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Handels-KV: Handel fordert realistischen Abschluss

Handels-KV: Handel fordert realistischen Abschluss

Arbeitgeber bieten 2,1 Prozent Gehaltserhöhung plus 350 Euro Teuerungsprämie. WKÖ-Handelsspartenobmann Rainer Trefelik verweist auf steigende Kosten und stagnierende Realumsätze. Auch der Handelsverband pocht auf einen Abschluss, der die Betriebe nicht überfordert.

Die zweite Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die Angestellten und Lehrlinge im österreichischen Handel ist ohne Einigung zu Ende gegangen. Die Arbeitgeberseite bietet für 2027 eine Erhöhung der kollektivvertraglichen Gehälter um 2,1 Prozent sowie eine Teuerungsprämie von 350 Euro. Für Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel ,WKÖ, ist dieses Angebot angesichts der wirtschaftlichen Situation ein angemessener Vorschlag. „Der Handel ist am Limit. Ein KV-Abschluss muss den wirtschaftlichen Realitäten Rechnung tragen“, betont Trefelik. Er bedauert, dass die Gewerkschaft den letzten Schritt nicht mitgegangen sei und die Verhandlungen vertagt werden mussten.

Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen unterstreichen den Druck auf die Branche. Im Einzelhandel erreichten die Fixkosten aus Personal, Energie und sonstigem betrieblichen Aufwand im Vorjahr bereits 31,5 Prozent des Umsatzes. Das waren zwei Prozentpunkte mehr als 2023. Im gesamten Handel stieg der Anteil im selben Zeitraum um 2,2 Prozentpunkte auf 25,1 Prozent. Gleichzeitig stagnieren die Realumsätze. Für 2026 prognostiziert das WIFO dem Handel ein Nullwachstum.

Auch langfristig entwickeln sich Kosten und Erträge auseinander: Zwischen 2015 und 2025 gingen die Zahl der Einzelhandelsstandorte um 3,1 Prozent und die Verkaufsfläche um 3,5 Prozent zurück. Die realen Handelsumsätze legten in diesem Zeitraum um 15,2 Prozent zu, die kollektivvertraglichen Gehälter hingegen um 34,92 Prozent. „Die Kosten steigen, aber die Ertragskraft sinkt. Der Strukturwandel trifft den Handel besonders hart“, so Trefelik. Die Entwicklung zeige sich zunehmend auch in Arbeitslosigkeit, Geschäftsschließungen und Insolvenzen.

Handelsverband pocht auf Arbeitsplatzsicherung

Auch der Handelsverband sieht wenig Spielraum für höhere Lohnabschlüsse. Geschäftsführer Rainer Will verweist auf die Verantwortung der Branche für rund 450.000 Angestellte und Lehrlinge in etwa 90.000 Handelsbetrieben. „Unser zentraler Fokus muss deshalb auf dem Erhalt der Arbeitsplätze liegen“, sagt Will. Fünf Insolvenzen pro Werktag würden die angespannte Lage verdeutlichen. Ein fairer Abschluss müsse daher auch für die Unternehmen wirtschaftlich tragbar sein. Der Handelsverband verweist zudem auf die schwache Konsumentwicklung. Und: Seit 2019 hätten die Umsätze im Handel um 23 Prozent zugelegt, die Gehälter dagegen um 28 Prozent, die Energiekosten sogar um 77 Prozent.

Die nächste Verhandlungsrunde ist für 17. November angesetzt.

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geschrieben am

04.11.2026