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ECR Austria: Branche will Zukunft gestalten, nicht verwalten

ECR Austria: Zukunft gestalten, nicht verwalten

Zwei aktuelle Studien – eine österreichische Mitgliederbefragung und ein globaler Branchenreport – zeigen: Supply Chain, KI und EU-Regularien dominieren die Agenda der FMCG-Branche.

Die Konsumgüterbranche steht vor einem Wendepunkt. Weg vom reinen Krisenmodus, hin zu Zukunftsfähigkeit, Technologie und echter Zusammenarbeit – das ist die zentrale Botschaft zweier aktueller Studien von ECR Austria und der internationalen ECR Community.

ECR Austria: Was die Branche in Österreich bewegt

Grundlage der österreichischen Erhebung ist eine quantitative Online-Umfrage via SurveyMonkey, durchgeführt vom 3. bis 27. März 2026 unter 113 Teilnehmern, davon 74 % aus ECR-Mitgliedsunternehmen und rund 69 % aus Handel und Industrie. Die Ergebnisse sind eindeutig: 91 % der Befragten bewerten eine stärkere Supply-Chain-Zusammenarbeit bereits heute als relevant, gefolgt von Kreislaufwirtschaft, Food Waste und Rückverfolgbarkeit (je 88 %) sowie EU-Regularien (87 %). 65 % wünschen sich von ECR Austria künftig noch stärkeren Fokus auf EU-Regularien wie Lieferkettengesetz, Green Claims und PPWR – gleichauf mit dem Thema Weiterentwicklung Stammdatenaustausch (ebenfalls 65 %). Circular Packaging und PPWR fordern 61 % als ECR-Schwerpunkt, Kreislaufwirtschaft 59 %.

Nachhaltigkeit bleibt auf der Agenda, wird aber pragmatischer gedacht: Circular Packaging, Mehrweglösungen, Food Waste und datenbasierte Lieferkettentransparenz verbinden ökologische Wirkung mit wirtschaftlicher Effizienz. Der ECR Tag erreicht mit 79 % Bekanntheit und Nutzung die breiteste Sichtbarkeit; der zertifizierte ECR Manager Kurs ist mit 97 % das bekannteste Weiterbildungsangebot der Organisation. Bei der Suche nach Qualifizierung dominiert mit 61 % die Eigenrecherche vor Newsletter und Kollegenempfehlung. Die Weiterbildungsbudgets bleiben stabil: 50 % investieren gleich viel wie bisher in externe Qualifizierung, 16 % planen eine Erhöhung. ECR Austria wird von der Branche klar als neutrale Plattform zwischen Handel und Industrie positioniert. „Die Zukunft der FMCG-Branche entsteht nicht isoliert – sondern gemeinsam", bringt es Bernhard Voit, zuständiger ECR Manager, auf den Punkt.

ECR Community Annual Global Trends 2026: Das internationale Bild

Was österreichische Unternehmen beschäftigt, spiegelt sich auch im globalen Kontext wider. Der ECR Community Annual Global Trends Report 2026 – die internationale Schwesterstudie – basiert auf 347 Antworten von Branchenexperten aus Europa, Asien und Amerika. Darunter Hersteller und Lieferanten (52 %), Händler (26 %) und Dienstleister (22 %). Die Mehrheit der Befragten ist Führungskraft: CEOs (16 %), Directors (29 %) und Heads of Function (25 %). Stärkste Teilnehmergruppe nach Ländern: Österreich mit 79 Teilnehmern, gefolgt von Griechenland (68), China (29) und Deutschland (28).

Die globalen Top-3-Prioritäten für 2026 sind operative Effizienz (64 %), digitale Transformation und Automatisierung (50 %) sowie Pricing- und Profitabilitätsstrategien (49 %). Beim Vergleich nach Unternehmenstyp zeigt sich: Operative Effizienz wird von 74 % der Händler und 64 % der Hersteller als Top-Priorität genannt; Pricing und Profitabilität von 48 % der Händler und 58 % der Hersteller.

Besonders aussagekräftig ist der Jahresvergleich: 2025 stand die Branche noch im Defensivmodus – Margen schützen, Inflation managen, Lieferketten stabilisieren. 2026 vollzieht sich ein klarer Strategiewechsel: Händler investieren in Daten, Effizienz und Kompetenzaufbau; Hersteller setzen auf Wachstumsoptimierung und datengetriebene Entscheidungen. Die Branche, so das Fazit der Studie, wechselt von reaktiver Kostenkontrolle zu proaktivem, datengeführtem Wachstum.

Als größte Herausforderungen identifizieren die 347 Befragten Wettbewerbs- und Marktanteilsdruck (63 %), Inflations- und Kostenmanagement (62 %) sowie das Schritthaltenmüssen mit Technologie und KI (37 %). Dabei ist die Verschiebung gegenüber 2025 markant: Galten damals externe Faktoren wie Lieferkettenprobleme als Haupttreiber, rücken 2026 interne Fähigkeitslücken – vor allem im Bereich KI und Digitalisierung – als eigenständige Herausforderung in den Vordergrund.

Bei den Technologien dominieren Agentic & Generative AI (30 %) und datenanalytische Werkzeuge (27 %) als jene Innovationen, die den größten Einfluss auf das Geschäft haben werden. Besonders deutlich bei Dienstleistern: 50 % setzen auf KI/Generative AI als wichtigste Technologie. Nachhaltigkeit hat als strategische Top-Priorität global deutlich an Gewicht verloren – von 37 % (2025) auf nur noch 15 % (2026). Wo Nachhaltigkeit dennoch Thema bleibt, konzentriert sich die Branche auf Kreislaufwirtschaft (46 %), nachhaltige Innovation (34 %) und Health & Wellness (32 %).

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geschrieben am

10.06.2026