HBB: neue Karrierewege für den Handel
Die Lehre soll im Handel künftig stärker als Ausgangspunkt für eine langfristige Führungskarriere positioniert werden. Dafür schafft die Höhere Berufliche Bildung einen gesetzlichen Rahmen, der berufliche Qualifikationen formal aufwertet und mit akademischen Bildungswegen vergleichbar macht.
Die neuen Abschlüsse orientieren sich am Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR). Die Stufen NQR 6 und NQR 7 entsprechen dabei formal dem Bachelor- beziehungsweise Masterniveau. Die Qualifikationen sind berufsbegleitend angelegt und bauen auf praktischer Erfahrung auf.
Drei Stufen bis zur Regionalleitung
Für den stationären Einzelhandel wurden drei aufeinander aufbauende Abschlüsse entwickelt:
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Sales Expert in Retail (NQR 5): Qualifikation für Team- oder Abteilungsleitungen.
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Sales Professional in Retail (NQR 6): Vorbereitung auf Filialleitungen und die Führung von Führungskräften.
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Sales Manager in Retail (NQR 7): Qualifikation für die Leitung einer Region oder eines großen Standorts mit strategischer Verantwortung.
Nach Angaben der Wirtschaftskammer adressiert das Modell rund 30.000 Führungskräfte im Handel. Erstmals entsteht damit ein einheitlicher und formal anerkannter Entwicklungspfad für Führungskräfte im stationären Einzelhandel.
Berufserfahrung als Zugang
Die Zugangsvoraussetzungen berücksichtigen unterschiedliche berufliche Laufbahnen. Für den Abschluss Sales Expert in Retail können unter anderem Lehrabschlussabsolventen aus dem Handel mit mindestens zwei Jahren einschlägiger Berufspraxis zugelassen werden. Absolventen anderer Lehrberufe benötigen mindestens drei Jahre Branchenerfahrung. Alternativ ist der Zugang über mindestens fünf Jahre einschlägige Berufspraxis möglich.
Für die nächsthöheren Stufen sind zusätzlich Erfahrungen in einer Abteilungs- beziehungsweise Filialleitungsfunktion erforderlich. Für den Abschluss Sales Professional in Retail gelten je nach Vorbildung zwei bis drei Jahre Praxis in einer Abteilungsleitungsfunktion. Der Sales Manager in Retail setzt unter anderem den vorherigen Abschluss Sales Professional sowie mindestens vier Jahre einschlägige Erfahrung in einer Filialleitungsfunktion voraus.
Nutzen für Unternehmen und Beschäftigte
Die HBB soll Unternehmen dabei unterstützen, Fachkräfte im eigenen Betrieb zu entwickeln und auf Führungsaufgaben vorzubereiten. Sichtbare Karrierewege können die Attraktivität der Lehre erhöhen, die Mitarbeiterbindung stärken und interne Nachbesetzungen erleichtern.
Für Beschäftigte wird die bisher erworbene Berufserfahrung formal dokumentiert und staatlich anerkannt. Damit entstehen neue Entwicklungsmöglichkeiten, ohne dass ein Vollzeitstudium erforderlich ist. Die europaweit vergleichbaren Abschlüsse können zudem bei Bewerbungen, internationalen Projekten und Ausschreibungen von Bedeutung sein.
Start im Jänner 2027
Die ersten HBB-Prüfungen sollen ab Jänner 2027 an den Meisterprüfungsstellen der Wirtschaftskammern stattfinden. Ab Februar sind WIFI-Vorbereitungskurse vorgesehen. Die Prüfungen und Kurse sollen einen strukturierten Einstieg in die neuen Qualifikationen ermöglichen.
Für den Handel bedeutet die Einführung der Höheren Beruflichen Bildung eine stärkere Verzahnung von Ausbildung, Berufspraxis und Personalentwicklung. Die Lehre endet damit nicht mehr zwingend mit dem Berufseinstieg, sondern kann zum ersten Schritt einer formal anerkannten Führungskarriere werden.