Handel: leichtes Wachstum mit Sorgen
Der österreichische Handel ist 2025 nach Jahren der Stagnation wieder auf Wachstumskurs gekommen, bleibt aber von massiven Herausforderungen geplagt: Nominal stiegen die Umsätze Jänner bis November um 2,0 Prozent auf rund 306 Milliarden Euro, real ergab sich dank eines moderaten Preisauftriebs von 1,6 Prozent ein Plus von 0,4 Prozent – inflationsdämpfend und erstmals seit 2021 positiv.
Dennoch warnt Handelsobmann Rainer Trefelik vor zu viel Optimismus: Rekordinolvenzen (von 495 im Jahr 2020 auf 1.125 im Vorjahr), zahlreiche Schließungen und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 9,6 Prozent auf rund 560.000 Beschäftigte signalisieren eine prekäre Rentabilitätssituation vieler Unternehmen.
Während die Kfz-Wirtschaft mit real +3,4 Prozent klar antrieb, hinkte der Einzelhandel mit +0,7 Prozent dem EU-Durchschnitt (+2,3 Prozent) hinterher und landete im Ranking auf Platz 22; der Großhandel fiel real sogar um 0,5 Prozent zurück. Im Einzelhandel glänzten Lebensmittel (+1,1 Prozent), Schuhe (+7,4 Prozent), Baumarkt (+7,0 Prozent) und Blumen (+5,0 Prozent), während Schmuck (-13,7 Prozent), Bücher (-6,6 Prozent) und Möbel (-1,8 Prozent) enttäuschten – begleitet von monatlicher Volatilität, die selbst Black Week und frühes Weihnachtsgeschäft nicht kompensieren konnten.
Handelsforscher Peter Voithofer vom iföw sieht für 2026 leichten Aufwind durch besseren Privatkonsum, doch Trefelik mahnt: anhaltender Kostendruck, schwache Unternehmensstimmung und Bürokratie bremsen die Branche.
Binnenmarkt vertiefen und Hürden für KMU abbauen
"Der EU-Binnenmarkt bietet KMU große Chancen: Zugang zu 450 Millionen Konsument:innen in 27 Staaten ohne Zölle und mit einheitlichen Regeln ermöglicht skalierbare Geschäftsmodelle", betont Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. In der Praxis erschweren jedoch komplexe Vorschriften, unterschiedliche nationale Auslegungen sowie umfangreiche Konsumentenschutz- und Informationspflichten den Marktzugang und verursachen hohe Bürokratie. Gefordert werden daher Vereinfachungen, weniger Detailregulierung und regelmäßige KMU-Checks der bestehenden Bestimmungen.
Neben diesen zentralen Forderungen gibt es Trefelik zufolge noch "eine Reihe von Dauerbrennern". Dazu zählen eine spürbare Entlastung bei den Lohnnebenkosten, die Reduktion von Bürokratie sowie ein Fokus auf Aus- und Weiterbildung, um den Fachkräftemangel einzudämmen. Aber auch die Erreichbarkeit von Handelsbetrieben, wozu die ausreichende Versorgung mit Parkplätzen gehört, müsse gegeben sein. "Wir wollen mit Zuversicht ins Jahr 2026 blicken. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss man den Handel aber arbeiten lassen. Das heißt, die Betriebe entlasten statt belasten, auch was bürokratische Herausforderungen anbelangt, und für faire und lebbare Wettbewerbsbedingungen sorgen," so der Handelsobmann abschließend.