betont, dass sich neue Materialien nur dann im großen Maßstab durchsetzen, wenn sie sich zuverlässig und effizient industriell verarbeiten lassen.

LoeschPack und Hastamat haben eine integrierte Systemlinie für Süßwaren und Snacks entwickelt, die von der Produktzuführung über die Schlauchbeutelverpackung bis zur Sekundärverpackung reicht. Sie kombiniert die horizontale Schlauchbeutelmaschine FHW-S, die auch papierbasierte Packstoffe verarbeitet, mit der Klotzbodenbeutelmaschine KBM und der Mehrkopfwaage CP14 von Hastamat.

Material sparen

Ab 2030 müssen Gewicht und Volumen von Verpackungen auf das notwendige Maß reduziert werden. Für die Hersteller bedeutet das auch geringere Material-, Transport- und Entsorgungskosten. Einsparpotenziale bieten optimierte Falttechniken, passgenaue Kartonzuschnitte, papierbasierte Bündelverpackungen, Kartonqualitäten mit geringerem Flächengewicht und funktionale Barrierepapiere, die mehrteilige Konstruktionen ersetzen. Entscheidend bleiben Schutz vor Feuchtigkeit und Fett, mechanische Stabilität und zuverlässige Verarbeitung. Diese Themen stehen auch auf der Talks & Tasting Stage in Halle 5.2 zur Diskussion.

Sonderschau Convenience Retail

Koelnmesse und der US-Verband NACS planen zur ISM 2027 eine gemeinsame Sonderschau mit eigener Ausstellungsfläche und einem begehbaren „Convenience Store of the Future“ auf dem Messeboulevard. Das Zukunftsformat soll zeigen, wie sich Produkte, Foodservice, Ladenbau, Bezahl- und Retailtechnologien sowie Omnichannel-Lösungen verbinden lassen. Vorgesehen sind außerdem Guided Tours und Aussteller-Pitches.

Am 31. Januar 2027 findet der halbtägige Kongress „NACS Convenience Leaders Exchange @ ISM“ statt. Er behandelt Trends, Geschäftsmodelle, Profitabilität und operative Zukunftsfragen im Convenience- und Fuel-Retail mit Fokus auf Süßwaren und Snacks und richtet sich an Führungskräfte aus dem Convenience- und Tankstellenhandel sowie an ausgewählte Marken, Lieferanten und Technologieanbieter. „Süßwaren und Snacks gehören zu den Kernsortimenten vieler Convenience Stores“, sagt Bastian Mingers von der Koelnmesse. NACS vertritt nach eigenen Angaben mehr als 1.200 Mitgliedsunternehmen mit über 500.000 Verkaufsstellen in mehr als 60 Ländern.

Kategorien

Tags

geschrieben am

28.10.2026