Fairtrade: Große Offenheit für Siegel
retailreport.at: In Zeiten der wirtschaftlichen Herausforderungen – wie offen sind die Konsumenten für Fairtrade?
Hartwig Kirner: Erfreulicherweise sehr. Das Fairtrade-Siegel hatte zuletzt in einer Globescan-Studie eine Bekanntheit von 98 Prozent. Noch wichtiger: Fast 90 Prozent der Befragten vertrauen uns auch. Das spiegelt sich seit Jahren in der positiven Marktentwicklung wider. Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten ist 2025 in Österreich um fast 13 Prozent gestiegen – mittlerweile sprechen wir hier von knapp 800 Millionen Euro. Das ist auch ein starkes Signal der Österreicherinnen und Österreicher an Unternehmen, selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen das Thema Nachhaltigkeit aufrecht zu erhalten und auszubauen.
Wie offen sind die Partner für Fairtrade und der Handel?
Die Offenheit ist heute so groß wie nie zuvor. Fairtrade-Produkte sind mittlerweile flächendeckend im ganzen Land erhältlich – das zeigt deutlich, dass Fairtrade im Mainstream angekommen ist. Ob im Supermarkt, im Weltladen oder in der Gastronomie bis hin zu Confiserien: faire Produkte sind selbstverständlich geworden. Neben Bio und Regionalität hat sich Fairtrade als eine zentrale Säule für Nachhaltigkeit im Lebensmittelbereich etabliert.
Welche großen Schritte gab es 2025/26?
Fairtrade-Bananen verzeichneten erneut ein Wachstum von rund sieben Prozent. Damit liegt der Marktanteil bereits bei mehr als einem Drittel – bei einem Bio-Anteil von deutlich über 90 Prozent. Auch Kakao ist erneut um knapp vier Prozent gewachsen, was nach den teils sehr starken Wachstumsschüben der vergangenen Jahre alles andere als selbstverständlich ist. Ebenso haben sich Rosen im Vorjahr sehr positiv entwickelt, mit einem Fairtrade-Wachstum von rund elf Prozent.
Gibt es spezielle News für das bereits angelaufene Jahr?
Wir feiern heuer gleich zwei Jubiläen: 30 Jahre Fairtrade-Kakao und zehn Jahre Fairtrade-Gold. Gerade beim erstgenannten Rohstoff freut es mich besonders, dass es mittlerweile gut nachweisbaren Impact für die Menschen im Anbau gibt. Eine aktuelle Studie zu Kakao in Côte d’Ivoire zeigt, dass Fairtrade konkret zu stabileren Einkommen und besseren Lebensbedingungen beiträgt.
Wie entwickelt sich Kakao bei den hohen Preisen und welche Aussagen gibt es zu Kakao?
Kein anderer Rohstoff hat zuletzt eine derartige Berg- und Talfahrt der Preise erlebt wie Kakao. Nach Preisen von bis zu 12.000 US-Dollar pro Tonne kam es zuletzt zu einem Einbruch auf unter 3.500 US-Dollar. Das zeigt eindrücklich, wie wichtig fairer Handel für die Bauernfamilien ist. Stabile Mindestpreise, zusätzliche Prämien sowie langfristige Lieferverträge ermöglichen es, die Farmen resilienter gegen den Klimawandel zu machen und die Lebenssituation der Bauernfamilien zu verbessern. Die vergangenen Jahre waren geprägt von Gesundheitskrisen, internationalen Konflikten, den Auswirkungen des Klimawandels und vielem mehr. Dennoch ist es in Côte d’Ivoire gelungen, den Anteil jener Haushalte, die in extremer Armut leben, von 58 auf 17 Prozent zu senken. Genau solche Zahlen stimmen mich trotz aller aktuellen Herausforderungen zuversichtlich für die Zukunft.