Direkt zum Inhalt
De Industrialisierung

De-Industrialisierung voll im Gange

Voestalpine baut 340 Jobs ab, bei Swarovski sind es rund 400 Arbeitsplätze. Und das sind nur die jüngsten Meldungen.

Als die Corona-Unterstützungen flossen, warnten so manche Wirtschaftsexperten einer anschließenden Insolvenzwelle, die nun voll im Gange ist. Natürlich ist nicht ausschließlich die damalige monetäre Hilfe dafür verantwortlich, was heute in den produzierenden Unternehmen passiert, aber es war ein Beginn. Und wenn man derzeit noch von metallverarbeitenden, technischen Industrien liest, so heißt das nicht, dass die heimische Lebensmittelindustrie genauso vor einem mächtigen Problem steht: Die Absätze sinken und die Kosten steigen rasant an. Verarbeitete Lebensmittel sind noch ein wenig verschont, weil die Österreicher gerne essen und trinken – aber wie lange hält die Gnadenfrist an?

Schon im April 2025 warnte Siegfried Menz, Obmann der Bundessparte Industrie in der WKÖ und Bierproduzent vor einer rasant annähernden De-Industrialisierung: „Die Lage der österreichischen Industrie ist dramatisch, wir befinden uns mitten im Prozess der Deindustrialisierung. „Österreichs Industrieproduktion ist schon 2024 um weitere 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Von den letzten 24 Monaten waren 23 Monate rückläufig, mit dem Juli 2024 gab es nur einen Monat mit einem Plus." Auf die Zahlen 2025 darf man gespannt sein – sie werden nicht besser aussehen. Als Ursachen werden hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie und steigende Lohnkosten genannt. Mit dem Rückgang geht eine Kündigungswelle einher. Fakt ist: Mitteleuropa ist in der industriellen Herstellung um bis zu 25% teurer als asiatische Länder – allen voran China.
Noch ist die Regionalität der Rettungsanker der Nahrungs-und Genussmitte-Produktion in Österreich, da die Verbraucher Österreichische Herkunft auf ihren Produkten stehen haben wollen. Wenn der Preis aber die Regionalität einmal schlägt, dann ist auch die Herkunft obsolet.

KSV: Zahl der Firmenpleiten klettert weiter nach oben

Die Gefahr eines dritten Rezessionsjahres infolge ist in Österreich weiterhin nicht gebannt, die heimischen Unternehmen stehen unverändert unter großem finanziellem Druck. Zwar gab es zuletzt zaghafte Anzeichen einer leichten Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, diese reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die Insolvenzwelle einzudämmen. Demzufolge ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zum Ende des dritten Quartals 2025 gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent auf insgesamt 5.120 Firmenpleiten gestiegen. „Neben dem insgesamt hohen Kostenniveau hat auch die vielerorts maximal durchschnittliche Auftragslage und damit einhergehend fehlende Umsätze zu einem Anstieg der Insolvenzen geführt“, analysiert MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz, die Ursachen. „Der Personalmangel trägt auch seinen Teil dazu bei, dass viele Unternehmen Aufträge ablehnen müssen und damit Geld liegen bleibt“, so Götze weiter. 

Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger spricht in einem Interview in „Die Presse“ seinen Unmut über die Regierung aus. Er kann durch eine Umfrage unter den eigenen Firmenkunden auch starken Unmut erkennen und Beratungsresistenz der Regierung. Denn: es gibt genug Empfehlungen und Experten-Pläne, die aus der Krise helfen – von der Regierung werden sie nicht wahrgenommen. Zitat aus „Die Presse“: Die Unternehmen müssten ihre Kostenstrukturen anpassen, „denn sie leiden immer noch an den KV-Erhöhungen der letzten beiden Jahre - 17 Prozent kann man ja nicht einfach wegdiskutieren.“ Der Staat habe die Lohnführerschaft übernommen und zuerst die bedient, die vom Wohlstand leben und achte zu wenig auf die, die Wohlstand schaffen. „50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Industrie und im Mittelstand verloren gegangen, und zeitgleich sind 50.000 Mitarbeiter in der Verwaltung und bei den Beamten aufgebaut worden“, kritisierte Gasselsberger.

Automatisierung und KI als Antwort auf den Fachkräftemangel

Das „Made in Austria IndustriePANEL 2025” (TU-Studie) zeigt, dass Österreichs Industrie vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen steht. Zwar trüben steigende Kosten, Fachkräftemangel und Unsicherheiten die Wettbewerbsfähigkeit, doch Innovation, Automatisierung und Nachhaltigkeit eröffnen auch neue Perspektiven. Die Forschungspartner sehen darin ein Signal, dass Österreichs Industrie bereit ist, den Wandel nicht nur zu bewältigen, sondern aktiv zu gestalten.
Mit 482 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigten liegt Österreich über dem internationalen Durchschnitt und setzt damit ein klares Zeichen für den steigenden Automatisierungsgrad. Trotz dieser Entwicklung bleibt die Bedeutung menschlicher Arbeit hoch: 95,7 % der Betriebe messen ihr eine große oder sehr große Bedeutung bei. Parallel dazu nimmt der Einsatz von KI deutlich zu: 42,4 % der Unternehmen nutzen bereits maschinelles Lernen, insbesondere im Qualitätsmanagement, in der Produktionsplanung und Instandhaltung.
Für Walter Mayrhofer , Head of Research an der FH Wien der WKW, ist klar: „Automatisierung und KI sind kein Selbstzweck – sie sind entscheidend, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Wichtig ist, die Technologien menschenzentriert einzusetzen.“ Damit wird deutlich: Die Digitalisierung der Produktion steht nicht im Widerspruch zur Bedeutung menschlicher Arbeit, sondern kann – richtig gestaltet – deren Potenzial gezielt stärken. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bewerten 83 % der Betriebe ihre Innovationskraft positiv. Zudem berichten 67 % von verkürzten Lieferzeiten. Dies deutet auf stabilisierte Wertschöpfungsketten und eine verbesserte operative Effizienz hin.

Kategorien

Tags

geschrieben am

12.11.2025