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Diskutant:innen (v.li.): Birgit Fenderl (Moderatorin), Joachim Scholtyseck (Geschichtsprofessor), Birgit Rechberger-Krammer (Präsidentin Henkel Österreich), Mario Haller (Geschäftsführer Eli Lilly Österreich), Matthias Winkler (CEO Sacher Gruppe).

Henkel: 150 Jahre im Wandel

Henkel, Eli Lilly und Sacher setzen auf Veränderung statt Stillstand.

Henkel, Eli Lilly und die Sacher-Gruppe feiern 2026 ihr 150-jähriges Bestehen. Bei einer Podiumsdiskussion in der Wiener Henkel-Zentrale machten die Unternehmensvertreter deutlich, dass langfristiger Erfolg vor allem auf Innovationskraft, Veränderungsbereitschaft und unternehmerischem Mut beruht. Gleichzeitig übten sie Kritik an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Österreich.

Tradition allein sichert keine Zukunft – darin waren sich Birgit Rechberger-Krammer, Präsidentin von Henkel Österreich, Mario Haller, Geschäftsführer von Eli Lilly Österreich, und Matthias Winkler, CEO der Sacher-Gruppe, bei einer von Birgit Fenderl moderierten Podiumsdiskussion in Wien einig. Den historischen Impuls lieferte Joachim Scholtyseck, Geschichtsprofessor an der Universität Bonn und Autor des Buches „Henkel – Vom Waschmittelhersteller zum Weltunternehmen“.

Veränderung als Erfolgsrezept

Scholtyseck betonte die Bedeutung einer breiten strategischen Aufstellung und verwies auf Henkels Einstieg in das Klebstoffgeschäft im Jahr 1922 als Beispiel erfolgreicher Diversifizierung. Für Haller ist kontinuierliche Erneuerung überlebenswichtig: „Ein Unternehmen muss sich immer wieder neu erfinden und darf nicht zum Museum werden.“ Winkler sprach von einer Kombination aus Respekt vor der Vergangenheit und „Startup-Mentalität“, während Rechberger-Krammer die Innovationsstrategie von Henkel mit dem Satz zusammenfasste: „Persil bleibt Persil, weil Persil nicht Persil bleibt.“
Auch das Thema Scheitern wurde als Bestandteil von Innovation gesehen. Haller bezeichnete das Geschäftsmodell der forschenden Pharmaindustrie als „institutionalisiertes Scheitern“, da nur wenige Entwicklungsprojekte tatsächlich marktreif werden. Winkler verwies auf neue gastronomische Konzepte wie vegane Angebote – bereits 3,5 Prozent der im Sacher verkauften Schnitzel seien vegan.

Kritik am Wirtschaftsstandort

Deutlich kritischer fiel die Bewertung der Standortbedingungen in Österreich aus. Rechberger-Krammer verwies auf hohe Industriestrompreise sowie steigende regulatorische Anforderungen. Allein bei Henkel seien inzwischen 15 Mitarbeiter ausschließlich mit der Erfüllung regulatorischer Vorgaben beschäftigt. Zudem warnte sie vor einer schleichenden Deindustrialisierung Europas. Haller forderte für die Life-Science-Branche ein stärkeres politisches Bekenntnis zu Forschung und Innovation. Winkler kritisierte insbesondere Bürokratie und langwierige Genehmigungsverfahren und verwies als Beispiel auf jährlich wiederkehrende Bewilligungen für unveränderte Sicherheitsmaßnahmen beim Opernball.

Fachkräfte und Zukunft

Beim Fachkräftemangel zeigten sich unterschiedliche Erfahrungen. Während Winkler die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter als eine der größten Managementherausforderungen bezeichnete, sieht Rechberger-Krammer Henkel dank der Attraktivität Wiens – insbesondere für Fachkräfte aus Osteuropa – gut aufgestellt.

Trotz aller Herausforderungen bekannten sich alle drei Unternehmen klar zum Standort Österreich und kündigten weitere Investitionen an. Die gemeinsame Botschaft: Wer 150 Jahre erfolgreich bestehen will, darf sich nicht auf der Vergangenheit ausruhen, sondern muss Wandel aktiv gestalten.

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geschrieben am

10.06.2026