Einwegpfand etabliert
Ein Jahr nach Einführung des Einwegpfandsystems zieht Österreich eine positive Zwischenbilanz: Mit einer Sammelquote von 81,5 % wurde das Ziel für 2025 erreicht. Das gilt als starkes Signal für die gesellschaftliche Akzeptanz des Systems.
Eine Studie des Instituts für Retailing & Data Science an der WU Wien zeigt, dass Rückgabeorte, Technologie und Alltagskomfort entscheidend für die Nutzung sind. Der Rücknahmespezialist TOMRA sieht darin einen klaren Auftrag zur Weiterentwicklung – insbesondere durch Multifeed-Systeme.
Komfort steigert Rückgabe
Rund 98 % der Gebinde werden über Automaten retourniert. Multifeed-Systeme, bei denen mehrere Verpackungen gleichzeitig eingeworfen werden können, erhöhen die Nutzerfreundlichkeit deutlich.
Die Systeme TOMRA R1 (für hochfrequentierte Standorte und Events) und TOMRA R2 (für kleinere Flächen) steigern laut Unternehmensangaben das Rückgabevolumen um durchschnittlich 60 % und die Frequenz um rund 25 %. Zusätzlich fordert TOMRA mehr unkonventionelle Rückgabeorte – etwa an Tankstellen oder Verkehrsknotenpunkten.
Auch METRO Österreich berichtet von hoher Akzeptanz. Besonders stark frequentiert ist der Standort Wiener Neustadt.
PET-to-PET: Rekordmenge, schwieriges Marktumfeld
Die PET to PET Recycling Österreich GmbH verarbeitete 2025 insgesamt 33.675 Tonnen PET – das entspricht 1,34 Milliarden Getränkeflaschen. Gegenüber 2024 ist das ein Plus von rund 7 % und ein neuer Höchstwert.
Treiber war die Einführung von Pfandsystemen in Nachbarländern sowie in Österreich. Gleichzeitig blieb der Absatzmarkt hinter den Erwartungen zurück (–3 %), was zu Lageraufbau führte. Problematisch sind der große Preisabstand zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen sowie günstige Importe von Recyclingmaterial aus Nicht-EU-Ländern. Für 2026 erwartet das Management eine steigende Nachfrage nach Recyclaten.
OGH bestätigt Hausdurchsuchung im Verpackungsmarkt
Im Markt für Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen sorgt ein laufendes Wettbewerbsverfahren für Aufmerksamkeit. Der Oberster Gerichtshof bestätigte als Kartellobergericht eine vom Kartellgericht angeordnete Hausdurchsuchung bei einem marktführenden Unternehmen. Mehrere Medien berichten über die Altstoff Recycling Austria AG (ARA).
Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hatte wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung ermittelt – unter anderem wegen möglicher Kampfpreise und exklusiver Rabattsysteme. Der Verfassungsgerichtshof wies einen Antrag auf Normenprüfung als unzulässig zurück.
Pfand auch soziale Frage
Neben ökologischen Effekten rückt zunehmend die soziale Dimension in den Fokus. Eine Studie von TQS Research & Consulting im Auftrag von fritz-kola GmbH zeigt: Hochgerechnet sammeln rund 225.000 bis 228.000 Menschen in Österreich gezielt Pfandgebinde im öffentlichen Raum. Hauptmotive sind niedrige Pensionen, unzureichendes Erwerbseinkommen oder Arbeitslosigkeit.
57 % der Bevölkerung sprechen sich dafür aus, leere Gebinde neben Mistkübeln abzustellen („Pfand gehört daneben“), 22 % wünschen sich eigene Einrichtungen. Die Initiative „Pfand gehört daneben“ wird nun auch in Österreich ausgerollt.