ECR Austria: 30 Jahre Brückenbauer
Seit 1996 verfolgt ECR Austria ein Ziel: Handel und Industrie sollen Herausforderungen nicht isoliert, sondern gemeinsam lösen. Was zunächst als Plattform für den branchenübergreifenden Austausch begann, ist heute eine etablierte Einrichtung der österreichischen Konsumgüterwirtschaft. Rund 130 Unternehmen sind Mitglied, der Lebensmittelhandel ist nach Angaben von ECR Austria zu 100 Prozent vertreten. Insgesamt wurden bisher 40 Arbeitsgruppen abgeschlossen.
Austausch in Arbeitsgruppen
Der eigentliche Wert der Initiative liegt dabei weniger im Austausch allein als in den konkreten Ergebnissen. Die Arbeitsgruppen greifen Themen auf, bei denen unterschiedliche Interessen und Abläufe entlang der Wertschöpfungskette aufeinander abgestimmt werden müssen. Vertreter aus Handel, Industrie und Dienstleistung analysieren Problemstellungen, entwickeln gemeinsame Ansätze und erarbeiten Lösungen, die über einzelne Unternehmen hinaus Wirkung entfalten sollen.
Das Spektrum reicht von ganz praktischen Fragen des Tagesgeschäfts bis zu strategischen Zukunftsthemen. So beschäftigte sich die Arbeitsgruppe „On Shelf Availability“ mit der Warenverfügbarkeit am Regal – einem zentralen Faktor für Einkaufserlebnis und Umsatz. Die Gruppe „Omni Shopper Journey“ nahm das veränderte Einkaufsverhalten über digitale, stationäre und kanalübergreifende Angebote unter die Lupe. Bei der Bild- und Media-Datenbank ging es um einheitliche Standards für Bildqualität, Anzahl und Perspektiven, während die Arbeitsgruppe „Promotion Displays“ Empfehlungen zur Standardisierung von Displays auf unterschiedlichen Ladungsträgern entwickelte.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Serviceplattformen. Sie führen abgeschlossene Arbeitsgruppenergebnisse weiter und unterstützen deren Umsetzung. Dazu zählen gemeinsame Lösungen für den Austausch von Artikelstammdaten, elektronische Geschäftsdatenübermittlung über EDI-Profile sowie eine österreichweit einheitliche Warengruppenklassifikation. Gerade solche Grundlagen sind für effiziente Prozesse zwischen Herstellern und Handel entscheidend: Sie reduzieren individuellen Abstimmungsaufwand und schaffen gemeinsame Standards.
Neue Herausforderungen gemeinsam angehen
Auch aktuelle regulatorische und technologische Entwicklungen prägen die Arbeit. Die Circular Packaging Initiative beschäftigt sich mit recyclinggerechter Verpackungsgestaltung und den Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung PPWR. Weitere Arbeitsgruppen widmen sich der EU-Entwaldungsverordnung, dem EU-Lieferkettengesetz und dem Joint Forecasting. Letzteres soll durch eine abgestimmte Prognoseplanung zwischen Handel und Industrie das Working Capital effizienter einsetzen und die Warenversorgung verlässlicher gestalten. Damit zeigt sich, dass ECR nicht nur bestehende Prozesse optimiert, sondern auch bei neuen Anforderungen Orientierung und gemeinsame Lösungsansätze bietet.
Neben den Arbeitsgruppen bilden der jährliche ECR Tag, Weiterbildung und internationale Vernetzung die vier strategischen Säulen der Organisation. Der ECR Tag hat sich als großer Branchentreff der österreichischen Konsumgüterwirtschaft etabliert und bringt seit mehr als 15 Jahren Entscheider und Fachleute zusammen. Über die internationale ECR Community tauschen sich Manager aus rund 25 Ländern aus.
Nachwuchs soll die Zusammenarbeit weiterentwickeln
Zum 30-Jahr-Jubiläum richtet ECR Austria den Blick bewusst nach vorne. Mit dem Anfang 2026 gestarteten ECR Future Makers Circle sollen junge Talente aus Handel, Industrie und Dienstleistung stärker in die Branchenarbeit eingebunden werden. Aus einer ersten kleinen Gruppe soll ab 2027 eine Community mit 40 bis 60 jungen Professionals entstehen. Sie organisiert sich mit eigenem Board und gestaltet die Treffen und Aktivitäten selbst. Geplant sind drei bis vier Netzwerktreffen pro Jahr, ergänzt durch Einblicke in Unternehmen und Gespräche mit Führungskräften. Auch die Beteiligung an ECR-Arbeitsgruppen und Board-Meetings ist vorgesehen. Das neue Programm ECR Future Makers führt diesen Ansatz weiter. Junge Branchenvertreter aus Handel, Industrie und Dienstleistungsunternehmen sollen ihre Perspektiven einbringen und die Weiterentwicklung der Plattform aktiv mitgestalten.
Wie wichtig dieser Austausch ist, zeigen die Stimmen der Future Makers. Für Olga Barbarova, Customer Development Manager bei Mars Austria, entstehen die besten Ideen durch unterschiedliche Perspektiven. Sie sieht in der Initiative eine Möglichkeit, junge Talente aus Handel und Industrie zu vernetzen und gemeinsam die Zukunft der FMCG-Branche zu gestalten. Auch Theresa Meznik, Key Account Managerin bei Tante Fanny, verweist auf die zunehmende Bedeutung gemeinsamer Lösungen. Neue EU-Vorgaben und KI-Anwendungen würden die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Händlern verändern. Ziel müsse es sein, Prozesse zu vereinfachen und Synergien zu nutzen.
Lisa Schauer, Sales Account Director bei Procter & Gamble, kennt ECR bereits aus ihrer Studienzeit. Besonders schätzt sie, dass die Plattform Handel und Industrie nicht nur zum Austausch zusammenbringt, sondern konkrete Mehrwerte schaffen will. Maximilian Floh, Teamleitung Master Data bei Markant, hebt wiederum die Bedeutung der Nachwuchsförderung hervor. Die Student Awards und die Vernetzung mit Unternehmen seien für Berufseinsteiger eine wertvolle Möglichkeit, früh Einblicke in die Branche zu gewinnen.
Während Alisha Buzzi von Winkelbauer den Austausch und neue Perspektiven schätzt, geht es Miriam Fend bei Tchibo darum, der nächsten Generation mehr Gehör zu verschaffen. Dominik Mühleder, Henkel CEE, sieht im Programm die Möglichkeit, sein Netzwerk auszubauen und innovative Ideen voranzutreiben. Liza Wettstein, Colgate Palmolive, wiederum hebt hervor, dass ECR gerade Berufseinsteigern früh Zugang zu Projekten und zum Austausch mit erfahrenen Branchenvertretern ermöglicht.