Direkt zum Inhalt
Österreichische Wellpappe-Industrie zieht Bilanz mit von links: Horst SANTNER, Forum Wellpappe Austria | Marcus IHLENFELD, CO-FOUNDER woom bikes | Stephan KAAR, Sprecher Forum Wellpappe Austria

Forum Wellpappe: die Kreislauf-Profis

Die Nachfrage nach Wellpappe-Verpackungen bliebt stabil, doch das Marktumfeld verschärft sich.

2025 war für die heimische Wellpappe-Industrie ein herausforderndes Jahr: Volatile Rohstoffpreise, hohe Energiekosten und eine gedämpfte Konsumlaune setzten die Betriebe unter Druck. Das Produktionsvolumen sank im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf 709 Mio m2, der Umsatz erreichte mit 509 Millionen Euro ein minimales Plus von 0,7 Prozent. „Die Lage bleibt angespannt. Die stabile Nachfrage nach Wellpappe-Verpackungen ist erfreulich, aber die Kosten gehen weiter deutlich nach oben“, sagt Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria. Die Unternehmen der österreichischen Wellpappe-Industrie müssen sich damit in einem Markt behaupten, der von hohen Personal- und Produktionskosten sowie starken wirtschaftlichen Schwankungen geprägt ist.

Systemrelevant für stabile Lieferketten

Mit nachhaltigen Verpackungslösungen leistet die Wellpappe-Industrie einen wichtigen Beitrag zu stabilen Lieferketten für Industrie, Handel und Bevölkerung. Wichtigste Abnehmer sind Lebensmittel- und Getränkehersteller mit rund 46 Prozent, gefolgt von langlebigen Gütern wie Maschinen, Möbeln, Elektronikteilen und Automotive (20 Prozent) sowie E-Commerce-Verpackungen mit rund 9 Prozent. 42 Prozent der in Österreich produzierten Wellpappe gehen in den Export. Gerade für den Lebensmittelhandel stellt sich immer wieder die Frage: hat man ausreichend Wellpappe, um die nächsten Monate abzudecken? Denn Innovationen sind gefragt und so einige Produkte transformieren ihre Verpackungen von Kunststoff zu Wellpappe. „Das liegt auch daran, dass wir tailor-made Verpackungen liefern können“, so Kaar. 

Für 2026 erwartet die Branche weiteren Druck. „Wir sehen eine Preisrallye bei Energie, Rohstoffen und Logistik, getrieben durch internationale Krisen. Die kommenden Monate sind schwer kalkulierbar“, so Kaar. „Dank starker regionaler und europäischer Lieferketten sowie hoher Recyclingquoten ist die Versorgung aktuell gesichert“, betont der Branchensprecher. Gleichzeitig wächst der bürokratische Aufwand durch neue EU- und nationale Vorgaben deutlich. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt, dass regulatorische Anforderungen mittlerweile zu den großen Belastungsfaktoren zählen, gleichauf mit den stark gestiegenen Arbeitskosten. Doch man kann sagen, dass das erste Quartal 2026 auch gut im Mengenabsatz performte. Die Versorgungssicherheit ist jedenfalls bei Wellpappe im Gegensatz zu anderen Packstoffen gegeben, da die Rohstoffe regional vorhanden sind. 

PPWR als Chance für den Kreislauf

Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die ab August 2026 zur Anwendung kommt, bietet auch Chancen für eine harmonisierte Kreislaufwirtschaft. „Bei sachgerechter Umsetzung stärkt sie nachhaltige Wellpappe-Lösungen“, so Kaar. Wellpappe erfüllt bereits heute wichtige EU-Ziele: Sie besteht durchschnittlich zu 88 Prozent aus Recyclingpapier, wird in Österreich zu mehr als 90 Prozent recycelt, und ihre Fasern können bis zu 25 Mal wiederverwendet werden. 

Attraktive Arbeitgeber

Die sieben Unternehmen des Forum Wellpappe Austria beschäftigen rund 1.600 Mitarbeiter und bilden jährlich rund 70 Lehrlinge aus. Ein Highlight sind die Wellpappe Adventure Days für den Nachwuchs. „Die Wellpappe-Branche ist ein attraktiver Arbeitgeber“, sagt Horst Santner vom Forum Wellpappe Austria. „Doch auch hier setzen die anhaltend hohen Personalkosten unsere Betriebe massiv unter Druck. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Gehälter um insgesamt 27 Prozent gestiegen. Das können wir durch Produktivitätssteigerungen bei weitem nicht wettmachen“, so Santner. Ohne wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen drohen Nachteile für den Standort Österreich und die Betriebe.

Die österreichische Wellpappe-Industrie investiert dennoch weiter in moderne Produktionsprozesse. „Gemeinsam mit unseren Kunden arbeiten wir laufend an innovativen Verpackungslösungen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch überzeugen“, sagt Santner. Die Verpackungen und Displays werden jedes Jahr mit dem Wellpappe Austria Award ausgezeichnet. „Darüber hinaus bestätigt auch der internationale WorldStar Packaging Award die besondere Innovations- und Leistungskraft der heimischen Wellpappe-Branche“, so Santner.

woom bikes setzt auf nachhaltige Transportverpackung

„Als Kinder- und Jugendfahrradhersteller tragen wir Nachhaltigkeit in unserer DNA“, sagt woom bikes Co-Founder Marcus Ihlenfeld. „Zum einen ist unser Produkt ein Vehikel, um die Freude am Radfahren und an aktiver, klimafreundlicher Fortbewegung zu verbreiten. Zum anderen wollen wir unseren Kindern eine lebenswerte und nachhaltige Welt hinterlassen und ihnen haltbare Produkte in die Hand geben, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden.“ woom mit Hauptsitz in Wien ist heute weltweit in über 40 Ländern vertreten, und bereits mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche fahren auf woom bikes.

Kategorien

geschrieben am

22.04.2026