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Auch sie feierten 10 Jahre Heumilch g.t.S.: Andrä Rupprechter, Generalsekretariat des EU-Rates a.D.; Christiane Mösl, Geschäftsführerin ARGE Heumilch; Norbert Totschnig, Bundesminister Landwirtschaft; Karl Neuhofer, Obmann ARGE Heumilch

Heumilch ist die Königsdisziplin

Seit zehn Jahren schützt das EU-Gütesiegel „garantiert traditionelle Spezialität“ die Heuwirtschaft europaweit. Die Produktionsweise schafft klare Qualitätsstandards, stärkt die Vermarktung und bringt zusätzliche Wertschöpfung für die Landwirtschaft. Besonders bei der Käseherstellung spielen die Eigenschaften der Milch eine wichtige Rolle.

2016 erhielt Heumilch als erstes Produkt im deutschsprachigen Raum das EU-Gütesiegel „garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.). Die Auszeichnung schützt die traditionelle Produktionsweise auf europäischer Ebene und bietet Konsumenten Orientierung beim Einkauf. Gleichzeitig schafft sie Verlässlichkeit für Verarbeiter und Lebensmittelhandel entlang der Wertschöpfungskette. „Hätten wir damals das Gütesiegel nicht erhalten, wären wir kopierbar und vergleichbar gewesen“, sagt ARGE Heumilch-Geschäftsführerin Christiane Mösl. Doch: Heumilch ist einfach nicht kopierbar und das gibt es seit 10 Jahren schriftlich!

Was kennzeichnet die Heumilch?

Fam Greischberger
Familie Greischberger

Kennzeichnend für die Heuwirtschaft ist die artgemäße Fütterung der Tiere: Im Sommer erhalten sie frische Gräser und Kräuter, im Winter Heu. Vergorene Futtermittel wie Silage sind hingegen verboten. Die Anforderungen sind im Heumilchregulativ festgelegt. Im Rahmen des Zertifizierungsprogramms werden sowohl die landwirtschaftlichen Betriebe als auch die Verarbeiter kontrolliert. Auch heuer – im Jahr der Trockenheit und Hitze – setzen die Bauern auf die Heumilch und gehen von der Art und Weise der Fütterung nicht ab. Bei einem Besuch des Heumilch-Bauernhofs der Familie Greischberger auf den Höhen des Salzburger Flachgaus,

kann man die Einstellung zu dieser Art der Milchwirtschaft klar erkennen: Heumilch steht an erster Stelle, auch wenn die Zeiten herausfordernd sind. Mit rund 50 Kühen und 40 Nachwuchs-Kühen herrscht am Erbhof höchste Kompetenz der Heumilchwirtschaft.

Heumilch: Basis für Käse

Die Fütterung wirkt sich auch auf die Verarbeitungseigenschaften der Milch aus. Heumilch gilt insbesondere für die Käseherstellung als hochwertiger Rohstoff. Die wahren wertvollen Bestandteile sind in den Blättern des Heus. Heu erntenDer konsequente Verzicht auf Silage ermöglicht die Herstellung von Käse ohne Zusatz von Konservierungsmitteln und ohne intensive mechanische Behandlung. Gerade bei länger gereiften Käsespezialitäten ist die Qualität der Milch entscheidend, da sie die Grundlage für eine entsprechende Reifung und die Entwicklung des Geschmacks bildet. Damit bietet Heumilch eine wichtige Rohstoffbasis für die Herstellung hochwertiger Käsesorten und die Differenzierung im Sortiment. Allerdings gibt es Luft nach oben, denn nur 2% der Milchwirtschaft in Europa ist Heumilch-Wirtschaft. Man sagt voraus, dass 90% der Heumilchbetriebe auch 2030 Heumilch produzieren werden.

Auch wirtschaftlich hat sich das Segment positiv entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 532 Millionen Kilogramm Heumilch verarbeitet. Der Umsatz mit Heumilchprodukten im heimischen Lebensmittelhandel stieg um sechs Prozent auf rund 179 Millionen Euro. Die gesamte produzierte Menge konnte vermarktet werden. Zudem ist Heumilch bei den Konsumenten etabliert: Die Markenbekanntheit liegt in Österreich bei mehr als 90 Prozent. „Die Aufgabe der ARGE Heumilch besteht vor allem auch in der Botschaft zum Endverbraucher über die hohe Bedeutung. In den Milchsorten ist Heumilch eine eigene Sorte, das komplette Heumilchsortiment hat 40% Bio-Anteil noch dazu“, sagt Mösl. Der Lebensmittelhandel ist ein enorm wichtiger Partner. Eigenmarken wie Zurück zum Ursprung und auch Ja! Natürlich setzen seit vielen Jahren auf Heumilch. 2004 startete die Initiative mit 8000 Bauern und 320 kg Milch, heuer waren es zwar „nur“ mehr 6500 Bauern, aber 540 kg Milch.

Mehrwert schlägt sich auch in der Auszahlung nieder

Für die bäuerlichen Betriebe ist die europäische Anerkennung auch ein wirtschaftlicher Faktor. Karl Neuhofer, Obmann der ARGE Heumilch Österreich: „2025 wurde durch den Heumilchzuschlag ein Mehrwert von 23 Millionen Euro erzielt. Die Heuwirtschaft trägt darüber hinaus zur Erhaltung von Wiesen und Almen, zur Biodiversität und zur Pflege der Kulturlandschaft bei. Angesichts zunehmender klimatischer Herausforderungen gewinnen die Anpassungsfähigkeit und die langfristige wirtschaftliche Absicherung der Betriebe zusätzlich an Bedeutung“.

Ein Blick auf die ARGE Heumilch

Die ARGE Heumilch repräsentiert mehr als 6.500 Heumilch-Lieferanten und 63 Verarbeitungsbetriebe aus Österreich, Bayern und Baden-Württemberg. Der Bio-Anteil liegt aktuell bei 40 Prozent und hat sich seit dem Start der Initiative im Jahr 2009 beinahe verdoppelt. Neben dem EU-Gütesiegel unterstreicht auch die Anerkennung der Heuwirtschaft durch die FAO als landwirtschaftliches Kulturerbe von globaler Bedeutung den Stellenwert dieser Produktionsform.

Das zehnjährige Jubiläum zeigt, wie ein geschütztes traditionelles Herstellungsverfahren zur Differenzierung am Markt beitragen kann. Für Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel verbindet Heumilch definierte Produktionsstandards mit regionaler Wertschöpfung und spezifischen Verarbeitungseigenschaften – insbesondere im Käsesegment.

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geschrieben am

15.10.2026