Europas Kaufkraft wächst um 4,4 Prozent
Die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft in Europa erhöhte sich 2026 auf 21.153 Euro. Das zeigt die Studie „NIQ Kaufkraft Europa 2026“. Gegenüber dem revidierten Vorjahreswert entspricht das einem nominalen Wachstum von 4,4 Prozent. Insgesamt belief sich die Kaufkraft der Europäer auf rund 14,5 Billionen Euro. Dieses Budget steht für Ausgaben in Bereichen wie Wohnen, Konsum, Dienstleistungen, Energie, Mobilität, private Altersvorsorge oder Freizeit zur Verfügung. Wie groß das tatsächlich verfügbare Budget für Konsum und Sparen ausfällt, unterscheidet sich innerhalb Europas weiterhin deutlich.
Liechtenstein vorn, Norwegen mit größtem Sprung
Wie in den Vorjahren lag Liechtenstein auf dem ersten Platz des europäischen Kaufkraftrankings. Die Liechtensteiner verfügten über 78.520 Euro pro Kopf, das 3,7-Fache des europäischen Durchschnitts. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Schweiz und Island. Die Schweizer kamen auf 54.730 Euro und damit auf das rund 2,6-Fache des Durchschnittseuropäers, den Isländern standen 44.692 Euro zur Verfügung, mehr als das Doppelte des europäischen Durchschnitts.
Auch die übrigen Länder der Top 10 lagen deutlich über dem Durchschnitt. Die größte Veränderung gegenüber dem Vorjahr verzeichnete Norwegen, das von Rang zehn auf Rang fünf kletterte und 35.947 Euro pro Kopf erreichte. Island und Luxemburg tauschten ihre Plätze und belegten nun Rang drei beziehungsweise Rang vier. Deutschland blieb mit 31.193 Euro auf Rang neun.
Bewegung gab es auch außerhalb der Spitzengruppe. Ungarn verbesserte sich von Rang 30 auf Rang 27 und kam auf 15.105 Euro pro Kopf. Die Tschechische Republik gewann zwei Plätze und lag mit 17.785 Euro je Einwohner auf Rang 21.
Insgesamt lagen 17 der 42 untersuchten Länder über dem europäischen Durchschnitt, 25 darunter. Am Ende des Rankings stand weiterhin die Ukraine mit lediglich 3.456 Euro je Einwohner, rund 16 Prozent des europäischen Durchschnittswerts. Am niedrigsten war die Kaufkraft neben der Ukraine im Kosovo und in Moldawien.
„Mit einem Plus von 4,4 Prozent wächst die Kaufkraft in Europa 2026 erneut spürbar“, erklärte Carsten Buchart, NIQ-Experte für Geomarketing. „Auffällig ist, dass sich viele Märkte Mittel- und Südosteuropas dynamischer entwickeln als große Teile Westeuropas.“ Die etablierten westeuropäischen Märkte zählten wegen ihrer hohen Kaufkraft und Marktgröße aber weiterhin zu den wichtigsten Absatzmärkten. „Europa wächst damit weiter zusammen, bleibt aber ein Kontinent mit sehr unterschiedlichen Marktpotenzialen“, so Buchart.
Hauptstädte oft deutlich über dem Landesschnitt
In vielen Ländern konzentrierte sich die Kaufkraft in den Hauptstadtregionen. Besonders deutlich war das in Rumänien: Landesweit lag die Pro-Kopf-Kaufkraft bei 11.283 Euro, in der Region Bukarest bei durchschnittlich 22.941 Euro, mehr als dem Doppelten. Paris übertraf mit 46.366 Euro den französischen Durchschnitt um rund 80 Prozent. In Bratislava, Sofia, Prag, Budapest und Lissabon lag das verfügbare Nettoeinkommen jeweils mindestens 25 Prozent über den nationalen Werten.
Nicht für alle Hauptstädte galt das. In Berlin betrug die Pro-Kopf-Kaufkraft 30.178 Euro und lag damit mehr als 1.000 Euro unter dem deutschen Durchschnitt von 31.193 Euro. In Brüssel blieb sie sogar rund 10 Prozent unter dem Landesdurchschnitt.
Metropolregionen bündeln die größten Märkte
Bei der gesamten Kaufkraft führten bevölkerungsreiche Wirtschaftsräume. Die französische Hauptstadtregion Île-de-France kam auf eine Kaufkraftsumme von rund 396 Milliarden Euro, die Lombardei auf 272 Milliarden Euro und die Metropolregion Istanbul auf 227 Milliarden Euro. Die drei Regionen stehen für unterschiedliche Marktprofile: In Île-de-France und der Lombardei traf eine große Bevölkerung auf eine Pro-Kopf-Kaufkraft von deutlich mehr als 25.000 Euro. Istanbul erreichte trotz einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 14.411 Euro aufgrund seiner Größe ein vergleichbar hohes Marktpotenzial.
Zur Studie
Die Studie liegt für 42 europäische Länder auf feinräumigen Ebenen wie Gemeinden und Postleitzahlen vor, ebenso wie Daten zu Einwohnern und Haushalten sowie digitale Landkarten. Die Kaufkraft bezeichnet das verfügbare Einkommen ohne Steuern und Sozialabgaben, inklusive Transferleistungen, und wird pro Kopf und Jahr in Euro als Index ausgewiesen.