Grillen: Österreich heizt den Rost wieder an
Grillen - hinter den gewollten Rauchwolken zeigt sich ein klarer Trend: weniger Zufall, mehr Planung, mehr Qualität – und ein Rost, der sich Schritt für Schritt für Gemüse, Veggie-Produkte und internationale Aromen öffnet. Auch heuer verspricht der Grillmarkt wieder heiß zu werden. Der Lebensmittelhandel erzählt die wirtschaftliche Seite der Grillsaison – die RollAMA liefert dazu alle Zahlen: 2025 wurden in Österreich rund 105.000 Tonnen Fleisch und Geflügel für den Heimkonsum eingekauft, ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz legt noch deutlicher zu: Mit gut 1,08 Milliarden Euro wächst der Markt um 8,3 Prozent – getrieben von steigenden Preisen, aber auch von einer stabil hohen Grilllust. Der durchschnittliche Kilopreis klettert auf 10,30 Euro, womit Fleisch endgültig in der Kategorie „bewusster Genuss“ angekommen ist.
Grillen ist dabei längst kein Randphänomen mehr: Studien zeigen, dass für einen Großteil der Haushalte – quer durch alle Altersgruppen – Grillen fix zum Sommer gehört, Jüngere treten als besonders experimentierfreudige Zielgruppe auf. Pro Anlass fließen schnell 40 bis 50 Euro in Fleisch, Gemüse, Beilagen und Getränke – ein Betrag, den viele auch 2025 bereit sind auszugeben, wenn dafür der soziale Höhepunkt der Woche gesichert ist.
Schwein, Hendl, Steak – was wirklich auf dem Rost landet
Getragen wird dieses Grilljahr von den Klassikern, doch im Detail verschiebt sich der Trend. Schweinefleisch bleibt der Volumensbringer: Nach zwei schwächeren Jahren steigt die eingekaufte Menge im Handel 2025 um 3,3 Prozent auf rund 27.000 Tonnen. Umsatzseitig bringt Schweinefleisch knapp 250 Millionen Euro, der Kilopreis sinkt leicht auf 9,23 Euro – eine Kombination, die Schwein als „Preis-Leistungs-Held“ vieler Grillabende bestätigt.
Rind und Kalb liefern die Steakträume: Zwar geht die Menge um 3,6 Prozent auf knapp 12.000 Tonnen zurück, doch der Umsatz steigt dank deutlich höherer Preise um 11,8 Prozent auf gut 200 Millionen Euro. Mit einem Kilopreis von 16,86 Euro wird klar, dass hier vor allem Premiumcuts, Steaks und Spezialitäten den Ton angeben – Produkte, die gerade in der Grillsaison im Fokus stehen. Geflügel zeigt seine Stärke in der Breite: Insgesamt wächst die Geflügelmenge um 2 Prozent auf rund 40.600 Tonnen, der Umsatz legt um 8,2 Prozent zu, bei einem Kilopreis von 9,60 Euro.
Der heimliche Star heißt Hendl: Hühnerfleisch gewinnt 2025 4,8 Prozent an Menge dazu und kommt auf rund 31.500 Tonnen; der Umsatz schießt um 10,6 Prozent auf etwa 290 Millionen Euro nach oben. Hendlfilets, Wings und Drumsticks haben sich vom „leichteren Ersatz“ zum fixen Grillprodukt entwickelt – nicht zuletzt, weil sie sich gut marinieren lassen und in Social-Media-Rezepten omnipräsent sind. Putenfleisch hingegen verliert deutlich an Volumen: Die eingekaufte Menge sinkt um 7,4 Prozent auf gut 8.000 Tonnen, während der Umsatz nur leicht steigt, was vor allem am höheren Kilopreis von 11,07 Euro liegt.
Parallel feiern Burger & Co. ihren Höhenflug: Faschiertes verzeichnet ein zweistelliges Mengenplus von 12,6 Prozent und einen Wertzuwachs von 14,9 Prozent. Ob Smashburger, Cevapcici oder gefüllte Patties – Hackfleisch ist 2025 vielleicht der ehrlichste Indikator dafür, wie sehr internationale Grilltrends in österreichischen Gärten angekommen sind.
Wer grillt – und wo eingekauft wird
Hinter dem Grillrost steht ein Markt, der sich strukturell verschiebt. Segmentanalysen zeigen: Schweinefleisch hält 2025 knapp ein Viertel der eingekauften Fleischmenge (23,1 Prozent) und etwa 18,6 Prozent des Wertes. Hühnerfleisch kommt mengenmäßig auf mehr als 26 Prozent und wertmäßig auf gut 19 Prozent, während Rind und Kalb mit einem Mengenanteil knapp über 11 Prozent fast 19 Prozent des Umsatzes auf sich.
Noch deutlicher sind die Bewegungen bei den Einkaufsquellen: Diskonter bauen ihre Marktanteile bei Fleisch und Geflügel weiter aus, klassische Supermärkte geraten unter Druck, und der traditionelle Fleischhauer bleibt ein kleiner, eher auf Qualität fokussierter Player. Preisaktionen spielen eine zentrale Rolle: Der Aktionsanteil bei Fleisch und Geflügel liegt 2025 deutlich über dem RollAMA-Gesamtschnitt, was zeigt, wie stark Rabatte steuern, welches Fleisch letztlich im Einkaufswagen und damit am Grill landet. Für viele Haushalte gilt: Premium ja – aber bitte im Angebot – das sagen auch die NielsenIQ-Berichte.
Gleichzeitig verschiebt sich die Präsentation im Regal: Rund drei Viertel der Umsätze mit Fleisch und Geflügel laufen 2025 über Selbstbedienung, die klassische Bedienungstheke verliert langsam. Standardisierte Zuschnitte, fertig marinierte Grillpakete und vorportionierte Steaks sind damit kein Zusatzangebot mehr, sondern die neue Normalität – besonders in der Grillsaison, wenn es schnell gehen muss.
Gemüse, Veggie, Saucen – der Grill wird bunter
Auch wenn die RollAMA-Zahlen Fleisch und Geflügel im Fokus haben, zeigt der Blick in Konsumstudien und Handel, dass der Rost längst nicht mehr nur Fleischbühne ist. Gemüse hat sich vom Statisten zum Co-Star entwickelt: Maiskolben, Zucchini, Paprika, Melanzani, Pilze und Grillkäse landen in vielen Haushalten genauso selbstverständlich am Rost wie Kotelett und Käsekrainer. Vegane Alternativen – von pflanzlichen Burger-Patties über marinierten Tofu bis zu Jackfruit-Steaks – sind kein Nischenprodukt mehr, sondern fester Bestandteil gemischter Grillrunden.
Dazu kommen Beilagen, die das Bild des „Grilltellers“ verändern: Statt Semmel und Ketchup dominieren 2025 Ofen- und Folienkartoffeln, Couscous- und Pastasalate, Focaccia, Tortillas vom Grill und mediterrane Gemüseplatten. Auf der Saucenseite herrscht Überfluss: Haushalte stellen im Schnitt drei bis vier Saucen gleichzeitig auf den Tisch, von klassischer Knoblauchsauce über rauchige BBQ-Varianten bis zu süß-scharfen und fruchtigen Kreationen. International inspirierte Saucen wie Chimichurri, Miso-Glazes oder asiatische Satay-Marinaden bringen globalen Geschmack auf den Rost – und machen Grillen zum kulinarischen Kurzurlaub.
Bio, Bewusstsein und die Frage: war es ein gutes Jahr?
Auch Qualität und Herkunft rücken stärker in den Fokus. Die RollAMA-Daten zeigen, dass der Bio-Anteil am Fleischumsatz zwar insgesamt einstellige Werte aufweist, bei Rind und Kalb aber deutlich höher liegt als bei Schwein oder Pute – ein Muster, das zu einem bewussteren Premiumkonsum passt. Wer beim Steak zuschlägt, greift überdurchschnittlich oft zu besseren Haltungsformen und Bio, während beim günstigen Grillmix vom Diskonter der Preis dominiert.
Langfristig zeigen andere Analysen, dass der Fleischkonsum in Österreich tendenziell zurückgeht, während pflanzliche Alternativen wachsen – 2025 ist allerdings ein Jahr, in dem Fleisch im Handel noch einmal leicht zulegen kann. In Summe präsentiert sich der Grillmarkt damit als stabiler, leicht wachsender Markt, der sich nicht mehr über reine Menge, sondern über Wert, Qualität und Vielfalt definiert.
War es also ein gutes Grilljahr? Für den Handel ja: mehr Umsatz, stabile bis wachsende Mengen, starke Impulse durch Aktionen und Premiumsegmente. Für Konsumentinnen und Konsumenten ebenfalls: Trotz hoher Preise bleibt Grillen leistbar, bietet aber mehr Auswahl denn je – vom Bio-Steak über das Hendlfilet aus dem Diskonter bis zur veganen Grillplatte. Und für den Rost selbst? Der ist 2025 so voll wie selten: mit Fleisch, Gemüse, Ideen – und der Gewissheit, dass Grillen längst mehr ist als das Würstel am Rost.