Tee-Markt holt kontinuierlich auf
Der österreichische Teemarkt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Getrieben von veränderten Konsumgewohnheiten, neuen Lifestyle-Trends und gleichzeitig wachsendem Druck entlang der globalen Lieferketten entwickelt sich das Segment dynamischer denn je. Während Kaffee traditionell die dominierende Rolle im Heißgetränkemarkt einnimmt, hat Tee in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgeholt. Aktuelle Daten zeigen ein moderates, aber stabiles Wachstum: Bis Februar 2026 legte der Markt laut Nielsen um 2,6 Prozent im Umsatz und 1,9 Prozent in der Menge zu .
Innerhalb des Marktes verschieben sich die Gewichte deutlich. Kräuter- und Früchtetees dominieren mit einem gemeinsamen Anteil von über 80 Prozent weiterhin klar das Segment und wachsen stabil. Klassischer Schwarztee hingegen verliert an Bedeutung und kommt nur noch auf rund 12 Prozent Marktanteil (−2,2 %), während Grüntee mit einem Plus von über 11 Prozent die stärkste Dynamik aufweist . Diese Entwicklung ist eng mit einem veränderten Konsumverständnis verbunden: Tee wird zunehmend als gesundes, nachhaltiges Lifestyle-Produkt wahrgenommen.
Veränderung des Konsumverhaltens
Parallel dazu hat sich das Konsumverhalten nachhaltig verändert. Tee ist längst kein saisonales Produkt mehr, sondern wird ganzjährig konsumiert. Pro Kopf liegt der Verbrauch in Österreich bei rund 0,5 Kilogramm jährlich, was sich in etwa 700 Millionen konsumierten Teebeuteln niederschlägt . Convenience bleibt dabei das zentrale Entscheidungskriterium: Rund 90 bis 95 Prozent des Marktes entfallen auf Teebeutel, während loser Tee mit etwa fünf Prozent eine Nischenrolle einnimmt und vor allem im Fachhandel sowie im Onlinevertrieb gefragt ist.
Auch im Außer-Haus-Markt zeigt sich ein differenziertes Bild. Zwar gewinnt Tee auch in der Gastronomie an Profil – etwa durch hochwertigere Angebote oder neue Konzepte wie Tea Pairing –, dennoch bleibt der Teebeutel selbst in der gehobenen Hotellerie weit verbreitet. Lose Tees sind weiterhin die Ausnahme. Gleichzeitig unterscheidet sich die Segmentverteilung im HORECA-Bereich vom Einzelhandel: Hier spielen Früchtetee (31 %) und Kräutertee (30 %) eine ähnlich starke Rolle, während Schwarztee (23 %) und Grüntee (14 %) vergleichsweise stärker vertreten sind . Diese Unterschiede sind nicht zuletzt auf ein internationaleres Gästepublikum zurückzuführen.
Getrieben wird die Marktdynamik zunehmend durch Lifestyle- und Social-Media-Trends. Insbesondere der anhaltende Matcha-Boom verleiht dem Segment zusätzliche Impulse. Tee wird verstärkt mit Themen wie Gesundheit, Nachhaltigkeit und bewusster Konsum aufgeladen und spricht damit gezielt eine jüngere, überwiegend weibliche Zielgruppe an – ein Faktor, der weiteres Wachstum erwarten lässt.
Die Unterstützer des Tees
Unterstützt wird die Branche durch institutionelle Akteure wie den Österreichischer Kaffee- und Teeverband, das Österreichisches Tee-Institut sowie den europäischen Dachverband Tea & Herbal Infusions Europe. Diese engagieren sich sowohl in der Interessenvertretung als auch in der öffentlichen Positionierung von Tee – etwa durch Initiativen wie den „Tag des Tees“ oder regulatorische Themen wie die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Kaffee und Tee ab Juli 2026 .
Logistik - herausfordernder als gedacht
Gleichzeitig steht der Markt unter zunehmendem externen Druck. Die globale Logistiksituation hat sich zwar nach den extremen Verwerfungen der Pandemie stabilisiert, bleibt jedoch kostenintensiv. Steigende Dieselpreise schlagen sich bereits in Zuschlägen von rund 13,5 Prozent auf Lkw-Frachtraten nieder. Auch die Seefrachtkosten sind deutlich gestiegen – um etwa 40 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau . Zwar funktionieren alternative Routen, etwa über das Kap der Guten Hoffnung, derzeit stabil, doch kurzfristig wird mit weiteren Preissteigerungen gerechnet.
Hinzu kommen geopolitische Risiken, insbesondere im Nahen Osten. Die Region fungiert als zentrales logistisches Drehkreuz im globalen Warenverkehr. Eine Eskalation – etwa rund um die Straße von Hormus – könnte erhebliche Auswirkungen auf Lieferketten haben: von Verzögerungen und unregelmäßigen Abfahrten bis hin zu steigenden Transport- und Energiekosten . Da Tee entlang einer global organisierten Wertschöpfungskette produziert wird, wirken sich solche Entwicklungen auf sämtliche Stufen aus – vom Anbau über die Verarbeitung bis hin zum Endpreis im Regal.
Zusätzlich treiben regulatorische Eingriffe innerhalb der EU den strukturellen Wandel voran. Deutlich verschärfte Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel – etwa bei Thiamethoxam und Clothianidin – führen dazu, dass wichtige Ursprungsländer zunehmend aus dem europäischen Markt gedrängt werden . Besonders betroffen ist Assam-Tee aus Indien, der eine zentrale Rolle in klassischen Mischungen wie English Breakfast oder Ostfriesenmischungen spielt. Mit dem Auslaufen entsprechender Importfristen im März 2026 fällt ein wesentlicher Teil dieser Ware künftig weg.
Die Folge ist eine massive Verschiebung in den Beschaffungsstrukturen. Als wichtigste Alternative etabliert sich Kenia, das bereits seit Jahren daran arbeitet, geschmackliche Profile von Assam-Tees nachzubilden. Erste Praxistests zeigen, dass entsprechende Mischungen inzwischen qualitativ sehr nahe an traditionelle Produkte herankommen . Angesichts der betroffenen Mengen handelt es sich hierbei nicht um eine kurzfristige Anpassung, sondern um eine nachhaltige strukturelle Neuausrichtung des Marktes.