Digitale Souveränität: Wirtschaft setzt Impuls
Mit der neuen „Initiative Digitale Souveränität“ formiert sich ein branchenübergreifendes Bündnis führender Unternehmen mit dem Ziel, Österreich und Europa technologisch unabhängiger, innovativer und widerstandsfähiger aufzustellen. Zu den weiteren Unterstützern zählen unter anderem A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, KEBA Group, Umdasch Group und Vienna Insurance Group.
Digitale Souveränität bedeutet nicht Autarkie, sondern ein starkes Europa mit Partnern auf Augenhöhe. Gefordert sind gemeinsame Lösungen, die technologische Unabhängigkeit mit internationaler Zusammenarbeit verbinden.
Für Andreas Kranabitl, Geschäftsführer von SPAR ICS, ist klar: Digitalisierung hat heute einen zentralen Stellenwert, gleichzeitig ist eine zunehmende Marktkonzentration zu beobachten. Umso wichtiger sei es, technologische Vielfalt gezielt weiterzuentwickeln und Europa als Innovationsstandort zu stärken. Österreich werde in diesem Kontext noch zu selten als führender Digitalstandort wahrgenommen. Entscheidend sei zudem ein enger Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Politik. Es gehe darum, die richtigen Akteure an einen Tisch zu bringen, um die digitale Zukunft aktiv zu gestalten und strategische Weichenstellungen rechtzeitig vorzunehmen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt laut Kranabitl in den Menschen: Österreich verfüge über einen „Schatz“ an hochqualifizierten Fachkräften und kreativen Köpfen. Diese Potenziale müssten stärker genutzt und sichtbar gemacht werden. Der Zeitpunkt zu handeln sei jetzt.
Am Beispiel von Spar wird deutlich, wie umfassend digitale Souveränität gedacht werden muss. Sie geht weit über Infrastruktur wie Rechenzentren hinaus und umfasst vor allem Unabhängigkeit, Wahlfreiheit und unternehmerische Bewegungsfähigkeit. Spa treibt die eigene digitale Transformation konsequent voran – etwa durch den Einsatz von Cloud-Technologien, Künstlicher Intelligenz sowie Automatisierung und Robotik in der Logistik. Ziel ist es, Prozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig den Komfort für Konsumentinnen und Konsumenten zu erhöhen. Zugleich betont Kranabitl die Notwendigkeit, die europäische Wertschöpfung im internationalen Wettbewerb nachhaltig zu stärken.
Strategische Erweiterung statt Abschottung
Grundsätzlich versteht die Initiative digitale Souveränität nicht als Abschottung, sondern als strategische Erweiterung der Handlungsfähigkeit. Ziel ist es, Abhängigkeiten von außereuropäischen Technologieanbietern zu reduzieren und gleichzeitig die globale Vernetzung zu erhalten.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz kritischer digitaler Infrastrukturen, die als essenziell für die Resilienz des Wirtschaftsstandorts gelten. Ergänzend sollen Innovationen, Investitionen und europäische Technologien dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
Die Initiative definiert fünf zentrale Handlungsfelder: Innovation und regionale Wertschöpfung, Datenhoheit und Vertrauen, Unabhängigkeit und Resilienz, internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie die Verankerung europäischer Werte wie Datenschutz und Transparenz in globalen Technologiestandards.
Vertreter der beteiligten Unternehmen unterstreichen zudem die Bedeutung souveräner Cloud-Infrastrukturen, offener Technologiestandards sowie eines verstärkten Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in Europa.
Die Initiative versteht sich als Impulsgeber für Wirtschaft, Politik und Wissenschaft und will den Diskurs rund um digitale Souveränität durch konkrete Projekte und Dialogformate aktiv vorantreiben.