Egger: Der Meister des Bieres
Am 30. September war Tag des österreichischen Bieres und zugleich Brausilvester. Das alte Braujahr endet, das neue beginnt. Der perfekte Zeitpunkt, um herauszufinden, warum jedes Jahr eine Sorte weiterhin die Nummer Eins der heimischen Braukunst ist: das Märzen. Denn das beliebteste Bier Österreichs soll vollmundig und ausgewogen schmecken, gleichzeitig süffig und unkompliziert bleiben. Gerade deshalb ist es besonders anspruchsvoll. Intensive Aromen können keine Schwächen überdecken, jedes Detail muss stimmen. Dazu war Egger Braumeister Johannes Meister im Gespräch.
retailreport.at: Wie verlief Ihr Werdegang bei Egger, seit wann sind Sie im Unternehmen als Braumeister tätig?
Johannes Meister: Begonnen habe ich 2011 als dritter Braumeister und stellvertretender Leiter der Qualitätssicherung bei Egger Getränke. 2013 habe ich als zweiter Braumeister die Verantwortung für die Bierproduktion übernommen. Seit 2020 bin ich erster Braumeister und Leiter der Brauerei.
Wie sehr hat sich der Bierkonsum verändert? Welche Sorten gehen nach wie vor gut? Was hat nachgelassen? Welche Trends sehen Sie besonders stark im Kommen?
Bei den klassischen Biersorten bleibt das Märzen ganz klar die ungeschlagene Nummer Eins, mit über 75% am heimischen Biermarkt. Umso mehr freut es uns natürlich, dass unser Egger Märzen bei der Falstaff Bier Trophy 2026 wieder den ersten Platz erreicht hat. Die Königsdisziplin.
Daneben gibt es etwa saisonale Trends, aktuell beispielsweise Festbiere.
Die Entwicklung, dass immer weniger Alkohol getrunken wird, ist natürlich auch in der Bierbranche spürbar. Dafür steigt die Nachfrage nach alkoholfreien Varianten. Auch funktionale Getränke haben einen steigenden Trend.
Mit unserem isotonischen alkoholfreien Egger Zisch bedienen wir genau diese Entwicklung. Die Mischung daraus ist unser Egger Zisch: ein alkoholfreies Bier, das aber auch isotonisch ist. Perfekt also zum Beispiel für nach dem Sport.
Ist die Zeit der Craft Biere vorbei?
Der große Craft-Bier-Trend ist aus meiner Sicht vorbei. Die Vielfalt, die dadurch entstanden ist, wird uns aber in einem gewissen Umfang erhalten bleiben. Viele Craft-Brauer haben die jeweiligen Bierstile schließlich nicht neu erfunden, sondern bestehende, teilweise sehr alte Bierstile neu interpretiert und wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Diese größere Vielfalt hat die Bierlandschaft durchaus nachhaltig geprägt.
Brauen und entwickeln Sie auch Biere für die Lohnabfüllung? Was ist hier bemerkenswert?
Hier muss man zwischen Lohnabfüllung und Lohnbrauen unterscheiden. Bei der klassischen Lohnabfüllung wird uns ein bereits fertiges Bier angeliefert, das wir für andere Produzenten abfüllen. Nicht jede Brauerei hat selbst die Möglichkeiten und Anlagen, unterschiedliche Flaschen- oder Dosenformate abzufüllen. Da sind wir gerne der professionelle Partner.
Darüber hinaus haben wir aber auch Kunden, für die wir tatsächlich Bier brauen. In diesen Fällen entwickeln wir gemeinsam die Rezeptur und begleiten das Produkt entsprechend von der Idee bis zur Abfüllung. Eine unserer großen Stärken ist, dass wir sehr viele unterschiedliche Gebinde- und Verpackungsmöglichkeiten anbieten können. Damit können wir Anforderungen abdecken, für die andere Produzenten teilweise nicht die entsprechende technische Ausstattung haben.
Sind Sie auch bei der Entwicklung anderer Getränke aus dem Hause Egger beteiligt?
Mein Schwerpunkt liegt klar auf Bier, bierhaltigen Getränken und Malzgetränken. Es gibt und gab aber immer wieder Projekte außerhalb dieser Kategorien, bei denen ich ebenfalls an der Entwicklung mitarbeiten durfte. Gerade die Produktentwicklung ist für mich eine spannende Seite des Berufs als Braumeister, weil es Erfahrung und Fingerspitzengefühl braucht. Das fertige Produkt am Ende in Händen zu halten, ist aber immer wieder ein gutes Gefühl.
Leihen Sie Ihre Expertise auch dem heimischen Lebensmittelhandel?
Natürlich. Für uns macht es in der Brauerei grundsätzlich keinen Unterschied, ob wir mit dem Lebensmittelhandel oder beispielsweise mit einem Lohnabfüllkunden zusammenarbeiten.
Unser Anspruch ist immer derselbe: Wir möchten unseren Kunden höchste Qualität bieten und sie mit unserer Erfahrung und unserem Know-how bestmöglich unterstützen.
Wenn ein Bier „fertig“ ist, haben Sie auch Einfluss, in welches Gebinde es kommt?
Die Entscheidung für das Gebinde wird bei uns gemeinsam von mehreren Bereichen getroffen. Dabei spielen unter anderem Marketing und Verkauf eine Rolle, aber natürlich auch die Anforderungen und Entwicklungen im Markt. Am Ende müssen Produkt, Gebinde und die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe zusammenpassen.
Was muss man besonders bedenken, wenn man den österreichischen Lebensmittelhandel bedient?
Unser oberster Anspruch ist immer, höchste Qualität abzuliefern. Das passt sehr gut zu den hohen Anforderungen des österreichischen Lebensmittelhandels. Entscheidend ist für uns daher, eine konstant hohe Produktqualität sicherzustellen und gleichzeitig ein verlässlicher Partner für unsere Kunden zu sein.
Was fällt Ihnen zusammenfassen zu Ihrer Funktion ein?
Was ich natürlich immer wieder höre, ist die Frage „Was macht ein gutes Bier aus?“
Im Endeffekt gibt’s für mich eine ganz einfache Antwort: Ein Bier ist gut, wenn ich mich beim ersten Schluck schon den nächsten freue.