E-LKW in der Handelslogistik
Die Rewe Group Österreich hat ihre Flotte elektrischer Lastkraftwagen von drei auf neun Fahrzeuge erweitert. Die E-LKW kommen vorwiegend im Großraum Wien für die Handelsfirmen Billa, Bipa, Penny und Adeg zum Einsatz. Jedes Fahrzeug legt im Schnitt rund 58.000 Kilometer pro Jahr zurück und ist dabei bis zu 20 Stunden täglich einsatzbereit.
Die bisherigen Erfahrungen bestätigen die Praxistauglichkeit der Technologie im Handelsbereich. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Diesel-LKW mit vergleichbarer Jahresfahrleistung spart die Pilotflotte rund 144 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Damit die Fahrzeuge zuverlässig unterwegs sein können, hat die REWE Group an ihren Logistikstandorten eigene Ladestationen aufgebaut, allen voran am Standort Inzersdorf.
Gerade im dicht besiedelten Stadtgebiet zahlt sich der Umstieg auf Elektroantrieb aus. Kurze Strecken und ein gut organisiertes Lademanagement erlauben einen durchgehenden Einsatz der Fahrzeuge über weite Teile des Tages. Die Fahrzeuge sind leise und ideal für den Stop-and-go-Verkehr geeignet. Vor dem ersten Einsatz werden die Fahrer eigens geschult, im Umgang mit der Ladeinfrastruktur ebenso wie in einer Fahrweise, die Reichweite und Energieverbrauch der Fahrzeuge im Blick behält.
Fraunhofer Austria: Tool für die Entscheidungsfindung
Der LKW ist das Rückgrat der europäischen Wirtschaft: 77 Prozent des gesamten Frachtaufkommens in der EU werden auf der Straße transportiert. Schwere Nutzfahrzeuge stoßen im Durchschnitt rund 129 Gramm CO2-Äquivalent pro Tonnenkilometer aus. Die EU-Flottengrenzwerte für neue LKW schreiben bis 2040 eine Emissionsreduktion von 90 Prozent vor. Österreich geht noch weiter mit dem Ziel der Klimaneutralität bereits bis 2040.
Batterieelektrische LKW erreichen heute Reichweiten von bis zu 700 Kilometern, erzielen einen Systemwirkungsgrad von rund 77 Prozent gegenüber 25 Prozent bei Diesel und weisen über den Lebenszyklus im Mittel rund 50 Prozent weniger CO2-Emissionen aus als ihre dieselbetriebenen Pendants. In Österreich wurden 2025 bereits über 18.000 elektrische Nutzfahrzeuge zugelassen.
Was vielen Unternehmen aber noch fehlt, ist die belastbare Entscheidungsgrundlage. Denn der Business Case hängt stark vom konkreten Einsatzprofil ab: Routenstruktur, Ladeinfrastruktur, Autobahn-Anteil und Förderprogramme beeinflussen, ob sich der Umstieg rechnet. Genau hier setzt Fraunhofer Austria an.
Mit dem Fleet Flamingo, einem eigens entwickelten, kostenlos zugänglichen Klick-Tool, können Unternehmen in wenigen Minuten eine erste fundierte Einschätzung erhalten. Drei Eingaben genügen: Autobahnanteil, Ladeanteil am eigenen Depot und jährliche Kilometerleistung. Das Tool berechnet darauf basierend die Kostendifferenz zwischen E-LKW und Dieselfahrzeug über einen Zeitraum von sieben Jahren und visualisiert das Ergebnis in einer interaktiven 3D-Matrix.
Wie wirksam gezielte Optimierung sein kann, zeigt eine aktuelle Analyse von Fraunhofer Austria. Durch Routenanpassung kombiniert mit der Integration von Photovoltaik-Eigenstrom lassen sich die Gesamtbetriebskosten einer elektrifizierten Flotte gegenüber einer reinen Dieselflotte um bis zu 10 Prozent senken. Die Flottenelektrifizierung ist kein reines Fahrzeugthema, sie ist eine ganzheitliche System- und Prozessentscheidung.