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Halbjahresbilanz im Handel - WKO: Sonja Machart, stv. Bundesgeschäftsführerin Handel; Dr. Rainer Trefelik, Bundesspartenobmann; Mag. Peter Voithofer; Institut für Österreichs Wirtschaft.

Handel verliert im ersten Halbjahr an Dynamik

Die Konjunktur im österreichischen Handel hat sich im ersten Halbjahr 2026 real abgeschwächt. Das zeigt die Halbjahresbilanz der Bundessparte Handel in der WKO.

Der österreichische Handel steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Zwar hat sich die Inflation zu Jahresbeginn zunächst abgeschwächt, ab März lag sie jedoch wieder über der Marke von drei Prozent. Mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent lag Österreich im ersten Halbjahr über dem Durchschnitt der EU-Mitgliedstaaten und belegte im Vergleich Platz 15.

Gleichzeitig entwickelte sich der Handel real rückläufig. Für den Einzelhandel liegen vorläufige Daten für Jänner bis Juni vor, für Großhandel und Kfz-Wirtschaft für Jänner bis Mai. Das Ergebnis: Der Einzelhandel blieb hinter dem Vorjahresniveau zurück, der Großhandel verzeichnete deutliche reale Rückgänge. Die Kfz-Wirtschaft entwickelte sich zwar weiterhin positiv, allerdings mit deutlich abgeschwächter Dynamik. Fakt ist: Die Umsätze steigen aufgrund erhöhter Preise marginal an, der Absatz geht zurück und die Kosten fressen sie Umsätze auf. Auch im Lebensmittelhandel ist die Situation vor allem für kleine Händler dramatisch. Da die Rendite vor Steuern zwischen 1-2% liegt, schaffen es die Händler kaum sich über Wasser zu halten. Die aktuelle Krise trifft kleine Händler sehr schwer, aber auch große Konzerne spüren die Belastungen stark.

Einzelhandel bleibt unter Vorjahresniveau

Der österreichische Einzelhandel erzielte im ersten Halbjahr einen Netto-Halbjahresumsatz von 45,2 Milliarden Euro. Preisbereinigt konnte das Vorjahresniveau jedoch nicht erreicht werden. Der Juni verbesserte das Halbjahresergebnis zwar noch, reichte aber nicht aus, um die schwache Entwicklung der vorangegangenen Monate auszugleichen.

Betroffen waren sowohl der Food- als auch der Non-Food-Handel. Besonders im Non-Food-Sektor zeigte sich die konjunkturelle Schwäche. Zu den wenigen Bereichen mit positiven Umsatzzuwächsen zählte der Spielwarenhandel. Rückgänge verzeichneten unter anderem der Onlinehandel sowie die Branchen Bücher, Elektro und Schmuck.

Bei den Preisen zeigt sich ein differenziertes Bild. Der Einzelhandel gab den Preisauftrieb teilweise weiter, blieb dabei aber unter der allgemeinen Inflationsrate. In mehreren Branchen wurden die Verkaufspreise im ersten Halbjahr sogar gesenkt. Das betraf unter anderem den Bau- und Heimwerkerbedarf, Sportartikel, Drogeriewaren sowie den Schuh- und Spielwarenhandel. Eine gegenläufige Entwicklung zeigte der Edelmetallhandel, der vom Anstieg des Goldpreises profitierte.

Österreich fällt im EU-Vergleich zurück

Auch im europäischen Vergleich bleibt die Entwicklung des österreichischen Einzelhandels unterdurchschnittlich. Im EU-Konjunkturranking rutschte Österreich im ersten Halbjahr auf Platz 25 ab. Die Eurostat-Daten sind kalenderbereinigt und daher nicht unmittelbar mit den nationalen Statistik-Austria-Daten vergleichbar; sie bestätigen jedoch die schwache Position des österreichischen Einzelhandels im europäischen Umfeld. 

Für das zweite Halbjahr zeichnet sich derzeit keine spürbare konjunkturelle Erholung ab. Nach Einschätzung der Handelssparte ist ein merklicher Aufschwung nicht zu erwarten. Die Branche muss sich daher weiterhin auf ein herausforderndes Marktumfeld mit verhaltener Nachfrage und hohem Kostendruck einstellen.

Arbeitsmarkt weiter unter Druck

Die schwache Konjunktur wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Im Handel waren zuletzt 556.061 unselbstständig Beschäftigte tätig, davon 294.085 im Einzelhandel. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen im Handel auf 49.471, im Einzelhandel auf 33.238.

Die Zahl der offenen Stellen ging hingegen weiter zurück. Im gesamten Handel waren 11.643 Stellen ausgeschrieben, im Einzelhandel 7.820. Damit treffen weniger Beschäftigungsmöglichkeiten auf eine steigende Zahl Arbeitssuchender. Der Beschäftigungsrückgang schwächte sich zwar ab, eine Trendwende ist jedoch noch nicht erkennbar.

Hohe Insolvenzzahlen

Zusätzlicher Druck entsteht durch die weiterhin hohe Zahl an Insolvenzen. Steigende Kosten, eine verhaltene Konsumneigung und sinkende reale Umsätze belasten vor allem Unternehmen, die nur über geringe Margen oder eine unzureichende Betriebsgröße verfügen.

Die Handelssparte erwartet, dass sich der Transformationsdruck in vielen Branchen fortsetzt. Ohne konjunkturelle Unterstützung müssen Verbesserungen vor allem durch unternehmensinterne Maßnahmen erreicht werden. Als zentrale Hebel nennt die Analyse Sortimentsfokus, Kostenmanagement, Standortstrategie und Digitalisierung.

Mindestbetriebsgröße wird wichtiger

Nach Einschätzung der Autoren liegen die Preiserhöhungen im Handel häufig unter dem tatsächlichen Kostenauftrieb. Dadurch sinken die Margen, während die Anforderungen an Produktivität und Effizienz steigen. Die Mindestbetriebsgröße werde deshalb zunehmend zu einer entscheidenden Voraussetzung für wirtschaftlich tragfähiges Arbeiten.

Für die Unternehmen bedeutet das, Sortimente stärker auf Kernzielgruppen und Standorte auszurichten. Gleichzeitig gewinnen eine konsequente Steuerung der Fixkosten und eine gezielte Standortoptimierung an Bedeutung. Auch die Digitalisierung der Beschaffung und des Vertriebs soll dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und neue Absatzpotenziale zu erschließen.

Dauerbrenner Sonntagsöffnung

Die Debatte über verkaufsoffene Sonntage in Österreich nimmt wieder Fahrt auf. Handelsobmann Rainer Trefelik fordert einheitliche Regeln und kritisiert die derzeitige Rechtslage als uneinheitlich und nicht mehr zeitgemäß. Die Gewerkschaft lehnt eine Ausweitung weiterhin ab. Er fordert eine österreichweit einheitliche Regelung der Sonntagsöffnung. Die bestehenden Vorschriften seien von zahlreichen Ausnahmen geprägt und führten zu Wettbewerbsverzerrungen. Trefelik bezeichnete die Debatte als „fern von jeder Fairness“.

Derzeit dürfen bestimmte Geschäfte an Sonntagen öffnen – etwa in Tourismusgebieten, an Bahnhöfen oder Flughäfen. Auch das Sortiment spielt eine Rolle. Geschäfte mit Blumen, Souvenirs oder bestimmten Genusswaren können unter bestimmten Voraussetzungen geöffnet sein, während andere Händler am selben Standort geschlossen bleiben müssen. Für Trefelik ist nicht nachvollziehbar, warum die Öffnung vom jeweiligen Sortiment abhängen soll. Für die Beschäftigten sei die Belastung unabhängig davon, welche Produkte verkauft werden.

Der Handelsobmann sieht zwei mögliche Wege: Entweder werden die bestehenden Regeln konsequenter kontrolliert und durchgesetzt, oder der Gesetzgeber passt sie an die veränderten Marktbedingungen an. Eine weitere Ausweitung einzelner Ausnahmen hält er für den falschen Ansatz, weil dadurch der bestehende Regelungswirrwarr weiter zunehmen würde.

Trefelik argumentiert auch mit dem veränderten Einkaufsverhalten. Der Onlinehandel ermöglicht Einkäufe rund um die Uhr und hat die Wettbewerbssituation im Handel grundlegend verändert. 

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geschrieben am

21.08.2026