Fairtrade wächst weiter
Fairtrade verzeichnet in Österreich 2025 ein deutliches Wachstum und baut seine Position als eines der wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel im Lebensmittelhandel weiter aus. In einem wirtschaftlich und geopolitisch angespannten Umfeld gewinnt fairer Handel zunehmend an Bedeutung – sowohl bei Konsumentinnen und Konsumenten als auch im Handel.
Der Gesamtumsatz mit Fairtrade-Produkten stieg 2025 um 12,7 Prozent auf 796 Millionen Euro und erreichte damit ein neues Rekordniveau. Gleichzeitig erhöhten sich die Direkteinnahmen für Produzentenorganisationen und Beschäftigte in den Herkunftsländern auf 89,3 Millionen US-Dollar.
Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 88 Euro zählt Österreich mittlerweile zu den drei stärksten Fairtrade-Märkten weltweit. Besonders hoch bleibt dabei die Bekanntheit des Siegels: 98 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher kennen Fairtrade, 87 Prozent vertrauen dem Label. Für Fairtrade Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirnerzeigt sich darin die wachsende Bedeutung glaubwürdiger Orientierungssysteme in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.
Mehrere Warengruppen tragen Erfolg
Die positive Entwicklung wird von mehreren Warengruppen getragen. Besonders deutlich stiegen die Verkäufe bei Bananen mit plus 6,9 Prozent, Rosen mit plus 11,3 Prozent sowie Kakao mit plus 3,7 Prozent. Rückläufig entwickelte sich hingegen Kaffee mit minus 6,3 Prozent, was vor allem auf Sortimentsumstellungen und hohe Rohstoffpreise zurückgeführt wird.
Trotz der positiven Marktentwicklung bleibt die Situation für viele Produzentenorganisationen angespannt. Klimabedingte Ernteausfälle, volatile Weltmarktpreise, steigende Produktionskosten sowie geopolitische Krisen belasten zahlreiche Betriebe und globale Lieferketten zunehmend. Der Finanzierungsbedarf steigt gleichzeitig deutlich an.
Zusätzliche Bestätigung erhält Fairtrade durch einen aktuellen Test der deutschen Stiftung Warentest aus dem Mai 2026. Dabei wurde Fairtrade als eines der drei Nachhaltigkeitssysteme mit der höchsten Aussagekraft bewertet. Besonders hervorgehoben wurden Mindestpreise, Prämienmodelle sowie verbindliche Vorgaben für existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen.
Die Wirkung des Systems zeigt sich insbesondere in den Ursprungsländern. Im Kakaosektor der Côte d’Ivoire erreichen inzwischen 74 Prozent der Fairtrade-Kakaobäuerinnen und -bauern ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. 2017 lag dieser Anteil noch bei lediglich 23 Prozent. Gleichzeitig sank die extreme Armut unter den Haushalten von 58 Prozent auf 17 Prozent. Zusätzliche Einnahmen ermöglichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Klimaanpassungsmaßnahmen und stärken damit die wirtschaftliche Resilienz der Kooperativen.
World Fair Trade Day
Auch beim fair gehandelten Kaffee zeigt sich Österreich europaweit besonders stark positioniert. Anlässlich des World Fair Trade Day analysierte YouGov Shopper das Kaufverhalten österreichischer Haushalte. Demnach achten 35 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher beim Einkauf auf Nachhaltigkeitssiegel wie Rainforest Alliance, MSC oder Fair Choice. Damit liegt Österreich europaweit auf Platz drei hinter Dänemark und Ungarn mit jeweils 37 Prozent.
Besonders dynamisch entwickelte sich der Markt für fair gehandelten Kaffee. Der Umsatz stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent auf 46 Millionen Euro. Anders als in vielen anderen Märkten basiert das Wachstum nicht nur auf Preissteigerungen, sondern auch auf einer höheren Kaufhäufigkeit und steigender Käuferreichweite. Bereits 17 Prozent der österreichischen Haushalte kauften 2025 zumindest einmal fair gehandelten Kaffee. In Deutschland liegt dieser Anteil im Vergleich bei lediglich neun Prozent.
Langfristig betrachtet legte der Umsatz mit fair gehandeltem Kaffee seit 2021 um 41 Prozent zu. Die höchste Käuferreichweite verzeichnen dabei die Generationen der Babyboomer und Wiederaufbauer, während sich bei den Millennials zuletzt ein leichter Umsatzrückgang zeigte.
Für den Handel gewinnt das Thema Transparenz zunehmend an strategischer Bedeutung. Neue EU-Vorgaben sowie steigende Konsumentenerwartungen erhöhen den Druck auf Unternehmen, nachvollziehbare Lieferketten und glaubwürdige Nachhaltigkeitsstandards nachzuweisen. Fairtrade positioniert sich dabei weiterhin als eines der etabliertesten Systeme für transparente und sozial verantwortliche Lieferketten im internationalen Handel.