Drogeriemärkte gewinnen an Bedeutung
Laut aktuellen Daten des NIQ Consumer Panels verzeichneten Drogeriemärkte im Geschäftsjahr 2025 in Deutschland mit einem Umsatzplus von 6,6 Prozent das stärkste Wachstum unter den stationären Händlern. Rund ein Drittel dieses Zuwachses entfiel auf Lebensmittelkategorien. Auffällig ist dabei, dass Drogeriemärkte nicht nur bestehende Kundinnen und Kunden zu häufigeren Käufen bewegen, sondern auch neue Käuferhaushalte gewinnen.
Der Wettbewerbsdruck auf Supermärkte und Discounter nimmt entsprechend zu: Fast 70 Prozent der verlorenen Lebensmittelkäufe im klassischen Handel werden inzwischen in Drogeriemärkten getätigt. Gleichzeitig bauen diese ihr Sortiment kontinuierlich aus. 2025 entfielen bereits 17,8 Prozent des Umsatzes auf Lebensmittel – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2021. Da die Regalfläche nur moderat gewachsen ist, gilt die Entwicklung als klar nachfragegetrieben.
Besonders dynamisch zeigen sich einzelne Warengruppen: Backwaren (+29,1 Prozent), Trockenfertigprodukte (+16,4 Prozent) und Süßwaren (+13,3 Prozent) zählen zu den stärksten Wachstumstreibern. Insgesamt stammen neun der zehn wachstumsstärksten Kategorien aus dem Lebensmittelbereich. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in der klaren Positionierung der Drogeriemärkte bei Themen wie Bio, Gesundheit und Nachhaltigkeit. 35 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten nennen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis in diesen Segmenten als Kaufgrund. Weitere Motive sind ein differenziertes Sortiment (29 Prozent), ein erweitertes Bio-Angebot (29 Prozent) sowie attraktive Preise und Aktionen (28 Prozent).
Veränderung des Einkaufsverhaltens
Parallel dazu verändert sich das Einkaufsverhalten grundlegend. Konsumentinnen und Konsumenten verteilen ihre Einkäufe zunehmend auf mehrere kleinere, anlassbezogene Besuche. Die Zahl der Einkaufsakte pro Haushalt stieg 2025 um 5,1 Prozent, während die Ausgaben pro Einkauf um 1,8 Prozent zurückgingen. Diese Fragmentierung wirkt sich direkt auf die sogenannten „Shopper Missions“ aus: Der klassische Großeinkauf verliert an Bedeutung, während kleinere, gezielte Einkaufsanlässe zulegen – etwa spontane „Feierabend“-Einkäufe (+7,0 Prozent) oder Einkäufe mit Fokus auf einzelne Produktkategorien (+9,0 Prozent).
Für den Handel hat diese Entwicklung weitreichende Konsequenzen. Klassische Promotions verlieren an Wirkung, wenn sie nicht auf konkrete Einkaufsanlässe abgestimmt sind. Zwar stieg der Anteil von Aktionen im Lebensmittelhandel zuletzt deutlich, ihre Effektivität ging jedoch zurück. „Mit Sonderangeboten allein können sich Händler nicht mehr differenzieren“, betont NIQ-Experte Thomas Montiel Castro. Entscheidend sei vielmehr, Promotions gezielt entlang relevanter Warengruppen und konkreter Einkaufssituationen auszurichten.